Heil dir im Siegerkranz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Heil Dir im Siegerkranz)
Wechseln zu: Navigation, Suche
United States Navy Band - God Save the Queen.ogg
Audio: Heil dir im Siegerkranz (instrumental)

Heil dir im Siegerkranz war von 1795 bis 1918 die preußische Volkshymne. In den Jahren des Deutschen Kaiserreiches erklang es als Repräsentationslied bei patriotischen Gelegenheiten mit Bezug zum Kaiser, wie Thronjubiläen und Geburts- und Todestage, gewöhnlich aber auch zu Anlässen wie dem Sedantag und zu den Reichsgründungsfeiern. Eine Nationalhymne im heutigen Sinne war es nicht, was insbesondere auf den bundesstaatlichen Aufbau des Deutschen Reichs zurückzuführen war. Vielmehr war es eines unter mehreren inoffiziellen oder halboffiziellen zu derartigen Anlässen angestimmten Liedern wie beispielsweise auch der Wacht am Rhein. Insbesondere die süddeutschen Staaten standen dem Lied skeptisch gegenüber.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Entstehung und Geschichte

Die Urfassung des Liedes stammt von Heinrich Harries, der sie im „Flensburger Wochenblatt für Jedermann“ am 27. Januar 1790 unter dem Titel „Lied für den dänischen Untertan, an seines Königs Geburtstags zu singen in der Melodie des englischen Volksliedes God save George the King“ anlässlich des Geburtstags König Christians VII. veröffentlicht hatte. Sie begann mit den Worten: „Heil dir, dem lieben Herrscher des Vaterlans! Heil Christian dir!“ In einer auf den preußischen König Friedrich Wilhelm II. umgedichteten Fassung von Balthasar Gerhard Schumacher erschien es am 17. Dezember 1793 als „Berliner Volksgesang“ in den „Berlinischen Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen“ (kurz als „Spenersche Zeitung“ bekannt) mit dem Untertitel „God Save the King“, womit auch hier die Singweise angegeben war. Das bald populär gewordene Lied erlangte staatsoffiziellen Charakter, nachdem es im Berliner Königlichen Nationaltheater in Gegenwart des Königs am 25. Mai 1795 gespielt worden war.

[Bearbeiten] Melodie

Es wird berichtet, dass das Lied infolge des Umstands, dass es sich die Melodie mit der englischen Königshymne teilte, jedenfalls während des Ersten Weltkriegs in nationalen Kreisen umstritten war.

1918 unternahm deshalb der Berliner Komponist Hugo Kaun zusammen mit dem Verleger, Kommerzienrat und Reichstagsabgeordneten Julius Heinrich Zimmermann den Versuch, eine neue Melodie auf „Heil dir im Siegerkranz“ einzuführen. Die Berliner Kreuz-Zeitung schrieb dazu 1918:

„Heil dir im Siegerkranze, unsere Nationalhymne [sic], wird auf eine englische Melodie gesungen. Bestrebungen, sie durch eine deutsche zu ersetzen, sind bisher immer gescheitert. Der neueste Versuch dieser Art geht von Hugo Kaun, einem unserer bedeutendsten zeitgenössischen Tondichter, aus. Seine neue Weise zu den uns allen eingewurzelten Worten ist von machtvoller Eindringlichkeit, so echt volkstümlich und kernig deutsch, dass sie berufen scheint, Nationaleigentum der Deutschen zu werden. Sie gewinnt bereits ständig an Boden in allen Gauen unseres Vaterlandes.“

Diese Auffassung ignorierte jedoch den Umstand, dass „God Save the King“ einen Urtyp der Monarchen gewidmeten feierlichen patriotischen Lieder darstellt, weshalb auch andere – auch deutsche – Fürstenhymnen zu dieser Melodie gesungen wurden (wie im Falle der russischen Zarenhymne von 1816–1833 Molitwa Russkich oder der Bayernhymne Heil unserm König, Heil!) und noch werden (wie im Falle der liechtensteinischen Hymne Oben am jungen Rhein). Selbst von Fürstenhymnen abgesehen wurden damals auch andere Nationalhymnen wie die frühere Schweizer Hymne Heil Dir Helvetia und das amerikanische Repräsentationslied „My Country, 'Tis of Thee“ zur selben Melodie gesungen.

[Bearbeiten] Text

Der ins Lied von Schumacher eingefügte „Siegerkranz“ bezog sich auf den ersten Koalitionskrieg gegen das französische Revolutionsheer, bei dem im Jahr 1793 die französische Streitmacht wieder aus der Pfalz und dem Rheinland zurückgedrängt werden konnte. Nach der Reichsgründung, die dem preußischen König den Titel Deutscher Kaiser eingebracht hatte, ersetzte im Text der „Kaiser“ den „König“.

An den Text des „Heil dir im Siegerkranz“ lehnten sich im frühen 19. Jahrhundert die zur selben Melodie gesungenen Hymnen zahlreicher deutscher Staaten an, wie zum Beispiel die des Königreichs Bayern „Heil unserm König, Heil!“.

[Bearbeiten] Liedtext

1.

Heil dir im Siegerkranz,
Herrscher des Vaterlands!
Heil, Kaiser, dir!
||: Fühl in des Thrones Glanz
Die hohe Wonne ganz,
Liebling des Volks zu sein!
Heil Kaiser, dir! :||

2.

Nicht Roß, nicht Reisige
Sichern die steile Höh’,
Wo Fürsten steh’n:
||: Liebe des Vaterlands,
Liebe des freien Manns
Gründen den Herrscherthron
Wie Fels im Meer. :||

3.

Heilige Flamme, glüh’,
Glüh’ und erlösche nie
Fürs Vaterland!
||: Wir alle stehen dann
Mutig für einen Mann
Kämpfen und bluten gern
Für Thron und Reich! :||

4.

Handel und Wissenschaft
Heben mit Mut und Kraft
Ihr Haupt empor!
||: Krieger- und Heldentat
Finden ihr Lorbeerblatt
Treu aufgehoben dort,
An deinem Thron! :||

5.

Dauernder stets zu blüh’n
Weh’ unsre Flagge kühn
Auf hoher See!
||: Wie so stolz und hehr
Wirft über Land und Meer
Weithin der deutsche Aar
Flammenden Blick. :||

6.

Sei, Kaiser Wilhelm, hier
Lang’ deines Volkes Zier,
Der Menschheit Stolz!
||: Fühl’ in des Thrones Glanz,
Die hohe Wonne ganz,
Liebling des Volks zu sein!
Heil, Kaiser, dir! :||

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • Schurdel, Harry D.: Die Kaiserhymne. In: G – Geschichte: Menschen, Ereignisse, Epochen. 2, Nr. 3, Sailer, Nürnberg März 2002, ISSN 1617-9412, S. 53.

[Bearbeiten] Weblinks

Meine Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Navigation
Mitmachen
Drucken/exportieren
Werkzeuge
In anderen Sprachen