Heideröslein
Das „Heidenröslein“ (Originaltitel) oder „Heideröslein“ ist eines der bekanntesten und volkstümlichsten Gedichte von Johann Wolfgang von Goethe. Es wird auch als populäres Volkslied gesungen und wurde von vielen Komponisten, darunter von Franz Schubert, vertont.
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[Bearbeiten] Entstehung
Das Gedicht basiert auf einem Lied aus dem 16. Jahrhundert und wurde von Goethe während seines Studienaufenthaltes in Straßburg um 1770 verfasst. Zu dieser Zeit hatte der 21-jährige Goethe eine kurze, aber heftige Liebschaft mit der elsässischen Pfarrerstochter Friederike Brion, an die auch das Gedicht gerichtet war. Gemeinsam mit anderen an Brion gerichteten Gedichte und Liedern (Mailied u.a.) wird das „Heidenröslein“ zur Gruppe der „Sesenheimer Lieder“ gezählt.
[Bearbeiten] Vertonung
Das „Heidenröslein“ hat drei Strophen zu je sieben Zeilen in vierhebigen Trochäen, wobei sich die letzten beiden Zeilen liedtypisch in jeder Strophe wiederholen. Bei fast allen musikalischen Vertonungen des Gedichts sind Melodie und Begleitung der drei Strophen gleich, weswegen man das vertonte "Heidenröslein" zu den Strophenliedern zählt.
Der Komponist Franz Schubert hat in seiner Vertonung dieses doppeldeutige Gedicht mit einem kleinen Nachspiel konzipiert; es ist neben dem „Lindenbaum“ das wohl bekannteste Lied von Schubert.
Neben Schuberts Version gibt es sehr viele Melodien anderer Komponisten zu diesem Gedicht. Die populärste und noch heute als Volkslied sehr oft gesungene stammt von Heinrich Werner aus Kirchohmfeld. Am 20. Januar 1829 wurde seine Liedfassung im Konzert der Braunschweiger Liedertafel, die er als Dirigent leitete, zum ersten Mal vorgetragen.
Auch Franz Lehár vertonte den Text in seiner Operette Friederike, die Goethes elsässische Jugendliebschaft zum Thema hat.
[Bearbeiten] Liedtext (nach der Ausgabe letzter Hand 1827)
Sah ein Knab ein Röslein stehn,
Röslein auf der Heiden,
War so jung und morgenschön,
Lief er schnell, es nah zu sehn,
Sah's mit vielen Freuden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.
Knabe sprach: „Ich breche dich,
Röslein auf der Heiden!“
Röslein sprach: „Ich steche dich,
Dass du ewig denkst an mich,
Und ich will's nicht leiden.“
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.
Und der wilde Knabe brach
S Röslein auf der Heiden;
Röslein wehrte sich und stach,
Half ihm doch kein Weh und Ach,
Musst es eben leiden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.
[Bearbeiten] Interpretationsmöglichkeiten
Das Gedicht Goethes lässt verschiedene Interpretationsmöglichkeiten zu:
Unter anderem kann man darin das stürmische Liebesverlangen eines Jünglings zu einem schönen Mädchen erkennen. Er erweckt ihre Gegenliebe, verlässt sie dann jedoch und bricht ihr damit dauerhaft das Herz. Die Zeilen „Röslein sprach: Ich steche dich, dass du ewig denkst an mich.“ und „Röslein wehrte sich und stach“ lassen die Ansicht zu, dass sie sich an ihm gewaltsam für seine Untreue rächt. Eben diese Zeilen widersprechen auch der einseitigen Deutung einiger Interpreten, die in dem Gedicht nur die verschlüsselte Vergewaltigung eines hilflosen Mädchens durch den Knaben, die jener mit Brachialgewalt („brach“) und gegen ihren Willen vollzieht, zu erkennen meinen.
Eine allgemeinere Interpretation ist eine thematisierte Verführung als Initiation des Weiblichen. Das „Röslein“ steht demnach symbolisch für eine junge Frau (oder ein Mädchen), die sich zunächst gegen die Nachstellung eines jungen Mannes standhaft zur Wehr setzt. Der „wilde Knabe“ bricht jedoch letztendlich die Moral d.h. ihre Jungfräulichkeit. Die junge Frau ist hin- und hergerissen, aber sie ergibt sich schließlich ihrer Leidenschaft - teils mit, teils gegen ihren Willen („Und ich will's nicht leiden“ im Sinne von „es soll mir nicht leid tun“). Sie geht damit den ihr vom Schicksal vorbestimmten Weg vom jungen Mädchen zur Frau.
"Leiden" kann dabei gemäß altem Sprachgebrauch auch als "lieben" ("ich kann Dich leiden") gedeutet werden, oder aber als das Leid über den Verlust der eigenen Kindheit, oder gar als das Geburtsleiden im Vorgriff auf ihr eigenes Erwachsenenleben als werdende Mutter (das „Weh“ d.h. die Wehen bei zukünftigen Geburten ihrer Kinder) gesehen werden.
[Bearbeiten] Adaptionen
Die New Yorker Sängerin Helen Schneider sang das Lied 1978 in der Fernsehsendung "Bios Bahnhof". Aufmerksamkeit erregte Sie neben ihrer besonderes einfühlsamen Interpretation auch, weil sie ein klassisches deutsches Lied vortrug, obwohl Mitglieder Ihrer Familie während des Holocaust in Deutschland ermordet wurden.
Die deutsche Rockband Rammstein thematisiert im Lied „Rosenrot“ das Gedicht "Heidenröslein" und lehnt sich an manchen Stellen eng an dieses an. Im Unterschied zum Original – so lautet eine der möglichen Interpretationen – genießt die Frau die Hingabe und die Bemühungen des Mannes, während dieser beim Scheitern große Schmerzen erleiden muss.
Die japanische Sängerin Shiina Ringo veröffentlichte das Heideröslein - von ihr auf Deutsch gesungen - auf ihrem Album Utaite Myouri aus dem Jahr 2002.
Eine weitere recht eigenwillige Interpretation im Boogie-Woogie-Stil findet sich auf dem Album "ich denke also sing ich - unterwegs" von Bodo Wartke.
Die deutsche Sängerin Cristin Claas veröffentlichte das Lied "Röslein" auf dem Album "In The Shadow Of Your Words" im Jahr 2007.