Heilige Schrift

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt heilige Schriften allgemein. Die Heilige Schrift des Juden- und Christentums siehe unter Bibel.

Als heilige Schriften bezeichnet die vergleichende Religionswissenschaft Texte, die für eine Religion normativ sind. In den unterschiedlichen Religionen gibt es auch ein je unterschiedliches Verständnis, was als normativer Text gilt. Ebenso ist die jeweilige Autorität eines normativen Textes in den Religionen unterschiedlich. Diese Religionen nennt man manchmal auch Schrift- oder Buchreligionen.[1] In schriftlosen Kulturen spielen kollektive Überlieferungen von Mythen als orale Texte die gleiche Rolle wie heilige Schriften.[2]

Definition[Bearbeiten]

Merkmale heiliger Schriften, die vorliegen können sind:

  1. Die Schrift gilt als normativ, d.h., Glaubensfragen, ethische Fragen oder rituelle Fragen werden durch Berufung auf die heilige Schrift entschieden, womit eine letztgütige Entscheidung vorliegt.
  2. Die Schrift wird wörtlich zitiert im Gottesdienst, im Kult oder Ritual und spielt dort eine zentrale oder grundlegende Rolle.
  3. Die heilige Schrift wird als zentrale Schrift, zentrale Referenz oder als Dokument der Religionsgründung angesehen.
  4. Es gibt eine Schriftauslegung und Interpretation, manchmal gibt es Richtungen und Schulen um verschiedene Möglichkeiten der Auslegung.
  5. . Die Schrift ist mit dem Religionsstifter verbunden, oder dem Gott, bzw. Gottheiten, die diese Schrift besonders inspiriert haben. Häufig gilt sie als wesentliches Dokument der Lehre des Religionsstifters oder als von Gottheiten offenbarte Schrift.
  6. Die Schrift bildet einen Kanon.
  7. Die Schriften sammeln als authentisch geltende Überlieferungen, Erzählungen, Offenbarungen, Liedgut, Ritualistik, Weisheitstexte.
  8. Häufig gelten die heiligen Schriften als das älteste Zeugnis einer Religionsgemeinschaft.
  9. Die heiligen Schriften spielen in der Frömmigkeit eine besondere Rolle, durch eine verehrende und liebende Lesung und Rezitation. Kunst, Ethik, Musik und Erzählungen einer Religion sind zentral von diesen Schriften inspiriert.
  10. Heilige Schriften werden oft als archetypisch präsent in einer himmlischen oder jenseitigen Welt angesehen, so gibt es auch häufig die Vorstellung, die Schrift habe schon vor ihrer weltlichen Niederschrift existiert und sei dann offenbart worden.
  11. Heilige Schriften werden von Religionsgemeinschaften oftmals von anderen religiösen Schriften unterschieden, sie haben dann einen höheren Wert als die übrige religiöse Literatur, auch im qualitativen Sinne.
  12. Für den Umgang mit heiligen Schriften gelten oft besonders respektvolle Regeln, so dass sich heilige Schriften von anderer Buchkultur deutlich abheben.[3]

Heilige Schriften verschiedener Religionen[Bearbeiten]

Der Begriff „Heilige Schrift“ unterscheidet dort die Texte, die als Gottes Selbstmitteilung gelten oder diese enthalten, von ihrer menschlichen, mündlichen und schriftlichen Auslegung.[1]

Ebenso gibt es in vielen anderen Religionen oder religiösen Bewegungen Schriften, die als heilig angesehen werden, z.B. bei den Jinas, den Drusen, den Yeziden und den Bahai.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Udo Tworuschka (Hrsg.): Heilige Schriften. Eine Einführung. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2000, ISBN 3-534-13594-6. Aktualisierte Neuauflage: Verlag der Weltreligionen, Frankfurt am Main 2008.
  • Marco Frenschkowski: Heilige Schriften der Weltreligionen und religiösen Bewegungen. Marix Verlag, Wiesbaden 2007, ISBN 3-86539-915-0.
  • Christoph Bultmann, Claus P. März, Vasilios N. Makrides (Hrsg.): Heilige Schriften. Aschendorff, Münster 2005, ISBN 978-3-402-03415-6.
  • Günter Lanczkowski: Heilige Schriften. Inhalt, Textgestalt und Überlieferung. Urban-Bücher 22, Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1956.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Franz König, Hans Waldenfels: Lexikon der Religionen: Phänomene, Geschichte, Ideen. 3. Auflage. Herder, Freiburg im Breisgau 1996, ISBN 3-451-04090-5, Heilige Schrift(en), S. 256f. (Karl Hoheisel).
  2. Klaus Hock: Einführung in die Religionswissenschaft. 2. Auflage. Darmstadt 2006, S. 115
  3. Frenschkowski: a. a. O., S. 13ff.
  4. Helmuth von Glasenapp (Hrsg.): Bhagavadgita. Das Lied der Gottheit. Reclam, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-15-007874-7
  5. Frenschkowski: a. a. O., S. 170
  6. Frenschkowski: a. a. O., S. 214
  7. Frenschkowski: a. a. O., S. 215f.
  8. Frenschkowski: a. a. O., S. 184–191
  9. Frenschkowski: a. a. O., S. 192–199
  10. Frenschkowski: a. a. O., S. 204–207
  11. Frenschkowski: a. a. O., S. 208–210
  12. Frenschkowski: a. a. O., S. 223–227
  13. Frenschkowski: a. a. O., S. 218–221
  14. Frenschkowski: a. a. O., S. 229–231
  15. Frenschkowski: a. a. O., S. 148–161
  16. Frenschkowski: a. a. O., S. 235–237
  17. Frenschkowski: a. a. O., S. 252f.