Hector Wilhelm Heinrich Mithoff

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Hector Wilhelm Heinrich Mithoff (* 13. Juni 1811 in Uelzen; † 20. März 1886 in Hannover) war ein deutscher Architekt und „Kunstschriftsteller“[1] sowie Zeichner.[2][3]

Mithoff arbeitete etwa mit Conrad Wilhelm Hase bei der Restaurierung der Michaeliskirche in Hildesheim zusammen, die heute zum Weltkulturerbe gehört. Sein bedeutendstes Werk ist jedoch „das erste flächendeckende Kunstdenkmälerinventar des Königreichs Hannover“.[1]

Leben[Bearbeiten]

Familie[Bearbeiten]

Wilhelm Mithoff entstammte dem alten, seit 1430 zunächst in Neustadt am Rübenberge und später insbesondere in Hannover ansässigen Bürgergeschlecht Mithoff (auch: Mithobe, Mithobius, Mithof), von dem mittem im Dreißigjährigen Krieg ein Zweig in den Reichsadelstand erhoben wurde.[4] Mithoffs Vater war der spätere Oberlandbaumeister in Celle, Carl Friedrich Wilhelm Mithoff.[1]

Werdegang[Bearbeiten]

Wilhelm Mithoff durchlief eine Ausbildung als Baueleve bei der königlichen Hofbauverwaltung in Hannover unter dem Architekten Georg Ludwig Comperl und wurde seitdem in Hannover bei den dortigen staatlichen Baubehörden beschäftigt.[1]

In den 1830er Jahren war Mithoff Schüler des Architekten und späteren Autors Georg Moller, arbeitete später auch mit Georg Ludwig Friedrich Laves zusammen.[5]

1835 bis 1837 ging Mithoff auf Studienreise in Deutschland, Italien und Frankreich, während der er in Paris mit dem Architekten Henri Labrouste zusammenkam. Ebenfalls 1837 begann er - gemeinsam mit dem Architekten Heinrich Ludwig Krüger - mit dem Neubau des bis 1842 fertiggestellten Oberlandesgerichts Celle, unterbrochen nur 1839 durch eine zweite Studienreise nach Italien.[1]

Ab 1839 wurde Mithoff bei der königlichen Domainenkammer und der Klosterkammer Hannover tätig. In dieser Zeit arbeitete er beispielsweise 1850 mit Conrad Wilhelm Hase zusammen während der Restaurierung der Michaeliskirche in Hildesheim.[1][6]

Als Mitglied im Hannoverschen Künstlerverein wurde Mithoff Mitbegründer[7] des 1851 gegründeten Architekten- und Ingenieur-Vereins Hannover (AIVH).[8]

Ab 1858 wirkte Mithoff als Baureferent des königlichen Hausministeriums und des Oberhof-Marschall-Departements. Schließlich wurde er 1866 zum Oberbaurat des Finanz-Departements erhoben.[1]

Erst nach seiner Pensionierung 1868 begann Mithoff mit den Arbeiten zum ersten flächendeckenden Inventar der Kunstdenkmäler des Königreichs Hannover (siehe Abschnitt Schriften)[9] und stellte sich mit seinem Archiv für Niedersachsens Kunstgeschichte thematisch in die „Nachfolge der grossen Werke [Georg] Mollers und Boisserées“.[5]

Ehrungen[Bearbeiten]

  • Die im Todesjahr Hannover des Oberbaurats 1886 angelegte Mithoffstraße in der Südstadt von Hannover ehrt dem Kunsthistoriker durch ihre Namensgebung.[10]

Werke[Bearbeiten]

Bauten (sofern bekannt)[Bearbeiten]

Stiftstraße 12 in Hannover-Mitte: Reste der 1862 erbauten eigenen Villa Mithoffs, heute zum Bürogebäude umgestaltet

Durch die Luftangriffe auf Hannover im Zweiten Weltkrieg wurde 1943 das Bauamtshaus „zerstört und mit ihm erhebliche Teile dort gelagerter historischer Dokumente.“ Kurze Zeit darauf ging durch die Hochwasserkatastrophe von 1946 „die Überlieferung der Stadtgeschichte des 19. Jahrhunderts [durch das Stadtarchiv Hannover] zu 80% verloren.“[11] Daher sind auch nicht mehr alle Werke Mithoffs bekannt und heute Gegenstand erneuter Forschung.[7]

  • 1837–1842 (mit Landbauinspektor Heinrich Ludwig Krüger): Celle, Oberlandesgericht; erhalten[7]
  • 1840er Jahre, Hannover: Bauaufnahmen von Bürgerhäusern, dem Rathaus etc.[7]
  • um 1850: Walsrode: Kanzelwand für die von Ludwig Hellner bis 1850[12] erbaute evangelisch-lutherische Kirche St. Johannis,[7] der dann von dem Bildhauer Taeger und dem Maler Carl Oesterley ausgeführt wurde[9]
  • 1852 Hannover, Leinstraße/Ecke Mühlenstraße: Renaissance-Bürgerhaus (Haus der Väter)[7]
    • 1852 wegen Erweiterung des Leineschlosses abgerissen[7]
    • 1852 Wiederaufbau in der Langen Laube 3 als Wohnhaus für den Maler Carl Oesterley (im Zweiten Weltkrieg zerstört)[7]
    • 1957 Wiederverwendung von Fassadenelementen beim Neubau des Hauses Leinstraße 33[7]
  • 1857–1861 Winzenburg: Neubau der römisch-katholischen Kirche St. Mariä Geburt[7]
  • 1862 Hannover, Stiftstraße 12: Wohnhaus Mithoff; in Resten erhalten[7]

Schriften (unvollständig)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm Rothert: Allgemeine Hannoversche Biografie (in Frakturschrift), Band 1: Hannoversche Männer und Frauen seit 1866, Hannover: Sponholtz, 1912, S. 357
  • Ulfrid Müller (Hrsg.): Friedrich August Ludwig Hellner, 2.12.1791 - 2.8.1862, Konsistorialbaumeister im Königlichen Konsistorium zu Hannover; Festschrift zur Erinnerung an seinen 200. Geburtstag , hrsg. im Auftrag des Landeskirchenamtes der Ev.-Luth. Landeskirche Hannovers vom Amt für Bau- und Kunstpflege durch Ulfrid Müller, Ev.-Luth. Landeskirche Hannovers, Amt für Bau- und Kunstpflege, 1991, S. 128 u.ö.
  • Oberbaurath a. D. Mithoff †, in: Deutsche Bauzeitung, 20. Jahrgang, 1886, Nr. 28, S. 167
  • H. W. H. Mithoff †, in: Centralblatt der Bauverwaltung, 6. Jahrgang, 1886, Nr. 15, S. 148
  • Zeitschrift des Architekten- und Ingenieur-Vereins zu Hannover, 1886, S. 376–377
  • Theodor Unger: Hannover – Führer durch die Stadt und ihre Bauten. Festschrift zur fünften General-Versammlung des Verbandes Deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine, Hannover 1882
  • Georg Dehio (Hrsg.): Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Berlin: München: 1900–
  • Helga Stein: Farbe am Knochenhauer-Amtshaus, in: Quellen und Dokumente zur Stadtgeschichte Hildesheim, Band 1, Hildesheim 1993
  • Günther Kokkelink, Monika Lemke-Kokkelink: Baukunst in Norddeutschland. Architektur und Kunsthandwerk der Hannoverschen Schule 1850–1900, Hannover: Schlütersche, 1998, ISBN 3-87706-538-4, S. 550 u.ö.
  • Helmut Knocke: MITHOFF, Hector Wilhelm Heinrich, in: Hannoversches biographisches Lexikon, S. 256f.
  • Helmut Knocke: Mithoff, Hector Wilhelm Heinrich, in: Stadtlexikon Hannover, S. 445f.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hector Wilhelm Heinrich Mithoff – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Hector Wilhelm Heinrich Mithoff – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g Helmut Knocke: MITHOFF ... (siehe Literatur)
  2. Vergleiche die Dokumentation bei Commons (siehe unter dem Abschnitt Weblinks)
  3. Anmerkung: Nach Angaben im Bildarchiv Foto Marburg war Mithoff auch Denkmalpfleger und Baurat; vergleiche [www.bildindex.de/dokumente/html/obj20474937 diese] Angaben; zuletzt abgerufen am 23. August 2013
  4. Karl Ernst Hermann Krause: Mithobius, Hektor. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 22, Duncker & Humblot, Leipzig 1885, S. 12–14.
  5. a b Claudia Grund: Deutschsprachige Vorlagenwerke des 19. Jahrhunderts zur Neuromanik und Neugotik. Eine kritische Bibliographie auf der Grundlage der Bestände der Universitätsbibliothek Eichstätt, zugleich Dissertation 1994 an der Katholischen Universität Eichstätt, Wiesbaden: Harrassowitz, 1997, ISBN 3-447-03852-7, S. 163; online über Google-Bücher
  6. Laut Reinhard Glaß (siehe im Abschnitt Weblinks) finden sich Unterlagen über die Tätigkeiten Mithoffs sowohl im „Nachlass Hase“ im Stadtarchiv Hannover als auch in der dortigen „Personengeschichtlichen Sammlung“.
  7. a b c d e f g h i j k Reinhard Glaß: Mithoff ... (siehe im Abschnitt Weblinks)
  8. Ludwig Hoerner: Architekten- und Ingenieurverein Hannover, in: Stadtlexikon Hannover, S. 33
  9. a b Helmut Knocke: Mithoff ... (siehe Literatur)
  10. Helmut Zimmermann: Mithoffstraße, in: Die Strassennamen der Landeshauptstadt Hannover, Verlag Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1992, ISBN 3-7752-6120-6, S. 175
  11. N.N.: Historie des Stadtarchivs / Archivgeschichte, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Landeshauptstadt Hannover (ViSdP), zuletzt abgerufen am 23. August 2013
  12. Helmut Knocke: HELLNER, Friedrich August Ludwig, in: Hannoversches Biographisches Lexikon, S. 161; online über Google-Bücher