Park-Krankenhaus Leipzig

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Park-Krankenhaus Leipzig
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Trägerschaft Helios Kliniken
Ort Leipzig
Bundesland Sachsen
Koordinaten 51° 17′ 30,3″ N, 12° 25′ 39,4″ O51.2917412.427623Koordinaten: 51° 17′ 30,3″ N, 12° 25′ 39,4″ O
Geschäftsführer Kerstin Ciossek
Betten 626 stationär
98 teilstationär
154 Rehabilitation
Mitarbeiter über 1.000
davon Ärzte 158 Vollkräfte
Fachgebiete 9
Gründung 1901
Website parkkrankenhaus-leipzig.de

Das Park-Krankenhaus Leipzig ist ein Akutkrankenhaus in privater Trägerschaft der Helios Kliniken in Leipzig. Es hat 724 Betten und ist akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Leipzig.

1901 als psychiatrische Klinik Heilanstalt Dösen in Dösen gegründet, wurde die Einrichtung nach dem Ersten Weltkrieg zur Sächsischen Landesanstalt für Psychiatrie. In der Zeit des Nationalsozialismus war sie an der Aktion T4 beteiligt. In der DDR wurde aus ihr das Bezirkskrankenhaus für Psychiatrie Leipzig-Dösen, nach 1990 dann das Park-Krankenhaus Leipzig-Dösen, Städtisches Krankenhaus für Psychiatrie, Chirurgie und Innere Medizin. 1993 fusionierte die Klinik mit der Städtischen Klinik für Orthopädie und Rehabilitation Dr. Georg Sacke und wurde 1999 vom Rhön-Klinikum übernommen. Dieser Träger verlagerte das Krankenhaus in einen Neubau im Leipziger Stadtteil Probstheida und gab ihm 2009 den heutigen Namen. 2014 wurde das Krankenhaus von den Helios-Kliniken übernommen.

Geschichte[Bearbeiten]

Städtische Heil- und Pflegeanstalt Leipzig-Dösen[Bearbeiten]

Heilanstalt Dösen 1901
Heilanstalt Dösen Ansichtskarte (um 1920?)

Zwischen 1899 und 1901 wurde die Heilanstalt Dösen durch Otto Wilhelm Scharenberg im Pavillonstil auf der Flur des damals noch selbstständigen Dorfes Dösen gebaut und 1901 eröffnet.[1] Die Klinik zur Behandlung psychisch Kranker und Behinderter übernahm weitgehend die psychiatrische Versorgung von Leipzig.[2] Nach der Eingemeindung von Dösen nach Leipzig und dem Inkrafttreten des Sächsischen Irrenfürsorge-Gesetzes wurde die Heilanstalt im Januar 1913 als Königliche Landesheil- und Pflegeanstalt Leipzig-Dösen vom Königreich Sachsen übernommen. Der weltweit bekannteste Psychiatrie-Patient Daniel Paul Schreber[3] starb 1911 in Dösen.

Landesheil- und Pflegeanstalt Leipzig-Dösen[Bearbeiten]

In der Zeit der Weimarer Republik wurde Dösen zur Sächsischen Landesanstalt für Psychiatrie ernannt. Zwischen 1918 und 1928 wurde die Klinik von Hermann Paul Nitsche geleitet.[4] 1933 verlegte man die Kinderabteilung in die Landesanstalt Chemnitz-Altendorf.

Im Oktober 1940 wurde auf Initiative des Pädiaters Werner Catel (Ordinarius für Kinderheilkunde an der Universitätskinderklinik/Städtisches Kinderkrankenhaus Leipzig) im Rahmen der nationalsozialistischen Kindereuthanasieverbrechen eine kinderpsychiatrische Abteilung neu gegründet. In dieser vom Arzt Arthur Mittag geleiteten Abteilung sind zwischen November 1940 und 7. Dezember 1943 (dem Tag der Verlegung der Kinderfachabteilung in die Landesanstalt Großschweidnitz bei Löbau) 551 Kinder und Jugendliche im Rahmen der nationalsozialistischen Aktion T4[5] getötet worden.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden viele Leipziger Krankenhäuser zerstört. Die Chirurgische und die Innere Abteilung des St. Jacob-Hospitals, welches auch dem Krieg zum Opfer fiel, wurden nach Dösen verlegt. Dazu kamen Teile von verschiedenen Universitätskliniken im Rahmen der sogenannten Aktion Brandt, darunter Teile der Universitätskinderklinik, so deren Infektionsstation und Kinderfachabteilung unter Leitung von Hans-Joachim Hartenstein. In Zuge der Aktion Brandt wurden in Dösen 583 Patienten zwangssterilisiert.[6][7] 1941 wurde zur Versorgung von 200 an Fleckfieber erkrankten Zwangsarbeitern eine Isolierstation eingerichtet.[8]

Bezirkskrankenhaus für Psychiatrie[Bearbeiten]

Am 1. Juli 1946 erhielt Dösen den Klinikstatus. Im Zuge der Bezirksgründung in der DDR ging die Klinik 1952 wieder in den Besitz der Stadt Leipzig über und trug von nun an den Namen Krankenanstalten Leipzig-Dösen. Zwischen 1951 und 1953 war Dietfried Müller-Hegemann ihr Leiter, der spätere Direktor der Neurologisch-Psychiatrischen Klinik der Universität Leipzig.[9]

Am 1. Juli 1958 wurde aus der Klinik das Bezirkskrankenhaus für Psychiatrie Leipzig-Dösen des Bezirks Leipzig. In der DDR waren Bezirkskrankenhäuser Kliniken der Schwerpunktversorgung und überwiegend in den 14 Bezirksstädten angesiedelt.

Die sächsische Mundartdichterin Lene Voigt verbrachte die letzten Jahre ihres Lebens in Dösen.

Park-Krankenhaus Leipzig-Dösen[Bearbeiten]

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde die Klinik wieder der Stadt Leipzig übergeben und firmierte fortan als Park-Krankenhaus Leipzig-Dösen, Städtisches Krankenhaus für Psychiatrie, Chirurgie und Innere Medizin. 1993 fusionierten die Städtische Klinik für Orthopädie und Rehabilitation Dr. Georg Sacke und das Park-Krankenhaus Leipzig-Dösen zur Städtischen Klinik Leipzig-Südost.

Park-Krankenhaus Leipzig[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1999 wurde das Park-Krankenhaus Leipzig-Südost privatisiert und von der Rhön-Klinikum AG übernommen. Seit Mitte 2009 trägt das Krankenhaus den Namen Park-Krankenhaus Leipzig. Im Leipziger Stadtteil Probstheida wurde ein Neubau errichtet und die verschiedenen Kliniken auf einem 104 Hektar großen Gelände zusammengeführt. Das Gelände in Dösen wurde an eine Immobilien AG aus Arnstadt verkauft.[10].

2014 erhielten die Helios-Kliniken vom Bundeskartellamt die Zustimmung zum Erwerb des Park-Krankenhauses, des Herzzentrums und des Medizinischen Versorgungszentrums Leipzig von der Rhön-Klinikum AG, nachdem sie zwei ihrer Kliniken in der Leipziger Region (in Borna und Zwenkau) veräußert hatten.

Struktur[Bearbeiten]

Somatische Kliniken
Psychiatrische Kliniken

Die somatischen Kliniken sind baulich mit dem Herzzentrum Leipzig (ebenfalls eine ehem. Rhön-Klinik) verbunden. Es gibt die Fachabteilungen:

In unmittelbarer Nähe befinden sich die psychiatrischen Kliniken mit den Fachabteilungen:

2012 wurde die Soteria Klinik, bis dahin selbständige Fachklinik für Suchterkrankungen in Rhön-Trägerschaft[12], in das Park-Krankenhaus eingegliedert. Mit 626 voll-, 98 teilstationären Betten, 154 Rehabilitationsplätzen und 30 Plätzen für Adaption und betreutes Wohnen ist das Park-Krankenhaus das größte Krankenhaus der Regelversorgung in Sachsen sowie Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Leipzig. Ärztlicher Direktor ist derzeit Ulrich Halm.

Außerdem befindet sich das Medizinische Versorgungszentrum Leipzig (mit zwei in der Stadt verteilten Außenstellen)[13], ebenfalls eine ehem. Einrichtung der Rhön Klinikum AG, in unmittelbarer Nähe.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heil- und Pflegeanstalt Leipzig-Dösen Informationen beim Staatsarchiv Sachsen
  2. „Ab nach Dösen. Die Heilanstalt Leipzig-Dösen 1901-1945.“ auf psychiatriemuseum.de
  3. Thomas R. Müller: Zum 100. Todestag von Daniel Paul Schreber (PDF; 137 kB). In Ärzteblatt Sachsen 8, 2011, S. 457–459
  4.  Volker Klimpel: Ärzte-Tode. Unnatürliches und gewaltsames Ableben in neun Kapiteln und einem biographischen Anhang. Königshausen & Neumann, Würzburg 2005, ISBN 3-8260-2769-8 (Volltext in der Google-Buchsuche).
  5.  Klaus-Dietmar Henke: „Kinder-Euthanasie“ in Sachsen. In: Klaus-Dietmar Henke (Hrsg.): Tödliche Medizin im Nationalsozialismus. Von der Rassenhygiene zum Massenmord. Böhlau, Köln u. a. 2008, ISBN 978-3-412-23206-1, S. 143–148 (Schriften des Deutschen Hygiene-Museums Dresden 7, Volltext in der Google-Buchsuche).
  6. Stadt Leipzig: Euthanasieverbrechen in der Zeit des Nationalsozialismus in Leipzig. Informations-Material für Lehrer und Schüler der 9. und 10. Klassen in Mittelschulen und Gymnasien in Leipzig, 2007, online (PDF-Dokument; 2,4 MB)
  7. Eene meene muh - und raus bist du: Kindereuthanasie in Leipzig: Eine Erinnerung: Schüler auf der Suche nach verblassten Spuren. online (PDF-Dokument; 1 MB)
  8.  Thomas Fickenwirth, Birgit Horn, Christian Kurzweg: Fremd- und Zwangsarbeit im Raum Leipzig 1939–1945. Archivalisches Spezialinventar. Herausgegeben von der Stadt Leipzig, Der Oberbürgermeister, Stadtarchiv. Leipziger Universitäts-Verlag, Leipzig 2004, ISBN 3-937209-92-1 (Volltext in der Google-Buchsuche).
  9. Dietfried Müller-Hegemann im Professorenkatalog der Universität Leipzig
  10. Leipziger Volkszeitung vom 15. September 2011
  11. Liste der zertifizierten Darmkrebszentren
  12. Homepage der ehem. Soteria Klinik
  13. Liste der Praxen