Hedgegeschäft

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Hedging)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Begriff Sicherungsgeschäft, Kurssicherung oder Hedgegeschäft (kurz Hedging; von engl. to hedge [hɛdʒ], „absichern“) bezeichnet ein Finanzgeschäft zur Absicherung einer Transaktion gegen Risiken wie beispielsweise Wechselkursschwankungen oder Veränderungen in den Rohstoffpreisen. Die Person oder Unternehmung, die eine Transaktion hedgen möchte (auch Hedger genannt), geht zu diesem Zweck eine weitere Transaktion ein, die mit der zugrunde liegenden Transaktion gekoppelt ist. Dies findet gewöhnlich in der Form eines Termingeschäfts statt. Ein perfekter Hedge eliminiert jegliches systematische Risiko, ist aber in der Praxis fast unmöglich.

Merkmale[Bearbeiten]

Dem Hedgegeschäft liegt die Absicht zugrunde, einen gegenwärtig als annehmbar empfundenen Preis, wie etwa den Börsenkurs eines Wertpapiers, den Wechselkurs einer Währung oder einen Zinssatz, für die Zukunft festzulegen.

Hedgegeschäfte lassen sich grundsätzlich sowohl mit börsengehandelten Instrumenten wie Futures und Optionen (oft als portfolio insurance bezeichnet) als auch außerbörslich in so genannten over-the-counter Märkten mittels nichtstandardisierter Derivate einrichten.

Der Erfolg des Kurssicherungsgeschäftes beruht auf einer preisausgleichenden Wirkung der Kursschwankungen des Grundgeschäftes durch ein entgegengerichtetes Engagement im Terminmarkt. Stimmen Kursrichtung und das Ausmaß der Kursänderungen in Spot- bzw. Kassamarkt und Terminmarkt vollständig überein, so lässt sich durch die Einnahme einer Gegenposition im Terminmarkt die Ungewissheit über die zukünftige Kursentwicklung des Grundgeschäftes vollständig beseitigen. Durch eine Parallelbewegung der Terminkurse zu den Spot- bzw. Kassakursen eines Marktgegenstandes gleichen sich Kursgewinne und Kursverluste mithin idealerweise vollständig aus.

Man unterscheidet zwischen Bestandshedge und antizipativem Hedge. Ein Bestandshedge dient der Absicherung einer bestehenden Kassaposition, z. B. eines Dax-Portfolios. Der antizipative Hedge würde bei einem Kauf des DAX zu einem zukünftigen Zeitpunkt eingegangen.

Beispiel[Bearbeiten]

Ein europäisches Unternehmen verkauft Produkte in die Vereinigten Staaten. Es schließt heute einen Vertrag und muss Ende des Jahres 10.000 Bleistifte zum Preis von 1 $ pro Stift liefern. Im Augenblick erhält man pro Dollar 1 . Der Verkäufer der Stifte bekommt nach heutigem Wechselkurs also 10.000 €. Ist der Wechselkurs am Ende des Jahres 10 % niedriger (bzw. höher), d.h. 1 $ ist 0,90 € (bzw. 1,10 €) wert, so erhält der Verkäufer umgerechnet 9.000 € (bzw. 11.000 €). Diese 1.000 € Verlust (bzw. Gewinn) stammen aus Wechselkursschwankungen und haben mit dem eigentlichen Geschäft nichts zu tun. Dies hat bestimmte bilanzrechtliche Implikationen, die zum Verständnis des Geschäftes nicht weiter von Interesse sind.

Um sich gegen diese Schwankungen abzusichern, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zwei einfache Beispiele werden hier vorgestellt:

Sicherer Wechselkurs[Bearbeiten]

Das Unternehmen kann heute schon einen fixen Wechselkurs erhalten und daher mit Sicherheit einen bestimmten Betrag erlösen.

Mit Hilfe von Futures kann das Unternehmen heute schon die 10.000 $, die es am Ende des Jahres erhält, zu einem bestimmten Kurs verkaufen. Dies nennt man Leerverkauf oder short sale. Der Kurs dieses Futures für Dollar am Jahresende ist beispielsweise 0,99 € pro US-Dollar. Indem das Unternehmen eine entsprechende Anzahl von Kontrakten verkauft, bekommt es aus dem Geschäft mit Sicherheit 9.900 €.

Minimaler Wechselkurs[Bearbeiten]

Die Unternehmung kann mit Hilfe von Optionen einen minimalen Wechselkurs absichern und erhält daher einen Mindestbetrag mit der Möglichkeit auf Steigerung.

Sie kauft dazu eine entsprechende Anzahl von Kontrakten mit dem Recht, am Ende des Jahres 10.000 $ zum Kurs von 0,99 € zu verkaufen. Diese Option kostet 100 €. Liegt der Kurs am Jahresende bei 1,10 €, verfällt die Option wertlos und das Unternehmen erhält am Markt 11.000 € aus dem Verkauf der Bleistifte. Das Geschäft bringt dem Unternehmen daher 11.000 € − 100 € = 10.900 €: das Geld aus dem Verkauf der Bleistifte, abzüglich der Kosten zum Kauf der Option. Liegt der Kurs am Jahresende bei 0,95 €, nimmt das Unternehmen das Recht zum Verkauf wahr und erhält mittels Ausübung der Option 9.900 €. Das Geschäft bringt daher abzüglich der Kosten für die Option 9.800 €.

Wie dieses Beispiel verdeutlicht, besteht die Möglichkeit, aus unsicheren zukünftigen 10.000 € entweder sichere heutige 9.900 € oder eine Kombination aus sicheren zukünftigen 9.800 € und unsicheren 10.900 € (oder mehr) zu machen.

Pro und Contra[Bearbeiten]

Hedging mindert einerseits das Risiko eines Finanzgeschäfts, verringert andererseits aber auch die Renditechancen bei einer günstigen Entwicklung. Weiterhin können für das Absicherungsgeschäft zusätzliche Kosten entstehen. Nicht bei jedem Geschäft ist daher eine Absicherung durch Hedging sinnvoll. Es ist jeweils ein Kompromiss zwischen erwarteter Rendite und akzeptablem Risiko zu finden. Generell ist Hedging nicht sinnvoll, wenn die zusätzlichen Hedging-Kosten höher sind als die aus dem abzusichernden Finanzgeschäft erwartete Rendite.

Zudem ist das Absichern von Geschäften an den Terminmärkten ein komplexer Vorgang und für Ungeübte mit zusätzlichen Risiken verbunden. Ein Beispiel aus der Vergangenheit ist der große Verlust der Metallgesellschaft (heute GEA Group), der aus Unverständnis über eingegangene Hedging-Positionen im Öltermingeschäft entstand.

Eine Alternative zum Hedging kann die Verringerung der Volatilität eines Wertpapier-Portfolios durch Diversifikation sein.

Kritisch an dem an sich sinnvollen Hedging wird angeführt, dass zum einen das abzusichernde Risiko weitergereicht werde und es letztlich ein Partner definitiv annehmen müsse (Hot-Potato-Trading). Die Sicherungsgeschäfte trügen zum anderen zur Aufblähung der Kreisläufe auf den Finanzmärkten bei und würden sich gegenüber der Realwirtschaft verselbstständigen[1].

Allerdings sind auch Geschäfte gegenseitiger Absicherung möglich („Win-Win-Situation“), nämlich wenn zwei Marktteilnehmer von der jeweils gegenläufigen Entwicklung eines Kurses profitieren. So können sich beispielsweise ein Rohstoffproduzent und ein Rohstoffkäufer gegenseitig mit Hilfe eines Termingeschäftes absichern: Fällt der Rohstoffpreis, so bedeutet das für den Produzenten Gewinneinbußen und ist für den Käufer günstig; steigt der Preis, ist es jedoch genau umgekehrt. Durch das Wertpapiergeschäft können die Parteien sich eines festen Preises versichern, so dass für beide zwar die Chance auf zusätzlichen Gewinn, aber insbesondere auch das Verlustrisiko verringert wird. Eine ähnliche gegenseitige Absicherung ist (wie eben dargestellt) auch bei Wechselkursrisiken denkbar, beispielsweise wenn Käufer und Verkäufer einer Ware ihren Sitz in jeweils unterschiedlichen Staaten haben. Die Organisation eines solchen Geschäftes über ein börsengehandeltes Wertpapier wie ein Future macht es hierbei einfacher, einen Vertragspartner zu finden und den Vertrag zu geringen Kosten abzuschließen.

Allerdings ist über die gleichen Instrumente, die der Risikoabsicherung dienen, auch eine reine Spekulation mit dem Ziel der Gewinnerzielung möglich. Ein großer Anteil der an den Börsen gehandelten Derivate dient der Spekulation. Dies beeinträchtigt die Preisbildung und kann zu spekulativen Blasen führen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. C. Schoder, S. Pirklbauer: Die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Schieflagen aus dreißig Jahren neoliberaler Finanzmärkte. In: Attac (Hrsg.), Crash statt Cash. Warum wir die globalen Finanzmärkte bändigen müssen. ÖGB-Verlag, Wien 2008, ISBN 978-3-7035-1348-0, S. 15 (20 f.).