Heilig-Geist-Kirche (Landshut)

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Heilig-Geist-Kirche
Eingangspforte (Anno Domini 1454)

Die Heilig-Geist-Kirche oder Spitalkirche Heilig-Geist in der Altstadt von Landshut ist eine Nebenkirche der katholischen Pfarrei St. Martin. Sie wurde in den Jahren 1407 bis 1461 nach den Plänen des Hans von Burghausen erbaut.

Lage[Bearbeiten]

Die Heilig-Geist-Kirche befindet sich in der Verlängerung der Landshuter Fußgängerzone, nur wenige Meter von der Isar entfernt. Sie bildet damit den architektonischen Abschluss der Landshuter Altstadt nach Norden hin. Ihr gegenüber liegt das 1208 gegründete Heilig-Geist-Spital, das historisch in enger Verbindung mit der Kirche steht.

Architektur und Innenausstattung[Bearbeiten]

Die Heilig-Geist-Kirche ist eine dreischiffige Hallenkirche mit Chorumgang.

Die Grundsteinlegung erfolgte im Jahr 1407 an der Stelle, an der zuvor eine romanische Kirche stand. Die Pläne für die Kirche stammten von Hans von Burghausen, unter dessen Leitung zur gleichen Zeit auch die Martinskirche in Landshut erbaut wurde. Nach dessen Tod im Jahr 1432 übernahm Hans Stethaimer die Bauarbeiten, die schließlich 1461 fertiggestellt werden konnten.

Als spätgotisches Werk sind das Haupt-, und die 2 Seitenschiffe gleich hoch und verleihen dem Sakralbau so ein gleiches Ebenmaß. Basierend auf dem Chorpfeiler in der Mittelachse finden die Seitenschiffe in dem angedeuteten Chorumgang ihre Fortsetzung und umschließen damit förmlich den Binnenchor. Durch diese architektonische Gestaltung erscheint der Innenraum als besonders weiträumig. Als außergewöhnlich zeigt sich die an der Westseite angebaute Portalvorhalle, die für viele weitere Kirchen als Vorbild diente. Auch die zweigeschossige Sakristei gliedert sich außen ebenso an wie die Katharinenkapelle und der Turm. Durch diese Anbauten wird die Hallenkirche in ihrer Bauform zusätzlich betont. Die Kirche besitzt 3 Portale, wobei das Westportal das am reichsten gegliederte ist.

Ursprünglich war es vorgesehen, dass der Turm noch höher als der der Martins-Kirche werden sollte. Dies wurde allerdings aus Kostengründen nicht realisiert, wie man an dem „kurzen“ Turm erkennen kann. Andere Stimmen führen dagegen aus, der Turm halte sich vornehm zurück einerseits eben wegen der Martinskirche, andererseits weil er dadurch den Blick auf den gesamten eigenen Baukörper richten will, nämlich von der „Eingangsseite“ der Altstadt her, deswegen wohl auch die ungewöhnliche Nordposition des Turmes.

Viele Teile der barocken Innenausstattung wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch neugotische Elemente ersetzt, diese wurden jedoch 1961 mit einigen Ausnahmen wieder entfernt. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs wurde die Kirche schwer beschädigt, als zurückziehende Truppen die nahe gelegene Isarbrücke sprengten. Seit der 1998 abgeschlossenen Sanierung sind nur noch wenige Spuren dieser Beschädigungen zu sehen.

Der letzte Altar wurde von dem in Ganslberg bei Landshut lebenden Bildhauer Fritz König geschaffen.

Würdigung[Bearbeiten]

Aufgrund seiner ausgewogenen Maßverhältnissen kann die Heilig-Geistkirche als das gelungenste und damit als das Meisterwerk des Hans von Burghausen angesehen werden. Sie zählt zusammen mit Martinskirche und Jodokkirche zu den herausragenden Beispielen der Landshuter Backsteingotik.

Nutzung der Kirche[Bearbeiten]

Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten, die im Jahr 1998 beendet werden konnten, ist die Kirche heute Teil der Museen der Stadt Landshut und wird als Ausstellungsraum für sakrale und zeitgenössische Kunst genutzt. Die Kirche ist nicht profaniert, ein katholischer Gottesdienst findet derzeit aber nur noch einmal im Jahr, zum Patrozinium am Pfingstmontag, statt. Eine nicht sakrale Nutzung der Kirche gab es bereits früher: 1809 wurde die Kirche als Munitionslager des Militärs genutzt, 1811 verlor sie ihren Status als eigene Pfarrei. Mit Beginn der Säkularisation wenige Jahre später wurde die Nutzung als Stadttheater diskutiert, jedoch schließlich nicht umgesetzt. 1816 sollte die Kirche gar gänzlich abgebrochen werden, was jedoch aufgrund von Protesten der Bürgerschaft Landshuts nicht stattfand.

Ausstellungen[Bearbeiten]

In der Heilig-Geist-Kirche wurden u. a. folgende Ausstellungen gezeigt:

  • Karl Reidel: Retrospektive 1948 - 2002 (2002/2003)
  • Mit Kalkül und Leidenschaft - Inszenierungen des Heiligen in der bayerischen Barockmalerei (22. November 2003 - 23. Mai 2004)
  • Hans Leinberger Um Leinberger - Schüler und Zeitgenossen (21. Oktober 2006 – 11. März 2007)
  • Neue Museen in Bayern seit 2000 - 17 Museums- und Ausstellungsneubauten in Bayern seit 2000 - Modelle, Photographien, Grundrisse (15. Juni 2007 - 11. November 2007)
  • seligenthal.de - anders leben seit 1232 (12. April 2008 - 14. September 2008)
  • Die Kunst des Langen Schwertes - Ritterwelten im Spätmittelalter« (26. Juni bis 20. September 2009)
  • 90+ Landshut seit 1918 - Ausstellung zur Stadtgeschichte (15. Mai bis 31. Oktober 2010)

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Bleibrunner: Landshut. Die altbayerische Residenzstadt: Ein Führer zu ihren Sehenswürdigkeiten. Landshut: Verkehrsverein Landshut e.V. 1988
  • Liedke, Volker: Stadt Landshut Ensembles - Baudenkmäler - Archäologische Geländedenkmäler. München, Zürich 1988
  • Georg Spitzlberger: Heiliggeistkirche Landshut, München, Zürich 1991

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heilig-Geist-Kirche (Landshut) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.538612.1526Koordinaten: 48° 32′ 19″ N, 12° 9′ 9″ O