Heide Ecker-Rosendahl

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Heide Ecker-Rosendahl Leichtathletik
Heide Rosendahl 1972 Umm al-Quwain stamp.jpg
Voller Name Heidemarie Ecker-Rosendahl
Nation Deutschland BRBR Deutschland BR Deutschland
Geburtstag 14. Februar 1947
Geburtsort Hückeswagen
Größe 174 cm
Gewicht 64 kg
Karriere
Disziplin Sprint, Weitsprung, Fünfkampf
Bestleistung 11,35 s (100 m)
6,84 m (Weitsprung)
4791 Pkt. (Fünfkampf)
Verein TuS 04 Leverkusen
Status zurückgetreten
Medaillenspiegel
Olympische Spiele 2 × Gold 1 × Silber 0 × Bronze
Europameisterschaften 1 × Gold 1 × Silber 1 × Bronze
Hallen-EM 1 × Gold 2 × Silber 1 × Bronze
Universiade 1 × Gold 0 × Silber 0 × Bronze
Olympische Ringe Olympische Spiele
Gold München 1972 Weitsprung
Gold München 1972 4 × 100 m
Silber München 1972 Fünfkampf
Logo der EAA Europameisterschaften
Silber Budapest 1966 Fünfkampf
Gold Helsinki 1971 Fünfkampf
Bronze Helsinki 1971 Weitsprung
Logo der EAA Halleneuropameisterschaften
Bronze Dortmund 1966 Weitsprung
Silber Prag 1967 Weitsprung
Silber Wien 1970 Weitsprung
Gold Sofia 1971 Weitsprung
Logo der FISU Universiade
Gold Turin 1970 Weitsprung
 

Heide Ecker-Rosendahl (eigentlich Heidemarie Ecker-Rosendahl, geb. Rosendahl; * 14. Februar 1947 in Hückeswagen) ist eine ehemalige deutsche Leichtathletin. Die ehemalige Weltrekordhalterin in Weitsprung und Fünfkampf gewann bei den Olympischen Spielen 1972 zwei Goldmedaillen und eine Silbermedaille. Die in Radevormwald aufgewachsene Rosendahl wurde 1970 und 1972 auch zur Sportlerin des Jahres gewählt. Ihre leichtathletischen Spezialdisziplinen waren der Weitsprung, der Sprint und der Fünfkampf. Sie hatte bei einer Größe von 1,74 m ein Wettkampfgewicht von 64 kg.

Karriere[Bearbeiten]

Heide Rosendahl wuchs in Radevormwald als Tochter des Diskuswerfers Heinz Rosendahl heran. 1963 machte sie erstmals von sich reden: Die 16-jährige sprang erstaunliche sechs Meter weit und gewann bei den Deutschen Jugendmeisterschaften im Weitsprung und Fünfkampf. 1965 begann die 18-jährige ein Studium der Sportwissenschaften für das Lehramt in Köln. Sie wurde Mitglied in der Trainingsgruppe um Gerd Osenberg beim TuS 04 Leverkusen. Es war dies der Beginn der später legendär gewordenen Frauen-Leichtathletik-Gruppe, der namhafte Athletinnen wie Liesel Westermann, Ellen Wellmann-Wessinghage, Ulrike Meyfarth und Heike Henkel entstammten.

Bereits im Folgejahr zeitigte die Zusammenarbeit Früchte: Die vielseitige Rosendahl gewann bei den Europameisterschaften in Budapest die Silbermedaille im Fünfkampf und wurde erstmals einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Die Olympischen Spiele 1968 in Mexiko-Stadt wurden für die 21-Jährige hingegen zur Enttäuschung. Im Weitsprung erreichte „Miss Leichtathletik“, wie sie von einem bekannten Boulevard-Blatt genannt wurde, nur den achten Platz. Eine Muskelverletzung verhinderte zudem den Start im Fünfkampf.

Im Jahre 1969 erzielte Rosendahl mit 5155 Punkten einen neuen Weltrekord im Fünfkampf. Ihr Durchbruch erfolgte ein Jahr später. Im Rahmen der Universiade, der Weltmeisterschaft der Studenten, siegte die Deutsche 1970 im Weitsprung mit der Weltrekordweite von 6,84 m. 1971 wurde Rosendahl Europameisterin im Fünfkampf und Dritte im Weitsprung.

Den Höhepunkt ihrer außergewöhnlichen Karriere, die Rosendahl zur beliebtesten Leichtathletin West-Deutschlands machte, erlebte sie bei den Olympischen Spielen 1972 in München: Heide Rosendahl siegte im Weitsprung mit 6,78 m und errang nach sechs Tagen die erste Goldmedaille für die Mannschaft der Bundesrepublik Deutschland. Sie verwies die Bulgarin Diana Jorgowa denkbar knapp um einen Zentimeter auf Platz zwei. Zwei Tage später gewann sie auch die Silbermedaille im Fünfkampf, als sie der Britin Mary Peters um zehn Punkte unterlag. Weitere acht Tage später avancierte Heide Rosendahl endgültig zum „Gesicht der Spiele“ von München: Als Schlussläuferin der 4-mal-100-Meter-Staffel gelang es ihr, den minimalen Vorsprung des westdeutschen Quartetts gegen die favorisierte Staffel aus der DDR zu verteidigen. Diese hatte im Vorlauf einen neuen Europarekord aufgestellt. Gegnerin als Schlussläuferin Rosendahls auf ostdeutscher Seite war keine geringere als die Weltrekordhalterin und frischgekrönte Olympiasiegerin über 100 Meter, Renate Stecher. Zusammen mit Christiane Krause, Ingrid Mickler und Annegret Richter markierte Heide Rosendahl mit 42,81 s zudem einen neuen Weltrekord.

Heide Rosendahl beendete ihre Karriere im Jahre 1973. Seit 1974 ist sie mit John Ecker verheiratet, einem ehemaligen Basketballspieler vom TuS 04 Leverkusen. Ihr Sohn David Ecker wurde 1975 geboren; ihr Sohn Danny Ecker, geboren 1977, war zu seiner aktiven Zeit einer der besten deutschen Stabhochspringer.

1970 und 1972 bekam sie jeweils die Auszeichnung als Sportlerin des Jahres. Ebenfalls 1972 erhielt sie den Goldenen Bravo Otto der Jugendzeitschrift BRAVO. Von 1976 bis 1990 war sie Trainerin in der Leichtathletikabteilung des TSV Bayer 04 Leverkusen. Von 1993 bis 2001 war sie Mitglied im Präsidium des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, davon vier Jahre als Vizepräsidentin (1997 bis 2001), und dessen Athletenbeauftragte. Seit 2002 ist sie stellvertretende Vorsitzende der Leichtathletikabteilung des TSV Bayer 04 Leverkusen.

Heide Ecker-Rosendahl ist ausgebildete Diplom-Sportlehrerin (Sportstudium in Köln, Diplom 1969). Sie lebt heute in Leverkusen, war bis 2011 Geschäftsführerin eines Unternehmens für Ernährungswissenschaften und betrieb mehrere Sportstudios.[1]

2008 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse ausgezeichnet.[2]

2011 folgte die Aufnahme in die Hall of Fame des deutschen Sports

Bestleistungen[Bearbeiten]

  • Weitsprung: 6,84 m
  • 100 m: 11,35 s
  • 200 m: 22,96 s
  • 100 m H: 13,15 s
  • Fünfkampf: 4791 Punkte (*)

Erfolge[Bearbeiten]

Deutsche Meisterschaften[Bearbeiten]

  • 100 m
  • 60 m Halle:
  • 100 m Hürden
    • 1967: Vizemeisterin hinter Inge Schell
    • 1969: Meisterin vor Margit Bach
    • 1970: Vizemeisterin hinter Margit Bach
    • 1971: Vizemeisterin hinter Margit Bach
  • 60 m Hürden Halle
    • 1967: Vizemeisterin hinter Inge Schell
    • 1969: Vizemeisterin hinter Inge Schell
    • 1971: Meisterin vor Margit Bach
  • Weitsprung
    • 1966: Dritte hinter Helga Hoffmann und Dorothee Sander
    • 1967: Vizemeisterin hinter Ingrid Becker
    • 1968: Meisterin (6,62 m) vor Manon Bornholdt
    • 1969: Meisterin (6,48 m) vor Ingrid Becker
    • 1970: Meisterin (6,72 m) vor Ingrid Mickler
    • 1971: Meisterin (6,69 m) vor Ingrid Mickler
    • 1972: Meisterin (6,72 m) vor Heidi Schüller
    • 1973: Vizemeisterin hinter Edda Trocha
  • Weitsprung Halle
    • 1966 Meisterin vor Dorothee Sander
    • 1967 Meisterin vor Ursula Künzel
    • 1968 Meisterin vor Ursula Künzel
    • 1969 Meisterin vor Heidi Schüller
    • 1970 Meisterin vor Brigitte Krämer
    • 1971 Meisterin vor Heidi Schüller
    • 1972 Meisterin vor Brigitte Roesen(-Krämer)
  • Fünfkampf
    • 1965: Vizemeisterin hinter Renate Balck
    • 1966: Meisterin vor Erika Müller
    • 1967: Vizemeisterin hinter Ingrid Becker
    • 1968: Meisterin vor Ingrid Becker
    • 1970: Meisterin vor Ingrid Mickler
    • 1971: Meisterin vor Karen Mack
    • 1972: Meisterin vor Karen Mack
  • 4 × 100 m
    • 1969, 1970, 1971 und 1972: Meisterin mit dem TuS 04 Leverkusen (Heide Rosendahl immer als Schlussläuferin)
  • 4 × 1 Runde Halle
    • 1969, 1970, 1971 und 1972: Meisterin mit dem TuS 04 Leverkusen (Heide Rosendahl immer als Schlussläuferin)

Hinzu kommen insgesamt sieben Jugendmeisterschaften im Weitsprung, im Fünfkampf (jeweils 1963, 1964 und 1965) sowie über 80 Meter Hürden (1965).

Europameisterschaften[Bearbeiten]

Halleneuropameisterschaften[Bearbeiten]

(jeweils Weitsprung)

Europacup[Bearbeiten]

  • Semifinale 1970 in Berlin
    • Weitsprung: Siegerin mit 6,27 m
    • 100 m Hürden: Siegerin in 13,8 s
  • Finale 1970 in Budapest

Universiade[Bearbeiten]

Olympische Spiele[Bearbeiten]

  • 1968 in Mexiko-Stadt:
    • Weitsprung: Achte mit 6,40 m (für eine Medaille hätte sie 6,67 m springen müssen; es siegte Viorica Viscopoleanu mit 6,82 m)
    • Fünfkampf: verletzt nicht angetreten
  • 1972 in München:
    • Weitsprung: GOLD mit 6,78 m vor Diana Jorgowa (Silber mit 6,77 m) und Eva Suranova (Bronze mit 6,67 m). Heide Rosendahls Überlegenheit war größer, als es der eine Zentimeter vermuten lässt. Sie hatte insgesamt vier Sprünge über 6,70 m, die Bulgarin dagegen nur einen einzigen.
    • 4 × 100 m: GOLD in 42,81 s (Weltrekord) vor der DDR (Silber in 42,95 s) und Kuba (Bronze in 43,36 s). Das bundesdeutsche Team lief in der Besetzung Christiane Krause, Ingrid Mickler, Annegret Richter und als Schlussläuferin Heide Rosendahl, die gegen Renate Stecher, die Schlussläuferin des DDR-Quartetts, antreten musste.
    • Fünfkampf: SILBER mit 4791 Punkten hinter Mary Peters (Gold mit 4801 Punkten) und vor Burglinde Pollak (Bronze mit 4768 Punkten). Folgende Tabelle zeigt die Leistungen und Platzierungen Heide Rosendahls im Vergleich zu den Ergebnissen der Siegerin Mary Peters:
Disziplin 100 m Hürden Kugel Hoch Weit 200 m
Rosendahl 13,34 (3.) 13,86 (9.) 1,65 (14.) 6,83 (1.) 22,96 (1.)
Peters 13,29 (2.) 16,20 (1.) 1,82 (1.) 5,98 (17.) 24,08 (6.)
Beide Athletinnen hatten einen Aussetzer - Heide Rosendahl im Hochsprung, Mary Peters im Weitsprung. Somit gab letztendlich die Unterlegenheit Rosendahls im Kugelstoßen den Ausschlag.

*) Ihr 1969 aufgestellter Weltrekord von 5155 Punkten lässt sich wegen nachfolgender Regeländerungen mit späteren Ergebnissen nicht mehr vergleichen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerd Osenberg, Heide Rosendahl: Heide Rosendahl. Springen + Sprinten. München 1973.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heide Ecker-Rosendahl wird 65: "Miss Leichtathletik" ist immer noch aktiv, Interview mit Heide Ecker-Rosendahl anläßlich ihres 65. Geburtstages auf der Website des WDR, 14. Februar 2012
  2. Ministerpräsident Rüttgers: Ordensträger haben Kräfte entfaltet, Menschen geholfen und Chancen eröffnet