Hehlen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Hehlen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Hehlen
Hehlen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Hehlen hervorgehoben
51.9833333333339.4833333333333124Koordinaten: 51° 59′ N, 9° 29′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Holzminden
Samtgemeinde: Bodenwerder-Polle
Höhe: 124 m ü. NHN
Fläche: 21,59 km²
Einwohner: 1881 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 87 Einwohner je km²
Postleitzahl: 37619
Vorwahl: 05533
Kfz-Kennzeichen: HOL
Gemeindeschlüssel: 03 2 55 017
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Münchhausenplatz 1
37619 Bodenwerder
Webpräsenz: www.hehlen.de
Bürgermeister: Harald Jacob (SPD)
Lage der Gemeinde Hehlen im Landkreis Holzminden
Hessen Nordrhein-Westfalen Landkreis Hameln-Pyrmont Landkreis Hildesheim Landkreis Northeim Arholzen Bevern (Landkreis Holzminden) Bevern (Landkreis Holzminden) Bodenwerder Boffzen Boffzen Derental Derental Derental Derental Boffzen (gemeindefreies Gebiet) Brevörde Deensen Deensen Deensen Grünenplan (gemeindefreies Gebiet) Grünenplan (gemeindefreies Gebiet) Grünenplan (gemeindefreies Gebiet) Delligsen Dielmissen Eimen Eimen (gemeindefreies Gebiet) Eschershausen Eschershausen (gemeindefreies Gebiet) Eschershausen (gemeindefreies Gebiet) Fürstenberg (Weser) Golmbach Halle (Weserbergland) Hehlen Hehlen Heinade Heinade Heinade Heinsen Heyen Holenberg Holzen (bei Eschershausen) Holzminden Holzminden Holzminden (gemeindefreies Gebiet) Kirchbrak Lauenförde Lenne (Niedersachsen) Lüerdissen Merxhausen (gemeindefreies Gebiet) Negenborn Ottenstein (Niedersachsen) Pegestorf Polle Stadtoldendorf Vahlbruch Wangelnstedt Wenzen (gemeindefreies Gebiet)Karte
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Hehlen ist eine Gemeinde im Landkreis Holzminden in Niedersachsen und gehört zur Samtgemeinde Bodenwerder-Polle.

Geografie[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt an der Weser unterhalb von Bodenwerder und zwischen Hameln und Holzminden.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

  • Hehlen (mit Ovelgönne)
  • Ortsteil Hohe
  • Ortsteil Brökeln
  • Ortsteil Daspe

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Hehlen grenzt im Norden an die Gemeinde Emmerthal des Landkreises Hameln-Pyrmont, im Nordosten an Heyen (inzwischen durch eine Brücke verbunden), im Osten an Bodenwerder, im Süden an Pegestorf und im Westen an Ottenstein.

Geschichte[Bearbeiten]

Im 9. Jahrhundert wurde Hehlen erstmals urkundlich als Heli erwähnt. Im 12. Jahrhundert wurde es als Helen bezeichnet.

Als die homburgischen Lehensträger 1409 ausgestorben waren und danach 1558 ebenso die herzoglich-braunschweigischen Lehnsträger in Form der Herren von Frenke, wurde das Lehen dem hier noch sitzenden, älteren „weißen“ Stamm der Schulenburgs übertragen. Zu den ersten Herren aus diesem Zweig an der Weser gehörte Fritz von der Schulenburg. Er brachte es als kaiserlicher Söldnerführer im Dienste von Herzog Heinrich des Jüngeren zu Braunschweig-Lüneburg zu Geld und Ansehen. Seine Ehefrau Ilse von Saldern, die seit 1574 von ihm getrennt lebte, ließ 1579-1584 das von Türmen flankierte Wasserschloss Hehlen erbauen. Mit dem Schlossbau begann das Entstehen einer Reihe von großen Adelsschlössern der Weserrenaissance, deren prachtvollste die Hämelschenburg, Schloss Bevern und Schloss Schwöbber darstellen.

Schloss Hehlen war ein reiner Repräsentationsbau ohne militärischen Zweck. Es ist eine Vierflügelanlage mit winkelständigen Treppentürmen im Hof und Zugbrücke über den wassergefüllten Graben. Im Hof (privat, keine Besichtigung) sind über zwei Rundbogenportalen ein Doppelportrait des Bauherrenehepaares und deren Allianzwappen angebracht, im Osten des Hofes befindet sich ein Epitaph des Bauherren.

1886-1888 erfolgten im Inneren Veränderungen. Das Wasserschloss Hehlen blieb bis 1956 im Besitz der (seit 1728) Reichsgrafen von der Schulenburg, Graf Johann-Heinrich verkaufte es dann an die Hannoversche Siedlungsgesellschaft. Die Ausstattung gelangte auf den freien Antiquitätenmarkt, ein Teil der Bilder in das Landesmuseum Hannover, die Büchersammlung in die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. Das Schloss erwarb 1958 Walter Koch (1911-1998), der Inhaber von Machwitz Kaffee, dessen Familie es noch gehört. In einem der Wirtschaftsgebäude wird ein Café betrieben.

1596 wurde in Hehlen eine der ältesten Papiermühlen in der Oberweserregion durch Ilse von Saldern, der Ehefrau von Fritz von der Schulenburg, erbaut.

1807 wurde das Gericht in Hehlen aufgelöst.

1900 wurde Hehlen durch die Bahnstrecke Emmerthal–Vorwohle der privaten Vorwohle-Emmerthaler Eisenbahn-Gesellschaft (VEE) an das Eisenbahnnetz angeschlossen. 1905 wird ein Kalk- und Mergelwerk am Ortsrand gegründet.

1920 folgt die Gründung der Braunschweigischen Lederwerke Heller & Cahen zur Herstellung von Vachetteleder.

Ende 1939 musste die jüdische Familie Alex und Bertha Bach ihr Manufaktur- und Modewarengeschäft und Wohnhaus in der Hauptstraße verlassen. Ein Verkauf an den Hehlener Fabrikanten Asmus scheiterte auf Betreiben von Bürgermeister Theodor Kreibaum, zugleich NSDAP-Ortsgruppenleiter, beim Braunschweigischen Innenministerium. Er bezeichnete den Fabrikbesitzer als zu „judenfreundlich“ und Bach musste seinen Besitz zu geringerem Wert an die Gemeinde verkaufen und flüchtete nach Bolivien.[2]

1996 lebten 2.250 Bürger in der Gemeinde.

Zur Entwicklung des Postwesens in Hehlen siehe: Postroute Braunschweig–Holzminden und Postgeschichte von Hehlen.

Herkunft des Ortsnamens[Bearbeiten]

Alte Bezeichnungen des Ortes sind im 8./9. Jahrhundert Heli, 826-876 Heloon, 1150-1160 Helen, ab mitte des 12. Jahrhunderts Helen, 1190 Helenen und um 1220 Helen.

Der Ortsname Helte, Kreis Emsland, liegt in einer Schleife der Hase auf leicht erhöhtem Boden. Eine ähnliche Lage besitzt Hehlen. Hier steigt der Schiffberg jenseits des Ortes stark an. Der Ortsname meint deshalb die am Abhang gelegene Siedlung.[3]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1973 wurden die Gemeinden Brökeln, Daspe und Hohe eingegliedert.[4]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Gemeindewahl 2011
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
65,56 %
34,44 %

Wahlbeteiligung: 62,22 %

Der Gemeinderat setzt sich nach der Kommunalwahl vom 11. September 2011 zusammen aus:

Bürgermeister[Bearbeiten]

Harald Jacob (SPD)

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Wasserschloss Hehlen, 1579 erbaut
  • Immanuel-Kirche in Hehlen, 1699 erbaut
  • Kirche zu Hohe in Hehlen-Hohe, 1252 erbaut
  • Jüdischer Friedhof mit 21 erhaltenen Grabsteinen aus den Jahren 1828 bis 1907

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Durch Hehlen führt die Bundesstraße 83 und verbindet den Ort mit Hameln im Norden und Holzminden im Süden. Im Süden beginnt die Bundesstraße 240 über die Weser in Richtung Eschershausen. Im Ort gibt es eine kleine Brücke (ehemalige Fährverbindung) über die Weser nach Daspe und im Südwesten führt die Landesstraße 586 nach Ottenstein und im Süden weitere Straßen in die kleinen Ortschaften Ovelgönne und Brökeln

Hehlen liegt am Weserradweg, der von Hameln nach Hann. Münden führt.

Der Ort liegt an der heute sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr stillgelegten Eisenbahnstrecke Emmerthal–Vorwohle der Vorwohle-Emmerthaler Verkehrsbetriebe GmbH (VEV) – bis 1967: Vorwohle-Emmerthaler Eisenbahn-Gesellschaft (VEE) –, die von Emmerthal über Hehlen, Bodenwerder-Linse und Eschershausen bis nach Vorwohle führte, wo Anschluss an die Bahnstrecke HolzmindenKreiensen bestand. Das ehemalige Empfangsgebäude des Bahnhofs Hehlen beherbergt heute eine Gastwirtschaft.

Per Linienbus ist Hehlen an Holzminden, Bodenwerder und Hameln angebunden.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

1893 wurde die Raiffeisenbank Hehlen eG gegründet und fusionierte 2000 mit der Volksbank Weserbergland eG.

1919 erfolgte die Gründung der Braunschweigischen Lederwerke J. u. E. Heller, heute HELLER-LEDER GmbH & Co. KG (Jahresumsatz rund 35 Mio. Euro). 1990 ergänzt um die Tochtergesellschaft HELCOR-LEDER-TEC GmbH. Das Unternehmen ist einer der wenigen großen Arbeitgeber in der Umgebung. Die Gerberei ist durch typische Gerüche wahrnehmbar.

Am Ortsausgang Richtung Hameln besteht ein großes Kalkwerk der 1905 von Heinrich Reitemeyer gegründeten Portlandzement-, Kalk-, Mergel- und Steinwerke GmbH, Hehlen/Weser, deren Eigentümer bis 1943 die Norddeutsche Cement-Verband GmbH (NCV) mit Sitz in Berlin-Wilmersdorf war und danach von dem Dipl.-Ing. Blankmann aus Hehlen übernommen wurde. Ab 1949 erfolgte die Übernahme des Kalkwerks durch die Niedersächsischen Zementwerke und eine Umfirmierung in Kalk-, Mergel- und Steinwerke GmbH. 2004 Übernahme durch den Dipl.-Berging. Andreas Goedecke und Umbenennung in Kalkwerk Hehlen GmbH.

1978 wurde das Unternehmen Tiefbau Timmermann gegründet. Weitere Unternehmen sind die 1928 gegründete Asmus GmbH, ein Hersteller von Reinigungs- und Pflegemitteln, heute firmiert unter AsKü-Gebäudereinigungs-Service GmbH.

Am 17. Oktober 2005 wurde in Hehlen unter Führung von Naturgas Hehlen GmbH & Co. KG und Bioenergie Hehlen GmbH & Co. KG eine Biogasanlage mit einer elektrischen Leistung von 1000 kW in Betrieb genommen. Sie ist damit einer der größeren Bioenergieanlagen Deutschlands. Neben der elektrischen Leistung die in das öffentliche Stromnetz eingespeist wird, versorgt das Blockheizkraftwerk auch das Unternehmen HELLER-LEDER GmbH & Co. KG mit Prozesswärme.

Zu den beiden Biogasanlagen gehört eine in 2010 errichtete Lagerfläche für Maissilage, auf der von vertraglich gebundenen Bauern Mais zum Betrieb der Anlagen vorgehalten wird.

Die 1947 gegründeten Hanning Elektro-Werke GmbH & Co. KG, ein Hersteller von Elektroantrieben für verschiedenste Branchen, hatten bis ins Jahr 2006 einen Produktionsstandort in Hehlen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten Hehlens[Bearbeiten]

  • Emil Heller (1891–1964), Unternehmer, erhielt am 23. Mai 1964 das Bundesverdienstkreuz I. Klasse

Literatur[Bearbeiten]

  • Dieter Lent: Die Geschichte von Hehlen an der Weser im Überblick. Nach einem Vortrag (nachträglich erweitert) zur 1150-Jahrfeier in Hehlen am 20. Juni 1986, Evangelisch-Lutherische Immanuel-Kirchengemeinde, Hehlen 1989 (DNB)
  • Ernst Andreas Friedrich: Wenn Steine reden könnten Band IV, Landbuch-Verlag, Hannover 1998, ISBN 3-7842-0558-5

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 102 Bevölkerung - Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2013 (Tabelle K1020014) (Hilfe dazu)
  2. http://www.gelderblom-hameln.de/juden/gemeinden/gemhehlen.html
  3. Der Ortsnamenforscher auf NDR 1 Niedersachsen, Recherche Jürgen Udolph
  4.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 212.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hehlen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien