Heilig-Geist-Spital (Nürnberg)

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Heilig-Geist-Spital aus westlicher Richtung aufgenommen (2007)
Heilig-Geist-Spital abends mit Spital-Apotheke links (2012)

Das Heilig-Geist-Spital in Nürnberg war die größte städtische Einrichtung zur Versorgung von Kranken und Alten in der Reichsstadt. Es ist bekannt als Aufbewahrungsstätte der Reichskleinodien, die von 1424 bis 1796 in Nürnberg verwahrt wurden. Das Spital wurde zum Teil über dem Bett der Pegnitz errichtet. Es wurde von Konrad Groß, dem damals reichsten Nürnberger Bürger, als Seelgerät gestiftet.

Geschichte[Bearbeiten]

um 1730
auf einer Postkarte um 1900

Das Spital wurde in Jahren 1332 und 1339 zusammen mit einer Kirche errichtet. Im Jahre 1420 wurde die Allerheiligenkapelle (auch: Valznerkapelle) angebaut. Diese war eine Stiftung des Spitalpflegers Herdegen Valzner.

Der Sage nach wurden das Heilig-Geist-Spital und seine Bewohner um 1340 Zielscheibe eines bösen Scherzes von Till Eulenspiegel.[1] 1341 erfolgte eine Privilegierung durch Kaiser Ludwig den Bayern.

Grundlegende Erweiterungs- und Umbaumaßnahmen wurden ab dem Jahre 1489 durchgeführt. Die noch heute das Erscheinungsbild des Spitals prägenden, die Pegnitz überspannenden Wasserbauten, die Sude und der Hofbau, wurden 1511–1527 errichtet. Nach der Machtergreifung der NSDAP sollte Nürnbergs „altdeutscher“ architektonischer Charakter verstärkt und die Spuren des Historismus beseitigt werden. In diesem Zusammenhang erhielt das Chörlein des Brückentrakts 1938–39 durch den Architekten Julius Lincke nach einer alten Bildvorlage zwei zusätzliche Erkergeschosse und ein spitzes Türmchen.

Nachdem die Heilig-Geist-Kirche im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war, wurde sie im Gegensatz zu den übrigen Spitalbauten nicht wiederaufgebaut. Auch die übrigen Teile des Gebäudes wurden 1945 durch Bombardierung schwerst getroffen. Das Spital war bis auf die Erdgeschossmauern zerstört, vom Brückentrakt standen nur noch die Bogenkonstruktionen über der Pegnitz und Reste der Außenmauern. Hier kam es 1951–53 zur Rekonstruktion, und zwar wieder unter Julius Lincke, der schon seit 1937 die Nürnberger Denkmalpflege leitete. Auch der malerische Erker mit seinem spitzen Turm wurde wieder aufgebaut.

Das Heilig-Geist-Spital wird als Seniorenwohnheim unter Leitung des Nürnbergstifts, einer Einrichtung der Stadt Nürnberg, genutzt.

Bilder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Annamaria Böckel: Heilig-Geist in Nürnberg. Spitalstiftung & Aufbewahrungsort der Reichskleinodien. Böckel, Nürnberg 1990, ISBN 3-87191-146-1 (Nürnberger Schriften; 4)
  • Ulrich Knefelkamp: Das Heilig-Geist-Spital in Nürnberg vom 14.–17. Jahrhundert. Geschichte, Struktur, Alltag. Selbstverlag des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg, Nürnberg 1989, ISBN 3-87191-144-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Till Eulenspiegel bei Projekt Gutenberg

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heilig-Geist-Spital (Nürnberg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

49.45277777777811.079166666667Koordinaten: 49° 27′ 10″ N, 11° 4′ 45″ O