Hawaiigitarre

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Soldier’s Joy, North Carolina Hawaiians, 1929

Die Hawaiigitarre oder Lap-Steel-Gitarre ist eine akustische oder elektrische Gitarre mit Stahlsaiten, mit oder ohne Resonator. Anders als beim gewöhnlichen Gitarrenspiel wird sie vom sitzenden Gitarristen auf den Schoß (engl.: lap) gelegt, die Saiten weisen nach oben. Die Saiten sind am Sattel erhöht, so dass sie nicht gegriffen werden können. Die lap steel (Kurzname) wird in einer offenen Stimmung (Open Tuning) gestimmt. Die linke Hand greift nicht, sondern spielt diese Form der Slide-Gitarre mit einem massiven Metallstab oder Rohr (Steel Bar). Typisch für die Hawaiigitarre als Melodieinstrument ist der von Glissandi geprägte singende Ton. Das Instrument wird in der Hawaiimusik, im Blues sowie seit den Tagen des Western Swing in der Country-Musik eingesetzt. Durch mechanische Weiterentwicklung der Bauweise, Hinzufügen von Saiten, Hälsen, Hebeln und Pedalen entstand in den 1950er Jahren die Pedal-Steel-Gitarre.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Spieltechnik, eine Saite nicht mit dem Finger, sondern mit einem gleitenden Stab zu verkürzen, wurde in Indien bereits bei der eka tantri praktiziert, einer heute verschwundenen einsaitigen Stabzither, die seit dem 11. Jahrhundert aus literarischen Quellen bekannt ist. An der Wende zum 20. Jahrhundert entwickelten südindische Musiker eine Variante der Langhalslaute vina, die mit einem Gleitstab gespielt und gottuvadyam genannt wird.[1]

Die Erfindung dieser Technik bei der Gitarre wird dem hawaiischen Schüler Joseph Kekuku zugesprochen, der um 1895 die Saiten seiner Gitarre – statt sie zu greifen – mit einem Messerrücken verkürzte und charakteristische Slide-Effekte erzeugte. Um die Jahrhundertwende (nach der Annektierung Hawaiis) reisten erste Musiker, darunter auch Kekuku, auf das nordamerikanische Festland und traten in Vaudeville-Shows auf. Seit der Panama-Pacific International Exposition (San Francisco 1915), auf der Keoki Awai's Royal Hawaiian Quartette mit großem Erfolg täglich auftrat, entwickelte sich die Hawaii-Musik zum ersten (und langanhaltendsten) World Music-Boom in der Geschichte der aufgezeichneten Musik. Seit 1915 wurden von der amerikanischen Plattenfirma RCA Victor monatlich Hawaii-Platten, z.B. von Steel-Gitarrist Pale K. Lua and David Kaili, veröffentlicht. Ab 1916 folgten auch international alle anderen Firmen mit hawaiischen oder pseudo-hawaiischen Aufnahmen. So war die Steel-Guitar bald nicht nur in den USA, sondern auf der ganzen Welt vertreten und die Hawaiimusik entwickelte sich zu einer überaus beliebten Stilrichtung. Hawaiigitarren gehörten zum Ensemble der Uraufführungen der Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny (1930) von Weill/Brecht sowie der Operette Die Blume von Hawaii von Paul Abraham (1931). 1932 wurde von Rickenbacker die erste elektrisch verstärkte Hawaiigitarre eingeführt Rickenbacker Frying Pan; dieses Modell war zugleich die erste in Serie hergestellte Gitarre mit einem elektromagnetischen Tonabnehmer. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich auch in Deutschland in den 1950er-Jahren ein Markt für elektrische Hawaiigitarren, die von Firmen wie Framus oder Höfner hergestellt wurden.

Gitarrentypen[Bearbeiten]

Grundsätzlich lässt sich jede Gitarre verwenden. Ein zusätzlicher Aufsatz am Sattel erhöht die Saitenlage so, dass kein Kontakt mehr zum Griffbrett besteht. Spezielle Hawaiigitarren weisen als gemeinsames Baumerkmal einen rechteckigen kräftigen Hals auf (Squareneck). Es lassen sich im weiteren drei Grundtypen unterscheiden:

  • Eine akustische Hawaiigitarre mit hohlem Hals wurde von Hermann Weissenborn entwickelt. Sie hat sechs oder acht Saiten mit der Stimmung E-(F#)-A-(c#)-e-a-cis'-e'[2]. Ähnliche Modelle bauen heute z. B. die Firmen Manzanita, Fender, Gretsch (EBM) und jüngst auch die schwäbischen Firmen Vando-Guitars sowie Bediaz-Music.
  • Resonatorgitarren (z. B. Dobro) gibt es ebenfalls in der Squareneckvariante.
  • Elektrische vollmassive Hawaiigitarren produzieren nach Vorbildern von Gibson und Fender heute viele weitere Elektro-Gitarren-Hersteller. In Deutschland zählen paddelförmige Framus oder bauchige Roger-Gitarren zu den frühen E-Lapsteel-Gitarren der 1950er-Jahre. Einige Modelle besitzen drei bis vier anschraubbare Füße. Sie werden dann table steel genannt und unterscheiden sich von den Pedal-Steel-Gitarren durch das Fehlen der Hebel und Pedale.

Gitarristen[Bearbeiten]

Zu den berühmtesten Spielern der Hawaiigitarre zählen Frank Ferera, Sol Hoopii, Bob Dunn, Leon McAuliffe, Roy Smeck, Don Helms, Jerry Byrd, Ry Cooder, David Lindley, Jerry Douglas, Bob Brozman, Ben Harper, Cindy Cashdollar, Freddie Roulette und Scott Colby. Respektable Nebeninstrumenten-Lapsteeler sind Pink Floyds David Gilmour und John Paul Jones.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hawaiigitarre – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten]

  1. Bigamudre Chaitanya Deva: Musical Instruments. National Book Trust, Neu Delhi 1977, S. 88, 90
  2. Winfried Pape: Instrumentenhandbuch, Köln (Hans Gerig ) 1976, S. 43.