Heftklammer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Eine Heftklammer ist ein U-förmig gebogenes Metallstück, meist aus verkupfertem oder verzinktem Stahl. Die Heftklammer bildet eine im Prinzip unlösbare Verbindung zwischen zwei oder mehreren Blättern Papier o. Ä. Eine lösbare Verbindung kann man mit einer Büroklammer erreichen.

Da heute übliche Büro-Heftklammern nicht besonders stabil sind, kann man sie mit etwas Geschick von Hand aufbiegen und so die Verbindung doch wieder lösen, falls erforderlich. Es gibt auch Geräte zur Entfernung von Heftklammern. Dabei bleiben jedoch in jedem Blatt zwei Löcher zurück.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Ausführungen

Klammerstäbe (24/6)

Heftklammern gibt es in verschiedenen Ausführungen und Größen, z. B. als 24/6, 26/6, 26/8, 23/6 für ca. 30, 23/8 für ca. 50, 23/10 für ca. 70 und 23/13 für ca. 100 Blätter, sowie in wenigen Millimeter kleinen Ausführungen. Einzig die Ausführung 24/6 ist genormt. Die DIN 7405 („Heftklammer 24/6 für Büro-Heftgeräte; Heftklammer, Klammerstab“) vom Dezember 1963, die die Vorgängernorm vom Dezember 1942 abgelöst hat, regelt dabei die Maße, Ausführung, Benennung, Packung und Bestellbezeichnung. So entsprechen zum Beispiel lediglich Schachteln mit 1000 Heftklammern dieser Norm; andere Packungsgrößen sind nicht vorgesehen. Die Klammern müssen außerdem in Klammerstäben mit jeweils 50 (± 1 Toleranz) Stück zusammengefasst und verklebt sein.

Die Bezeichnung 24/6 bedeutet, dass zur Herstellung der Heftklammer der Draht Nr. 24 gemäß der Deutschen Heftdrahtlehre zu verwenden ist (je kleiner die Zahl desto stärker der Draht), und die Heftklammer eine Schenkellänge von 6 mm (− 0,2 mm Toleranz) hat. Eine Normierung anderer Ausführungen war ursprünglich geplant, ist aber bis heute nicht umgesetzt worden.

Heftklammern können einen runden oder abgeflachten Querschnitt aufweisen, aus verzinktem, verkupfertem oder verzinntem Stahldraht, aber auch aus Aluminium (im Teebeutel) bestehen.

Zur Klammerung von Geheften werden manchmal auch Heftklammern mit Ösen, eigentlich U-förmigen Ausbuchtungen verwendet. Diese werden Ringösen-Heftklammern oder Ringklammern genannt und erfordern spezielles Setzwerkzeug. Zwei oder vier Klammern im richtigen Abstand im Rückenfalz eines Heftes erlauben so das Ablegen im Ordner.

In der Buchbinderei ist die dünnere, flexiblere Fadenheftung bedeutsam. Auch eine Haushaltsnähmaschine kann fadenheften und durch die Perforation den Falz positionieren helfen.

[Bearbeiten] Werkzeuge

[Bearbeiten] Heftgerät

Die Heftklammern werden in einem Heftgerät (auch Klammeraffe oder kurz Hefter, in den letzten Jahren vermehrt Tacker, Doppelbedeutung s. u.; in Österreich auch Klammermaschine oder in Anlehnung an die Sax Frog Froscherl, siehe auch Geschichte; in der Schweiz Bostitch, nach dem US-amerikanischen Hersteller Bostitch – ursprünglich „Boston Wire Stitcher“) verwendet, um mehrere Blatt Papier aneinander zu heften. Der Stempel des Heftgeräts drückt zunächst die beiden Schenkel der Klammer durch das Papier, bis sie auf Führungen im Fuß (Amboss) des Geräts treffen, von denen sie umgebogen werden.

Verkupferte Heftklammer (oben); Heftklammern nach offenem und geschlossenem Heften von der Seite und auf der Rückseite des Heftgutes

Man unterscheidet zwischen geschlossenem und offenem Heften: Bei ersterem werden die Schenkel nach innen gebogen, bei letzterem nach außen, was erforderlichenfalls das Trennen der Blätter erleichtert. Bei vielen handelsüblichen Heftern kann zwischen diesen Modi gewechselt werden, indem man die Klammerführungsplatte im Amboss des Hefters verschiebt oder dreht. Meistens wird aber das geschlossene Heften angewandt, manche einfachen Heftermodelle beherrschen auch nur diesen Modus.

[Bearbeiten] Tacker

Eine andere Anwendung ist der Einsatz in einem Tacker: der Handhebel eines mechanischen Handtackers spannt eine Feder, die, zuletzt ausgelöst, einen Schlagstift beschleunigt, der auf eine einzelne Klammer schlägt. Mit ihr wird ein Auflagematerial an eine (dickere) Unterlage angeheftet. Wenn das Unterlagenmaterial (meist Holz) eine hohe Festigkeit aufweist und mindestens so dick ist, wie die Klammerschenkel lang sind, findet die Klammer, ähnlich wie ein Nagel, auch ohne Umbiegen Halt.

Elektrisch betriebene Tacker werden Elektrotacker genannt, daneben existieren auch druckluftbetriebene (pneumatische) Tacker: sie schießen entsprechende Klammern (oder Nägel) mit großer Kraft in den jeweiligen Untergrund, z. B. zum Befestigen von Polsterstoffen, Dämmplatten, Profilbrettern bis hin zu Bodendielen. Für vielzahliges, rasches sowie fremdenergieunabhängiges Tackern werden auch Schlagtacker angewendet, mit denen die Klammern mit Schwung eingeschlagen werden, ähnlich wie mit einem Hammer.

Viele Tacker haben eine „Fühlernase“ bei bzw. über der Klammeraustrittsstelle. Erst wenn er durch das Anpressen des Tackers auf Material eingedrückt wird, kann der Tacker ausgelöst werden. Damit soll das gefährliche versehentliche Verschießen von Klammern vermieden werden. Die Schlagkraft fast jedes Tackers kann, etwa durch Verstellen des Auslösepunkts mittels einer Rändelschraube, verstellt und damit an das Material und die Klammerhöhe angepasst werden. Manche erlauben wahlweise auch das Einschlagen von aufgereihten Nägeln.

Chirurgisches Klammergerät

[Bearbeiten] Drahtheftmaschinen

Im Druckereiwesen bei der Endfertigung und in der Massenproduktion kommen sogenannte Drahtheftmaschinen zum Einsatz. Diese Maschinen biegen aus Draht (Durchmesser etwa 0,5 mm), der auf einer Rolle bereitgestellt wird, selbstständig eine Heftklammer in der richtigen Länge, stoßen diese durch das Papier und biegen die Enden nicht leicht gebogen, sondern flach (engl. flat clinch) um, damit man die fertig gehefteten Dokumente platzsparender stapeln kann.

[Bearbeiten] Chirurgisches Gerät

Zum Verschluss von Hautwunden werden Metallklammern (engl. staples) eingesetzt, die von außen die Haut zusammenhalten, ohne sie zu durchbohren. Auch im Körperinneren lassen sich Klammern verwenden, nur werden diese in der Regel nicht einzeln gesetzt, sondern es werden Klammernahtgeräte verwendet.

[Bearbeiten] Geschichte

Der erste überlieferte Hefter war eine Heftmaschine bzw. ein Befestiger von König Ludwig XV. von Frankreich um 1700. Jede Heftklammer war handgemacht und mit dem Abzeichen des königlichen Gerichts beschriftet.[1]

Moderne Papierbefestigungsgeräte entsprechen eher dem Vorbild des durch ein Patent am 30. September 1841 geschützten Geräts von Sam Slocum. Dieses einfache Gerät befestigte Nadeln in Papier, um es zusammenzuheften.

Am 7. August 1866 wurde ein weiterer neuer Papierhefter patentiert durch die Novelty Mfg Company. Er erlaubte es, eine einzelne Heftklammer zu laden, vor allem um Bücher zu binden oder Teppiche, Möbel oder Kästen zu befestigen. Heftklammern für dieses Gerät wurden von der P.N. Mfg Co. in verschiedenen Größen hergestellt: 3/16 inch, 1/4 inch, 3/8 inch und 1/2 inch.

George W. McGill erhielt am 24. Juli 1866 das US-Patent 56,587 für eine kleine, biegsame, maschinell herstellbare Heftklammer, den Vorgänger der modernen Heftklammer. Am 13. August 1867 erhielt er schließlich das US-Patent 67,665 für eine „Presse“, mit der die Heftklammern in das Papier hineingedrückt werden konnten. Er zeigte seine Erfindung auf der Jahrhundert-Ausstellung 1876 in Philadelphia. In den nächsten Jahren entwickelte McGill den Papierhefter weiter. Am 18. Februar 1879 schließlich wurde ihm das Patent No. 212,316 für ein Einzel-Heftklammer-Gerät verliehen. Dieses Gerät wog über ein Kilogramm und konnte jeweils eine einzelne 1/2 inch breite Draht-Heftklammer durch mehrere Papierblätter drücken.[1]

Sein Konkurrent Henry Heyl ließ allerdings umgehend ein leichteres, alltagsgebräuchliches Gerät patentieren und gilt so teilweise als Erfinder.[1]

Brehmersche Drahtheftmaschine
Sax Frog (altes Modell)

Die Drahtheftmaschine wurde von Hugo Brehmer in Amerika erfunden, aber erst von seinem Bruder August Brehmer zur Perfektion gebracht und 1872 patentiert. Das erste mit Draht geheftete Buch war der amtliche Katalog zur Weltausstellung in Philadelphia (PA) im Jahre 1876.

Große Verbreitung fand in Österreich von 1970 bis 1990 die kleine, funktionell designte 24/6 Heftmaschine „Frog“ von Sax: Aus Stahlblech, verchromt, Basis und Kappe jedoch farbig lackiert, auf jeder Seite ein Sichtloch, das an Froschaugen erinnerte.

[Bearbeiten] Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Heftgerät – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary Wiktionary: Heftklammer – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Heftklammern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. a b c jjev: Der Erfinder des Hefters - Geistesblitze: Tack Tack!. In: badische-zeitung.de, Meinung, Geistesblitze, 18. Februar 2012 (19. Februar 2012)
Meine Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Navigation
Mitmachen
Drucken/exportieren
Werkzeuge
In anderen Sprachen