Hedwig Dransfeld

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Hedwig Dransfeld
Hedwig Dransfeld auf einer deutschen Briefmarke
Grabmal der Hedwig Dransfeld

Hedwig Dransfeld (* 24. Februar 1871 in Hacheney (heute Dortmund); † 13. März 1925 in Werl) war eine deutsche katholische Frauenrechtlerin und Politikerin.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Hedwig Dransfeld wurde am 24. Februar 1871 in Hacheney bei Dortmund als Tochter des Romberg’schen Oberförsters Clemens Dransfeld und seiner Ehefrau, der Arzttochter Elise Fleischhauer geboren. Sie wurde katholisch getauft. Der Vater starb, als Hedwig Dransfeld drei Jahre alt war. Fünf Jahre später starb auch ihre Mutter. Dransfeld wuchs danach zunächst bei ihrer Großmutter mütterlicherseits im Rheinland auf, nach deren Tod kam sie in ein Waisenhaus. Dort wurde ihre Begabung entdeckt, und bereits mit 16 Jahren begann sie die Ausbildung am Königlichen Katholischen Lehrerinnen-Seminar in Paderborn. Während dieser Ausbildung erkrankte sie an Knochentuberkulose und verlor den linken Arm und eine Ferse. Trotzdem bestand sie 1890 ihr Lehrerinnen-Examen mit Auszeichnung und fand danach Anstellung als weltliche Hilfslehrerin an der Werler Ursulinenschule. Sie stieg zur Lehrerin auf und erwarb trotz der Krankheit durch ein Fernstudium 1897 das Diplom für Schulvorsteherinnen. Daraufhin wurde sie zur Schulleiterin der Ursulinenschule, und diese konnte zu einem Mädchenlyzeum ausgebaut werden.

Mit der Zulassung von Frauen zum Universitätsstudium 1908 begann Dransfeld Kulturwissenschaften in Münster, später in Bonn zu studieren. Sie war schon früh schriftstellerisch tätig und veröffentlichte Gedichtbände. Später folgten Beiträge für die Zeitschrift „Die christliche Frau“ des Caritasverbands. 1905 übernahm sie die Redaktion dieser Zeitschrift und wandelt sie zu einem Organ des Katholischen deutschen Frauenbunds (KDFB). Dransfeld wurde zunehmend zu einer Aktivistin der katholischen Frauenbewegung. Große Beachtung fand ihre Rede „Die Frau im kirchlichen und religiösen Leben“ auf dem ersten deutschen Frauenkongress im Januar 1912 im Berliner Reichstag. Der sozialdemokratische Berliner Vorwärts bezeichnete sie als „die bedeutendste Frau der Gegenwart“. Im Oktober 1912 erfolgt die Wahl zur hauptamtlichen Vorsitzenden des KDFB, und Dransfeld legte ihre Arbeit als Lehrerin nieder. Unter der Leitung Dransfeld entfaltete der Frauenbund eine starke politische Aktivität, die Frage des Frauenwahlrechts wurde diskutiert. 1916 entwickelte sie das Konzept einer Frauenfriedenskirche, welche in Frankfurt am Main gebaut wurde.

Nach der Novemberrevolution wurde Dransfeld vom Zentrum für die Weimarer Nationalversammlung und die Preußischen Landesversammlung nominiert. 1920 zog sie ebenfalls als Zentrumsabgeordnete für den Wahlkreis Düsseldorf 2 in den Reichstag ein. Ihre Schwerpunkte waren Sittlichkeits- und Wohnungsfragen, Familien- und Eherecht, Schule und Jugendschutz. Sie wirkte maßgeblich an der neuen Sozialgesetzgebung mit. 1919/20 war Hedwig Dransfeld Vorstandsmitglied der rheinischen Zentrumspartei, bis zu ihrem Tod dann des westfälischen Zentrums. Von 1920 bis zu ihrem Tod war Dransfeld Beisitzerin im Vorstand der Zentrums-Reichstagsfraktion sowie seit 1922 Vorsitzende des Reichsfrauenbeirats ihrer Partei. Aus gesundheitlichen Gründen legte sie 1922 den Vorsitz des KDF nieder, blieb aber Mitglied des Reichstags. In ihren letzten Lebensjahren setze sie sich auch stark für die Frauenfriedensbewegung ein. Am 13. März 1925 starb Hedwig Dransfeld in einem Zimmer des Werler Ursulinenkonvents. Auf dem Parkfriedhof in Werl ist ihr Ehrengrab. Das Grabmal wurde vom Bildhauer Franz Guntermann gestaltet. 1938 gab die Stadtverwaltung Werl ein Gutachten bei der Reichskammer der bildenden Künste in Auftrag, in dem geklärt werden sollte, ob es sich bei dem Kruzifix um entartete Kunst handelt. Die Reichskammer legte sich nicht fest und empfahl Rücksprache mit der Familie Dransfeld, um den Corpus freiwillig zu entfernen, das Kreuz aber zu belassen. Danach wurde die Sache von der Stadt nicht mehr weiter verfolgt, das Grabmal blieb unverändert.[1]

Ehrungen[Bearbeiten]

  • Anlässlich ihres 50. Geburtstages im Jahre 1921 verlieh ihr die Stadt Werl das Ehrenbürgerrecht als Anerkennung und aus Dankbarkeit für ihre Verdienste um die Stadt.
  • Am 10. November 1988 ehrte sie die Deutsche Bundespost in der Wertzeichen-Dauerserie Frauen der deutschen Geschichte mit einer Briefmarke zu 350 Pfennig.
  • In Essen-Altendorf wurde ein Platz nach ihr benannt.
  • In Frankfurt am Main wurde eine Straße nach ihr benannt.
  • In München trägt eine Allee ihren Namen.
  • Im Neubaugebiet Am Hölder in Bonn, Ortsteil Röttgen, bekam eine Straße ebenfalls ihren Namen.
  • Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe benannte die in Werl betriebene Westfälische Schule für Körperbehinderte nach Hedwig Dransfeld.

Auswahl der Veröffentlichungen von Hedwig Dransfeld[Bearbeiten]

  •  Wie das Grafendorli glücklich wird. Erzählung für junge Mädchen (= Bachems illustrierte Erzählungen für Mädchen. Bd. 7). Bachem, Köln 1920.
  •  Der gute Ton für die heranwachsende Jugend. Thiemann, Hamm 1930.
  •  Il Santo. Erzählungen und Gedichte für alle Verehrer des Hl. Antonius von Padua. Junfermann, Paderborn 1902.
  •  Theo Westerholt. Erzählung aus der Zeit Albrecht Dürers (= Aus allen Zeiten und Ländern. Bd. 18). Bachem, Köln 1913.
  •  Die Geschwister di Mona Rosta. Erzählung aus dem 17. Jahrhundert (= Bachems illustrierte Erzählungen für Mädchen. Bd. 13). Bachem, Köln 1920.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hedwig Dransfeld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Helmuth Euler: Werl unterm Hakenkreuz. Brauner Alltag in Bildern, Texten, Dokumenten. Zeitgeschichte 1933–1945. 2. Auflage. Foto-Studio Euler, Werl 1984, S. 188.