Heatball

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Zur Unterscheidung von Glühlampen trägt jeder Heatball diesen Aufdruck
Sankey-Diagramm des Heatballs: Er produziert aus der zugeführten Energie 95 % Wärme und 5 % Licht

Heatball (Heizkugel) ist eine alternative Bezeichnung für Glühlampen im Rahmen eines satirischen Projektes des Essener Maschinenbauingenieurs Siegfried Rotthäuser. Mit dieser Aktion regte Rotthäuser eine Diskussion über die EG-Verordnung Nr. 244/2009[1] in der Öffentlichkeit an, die vorsah, Punktlichtquellen mit einer Energieeffizienzklasse schlechter als C bis September 2012 schrittweise zu verbieten. Hierzu deklarierten der Ingenieur und sein Schwager herkömmliche Glühlampen als Kleinheizelemente.[2] Die Aktion fand international in den Medien Beachtung.[3][4][5][6]

2011 wurde die Aktion mit dem Deutschen IQ-Preis ausgezeichnet, der vom Verein Mensa in Deutschland vergeben wird.[7]

Geschichte[Bearbeiten]

Im April 2010 begannen Siegfried Rotthäuser und sein Schwager Rudolf Hannot, über das Internet Glühlampen, Heatballs genannt und als Kleinheizelement bezeichnet, zum Preis von 1,69 Euro/Stück zu vertreiben. 30 Eurocent pro verkauftem Exemplar wurden an ein Projekt zum Schutz des Regenwaldes gespendet, was nach Aussage Rotthäusers dem Klimaschutz mehr bringen würde als ein Glühlampenverbot.[2] Nachdem die Startauflage von 4.000 Exemplaren binnen weniger Tage ausverkauft war und Bestellungen in Höhe von weiteren 40.000 Heatballs vorlagen, entschlossen sich die Projektbetreiber zu einer einmaligen Nachbestellung der Glühlampen. Die Freigabe dieser Lieferung aus China wurde am 16. November 2010 durch das Zollamt Flughafen Köln/Bonn vorerst ausgesetzt.[8]

Die Bezirksregierung Köln ließ ein Gutachten durch den VDE erstellen, das zu dem Ergebnis kam, dass Heatballs, wenn sie als Glühlampe verwendet werden, nicht die Effizienzanforderungen der EG Verordnung 244/2009 erfüllen.[9] 2011 erließ die Bezirksregierung Köln deswegen eine Ordnungsverfügung, die das Inverkehrbringen der Heatballs untersagte.[10] Dagegen strengte Rudolf Hannot Klage vor dem Verwaltungsgericht Aachen an, das einen Eilbeschluss erließ und den Verkauf untersagte. Im Hauptverfahren müsse allerdings geklärt werden, ob es sich bei Heatballs um Speziallampen im Sinne der EG-Verordnung handele.[11][12]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Verordnung (EG) Nr. 244/2009 (PDF, 100 KB) der Kommission vom 18. März 2009 zur Durchführung der Richtlinie 2005/32/EG des Europäischen Parlaments und des Rates im Hinblick auf die Festlegung von Anforderungen an die umweltgerechte Gestaltung von Haushaltslampen mit ungebündeltem Licht
  2. a b Kathrin Dorscheid: Heißer Importschlager. Frankfurter Rundschau Online vom 28. Oktober 2010
  3. Günter Pilch: Ingenieur trickst EU-Verbot aus. Kleine Zeitung (Österreich) vom 8. November 2010
  4. Carl Alfred Dahl: Dette er en varmeball! Aftenbladet (Norwegen) vom 27. Oktober 2010
  5. Vale Decir: Hágase el calor. Pagina 12 (Argentinien) vom 24. Oktober 2010
  6. Agencija Tanjug: Biznismen prodaje sijalice kao grejalice. Glas Javnosti (Serbien)
  7. Mensa in Deutschland e.V.: Der Deutsche IQ-Preis 2011. Abgerufen am 8. Oktober 2011.
  8. Philip Plickert: Kleinheizgerät „Heatball“. Zoll hält 40.000 Glühbirnen auf. FAZ.NET vom 18. November 2010
  9. Die Welt: „Heatballs“ sind jetzt auch offiziell Glühbirnen, Köln, 13. Dezember 2010
  10. heatball.de: Ordnungsverfügung mit Anordnung der sofortigen Vollziehung und Androhung von Zwangsgeld (PDF; 475 kB), Köln, Bezirksregierung Köln, 6. Januar 2011
  11. heatball.de: Klage (PDF; 2,6 MB), Düsseldorf, Rechtsanwälte Schumacher & Partner, 1. Februar 2011
  12. Financial Times Deutschland am 26. Juli 2011: Gericht verbietet Glühbirnen-Satire. Archiviert vom Original am 13. August 2011, abgerufen am 27. Juli 2011.