Heiligenberg (Heidelberg)

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Heiligenberg
Der Heiligenberg neckaraufwärts gesehen, im Vordergrund Neuenheim

Der Heiligenberg neckaraufwärts gesehen, im Vordergrund Neuenheim

Höhe 439,9 m ü. NHN
Lage Heidelberg, Baden-Württemberg, Deutschland
Gebirge Odenwald
Koordinaten 49° 25′ 33″ N, 8° 42′ 22″ O49.4258333333338.7061111111111439.9Koordinaten: 49° 25′ 33″ N, 8° 42′ 22″ O
Gestein Buntsandstein
Blick vom Bismarckplatz auf den Heiligenberg

Der 439,9 m ü. NHN[1] hohe Heiligenberg liegt im Osten über den Heidelberger Stadtteilen Neuenheim und Handschuhsheim. Mit dem Königstuhl zählt der Heiligenberg zu den beiden Hausbergen Heidelbergs. In karolingischer Zeit hieß er Aberinsberg, bevor er nach der Besiedlung der Klöster St. Michael und St. Stephan 1265 durch Prämonstratenser aus dem Allerheiligenkloster im Schwarzwald den Namen „Allerheiligen-Berg“ (lateinisch: „mons omnium sanctorum“) erhielt.

Geografie[Bearbeiten]

Der Heiligenberg liegt am Westrand des Odenwald zur Bergstraße und der davor liegenden weiten Oberrheinischen Tiefebene. Südlich vorgelagert ist der flache Gipfel des Michaelsbergs (375,5 m ü. NN). Der Heiligenberg fällt steil nach Westen in die Ebene wie nach Süden ins Neckartal ab, jenseits dessen sich der Königstuhl über der Altstadt von Heidelberg im Flusstal erhebt. Im Norden trennt das Kerbtal mit dem zum Kanzelbach fließenden Rombach oder Mühlbach den Heiligenberg vom Hohen Nistler, im Nordosten verbindet ein Bergsattel mit dem weiter entfernten Weißen Stein.

Geschichte[Bearbeiten]

Heiligenberg 1645, von Matthäus Merian

Durch seine herausgehobene Lage bot der Heiligenberg einen weiten Blick in die Ebene und ins Neckartal sowie einen natürlichen Schutz. Er war daher schon seit der frühen Jungsteinzeit (Linearbandkeramik) besiedelt. Ab der 1. Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. ließen sich Kelten hier dauerhaft nieder. Von ihrer Besiedelung zeugen noch heute Reste einer doppelten keltischen Ringwallanlage, die einst den Haupt- und den Vordergipfel umschloss.

Ausgrabungen beweisen, dass hier schon in der frühen La-Tène-Zeit Eisenerz verhüttet wurde.[2] Die Siedlung war vom 5. Jahrhundert v. Chr. bis in die römische Zeit hinein das politische, religiöse und kulturelle Zentrum der Region. Um 200 v. Chr. verlagerte sich das Herrschaftszentrum westwärts in die Talebene ins römische Lopodunum, das heutige Ladenburg. In römischer Zeit trug der Gipfel einen heiligen Bezirk mit Steinbauten, wovon noch heute die Grundmauern eines genordeten Mercuriusheiligtums mit Apsis im Langhaus der Michaelsbasilika zeugen. Zu den archäologischen Funden gehören Weihesteine mit lateinischen Weiheinschriften, nach denen sie dem Gott Mercurius Cimbrianus gestiftet wurden, dem Mercurius der Cimbern.[3] Das lässt auf eine Kultstätte für den germanischen Gott Wodan schließen. Dieses Gipfelheiligtum überdauerte offenbar bis etwa 600 n. Chr., denn zu dieser Zeit wurden noch Gräber um das Heiligtum angelegt.

Reste des Mercuriustempels
Heiligenberg mit Heidelberger Altstadt und Neckar
Der Heiligenbergturm mit den Resten des Stephansklosters

Gelegentlich wird der Heiligenberg mit dem bei Ammian erwähnten Mons Piri gleichgesetzt, auf dem die Truppen Kaiser Valentinians I. im Jahr 369 bei einem Feldzug Schanzarbeiten verrichteten, aber von Germanen vertrieben wurden. Aus dem 4. bis 5. Jahrhundert liegen einige Einzelfunde vor, am Ende des 6. Jahrhunderts wurde der Berg wiederbesiedelt.[4] Spätestens für das 7. Jahrhundert sind christliche Bestattungen dort nachweisbar. In der Karolingerzeit, im 8. Jahrhundert, wurden über dem Heiligtum einige Steinbauten errichtet. Es könnte sich hier um Gebäude für den Vertreter des Königs gehandelt haben. Im 9. Jahrhundert erbaute die Abtei Lorsch unter Einbezug eines römischen Baus auf dem Hauptgipfel dort eine erste Kirche, die dem Erzengel Michael geweiht wurde. Im Jahre 882 wurde der Heiligenberg das erste Mal schriftlich als „Aberinesberg“ erwähnt, als Ludwig III. den Heiligenberg, im Rahmen der Beisetzung seines Vaters (Ludwig der Deutsche) in Lorsch, an die Abtei Lorsch übereignete.

Der noch als Ruine erhaltene frühromanische Kirchenbau stammt im Ostteil aus dem späten 10. Jahrhundert, die westlichen Teile datieren aus der Zeit um 1030. Der Entwurf der Gesamtanlage wird dem Abt Reginbald zugeschrieben. Die älteste Darstellung der Anlage, im Merian (Topographia Palatinatus) von 1645, zeigt das Kloster schon als Ruine, aber noch mit weitgehend erhaltenen Wänden und dem Vierungsturm.

Chronologie[Bearbeiten]

  • 5500–5000 v. Chr.: Funde aus der Zeit der Bandkeramik
  • 5000–4400 v. Chr.: Spuren ständiger Besiedlung aus der Mittleren Jungsteinzeit: Steinbeile und Gefäßscherben
  • 1200 v. Chr.: Bronzezeit der Urnenfelderkultur (Hallstatt B): geschlossene, über den Ringwall hinaus reichende Siedlung
  • 480–280 v. Chr.: Größte Ausdehnung der keltischen Höhensiedlung mit überregionaler Bedeutung (Eisenverarbeitung)
  • 80–260/270 n. Chr.: römischer Tempelbezirk auf dem Gipfel mit der Verehrung der Götter Jupiter und Mercurius
  • 300–500 n. Chr.: Völkerwanderungszeit (Ausraubung der römerzeitlichen Bauten)
  • 600: dauerhafte Ansiedlung auf der hinteren Kuppe (St. Michael an Stelle des antiken Mercurius)
  • 700–882: Königshof auf Teilen des erneuerten keltischen Ringwalls
  • 1023: Gründung des St. Michaelsklosters unter Abt Reginbald
  • 1070: Tod des ersten Abts von Hirsau, Friedrich, im St. Michaelskloster (Wallfahrtsort, obwohl nicht kanonisiert)
  • 1090: Mönch Arnold errichtet eine Klause auf dem vorderen Gipfel des Heiligenbergs
  • 1094: zweite Klostergründung auf dem Aberinesberg (Propstei St. Stephan)
  • 1100: Bestattung der Dame Hazecha in der Propstei St. Stephan (Grabplatte als ältestes mittelalterliches Schriftdenkmal Heidelbergs)
  • 1265: Einzug der Prämonstratenser auf dem Heiligenberg
  • 1232: Übergang vom Kloster Lorsch an Mainz
  • 1460: Mainzer Stiftsfehde (Zerstörung der Anlage und Neuaufbau des Kirchenschiffs)
  • 1503: Einsturz des Nordturms
  • 1508: Philipp Melanchthon studiert die römischen Inschriften an der Michaelskirche
  • 1537: Jakob Micyllus beschreibt das Michaelskloster als Ruine
  • 1548: Sebastian Münster erwähnt „wunderbarlich alt heidnisch gemauerte Löcher und gefencknus (Gefängnisse)“
  • 1555: im Zug der Reformation werden die Klöster St. Michael und St. Stephan vom Pfalzgrafen eingezogen
  • 1589: St. Stephan wird der Universität Heidelberg zugewiesen (Universitätssenat beschließt Abriss der Klöster und Verkauf der Steine)
  • 1601: Matthäus Merian zeichnet die Ruine des Michaelsklosters
  • 1860: Karl Christ macht auf die Steinwälle aufmerksam
  • 1881: Grabungen
  • 1886: Freilegung der Ruinen des Michaelsklosters
  • 1907: Grabungen an den Ringwällen
  • 1929: Bau des Gasthauses „Waldschenke“ (keltische Funde)
  • 1934: Bau der „Thingstätte“ (prähistorische und römische Funde)
  • 1936/1937: Erforschung des Heidenlochs
  • 1950: Untersuchungen durch das Kurpfälzische Museum
  • 1970: Objektsicherungen und Sondierungsgrabungen im Bereich der Michaelsbasilika
  • 1979/1980: Wiederherstellung der prähistorischen Wasserstelle der Ringwallbefestigung, des so genannten „Bittersbrunnens“
  • 1980–1983: Flächengrabung im Bereich der Michaelsbasilika

Bauten auf dem Heiligenberg[Bearbeiten]

Heidelberger Thingstätte auf dem Heiligenberg, Blick auf die Zuschauerränge

Keltischer Ringwall[Bearbeiten]

Am Heiligenberg finden sich Reste eines doppelten keltischen Ringwalls aus dem 4. Jahrhundert v. Chr.

Heidenloch[Bearbeiten]

Auf dem Heiligenberg befindet sich das nach wie vor rätselhafte 55 Meter tiefe Heidenloch, dessen genaue Entstehungszeit und Funktion unbekannt sind. Vermutlich handelt es sich um eine Zisterne oder einen Brunnenschacht, der schon zur Römerzeit angelegt wurde.

Michaelskloster[Bearbeiten]

Klostergarten des Klosters St. Michael von Heinrich Hoffmann

Die Ruine der 1023 errichteten Basilika und des Klosters St. Michael auf dem Hauptgipfel.

Stephanskloster[Bearbeiten]

Die Ruine des im 11. Jahrhundert erbauten Stephansklosters auf dem Michaelsberg. St. Stephan, neben St. Michael das zweite Kloster auf dem Heiligenberg, wurde um das Jahr 1090 von dem Benediktiner-Mönch Arnold erbaut.

Heiligenbergturm[Bearbeiten]

Der Heiligenbergturm ist ein Aussichtsturm beim Stephanskloster, der im 19. Jahrhundert aus Steinen dieses Klosters erbaut wurde.

Bismarckturm[Bearbeiten]

Der Heidelberger Bismarckturm, ein Denkmal für den ersten Reichskanzler, steht am Südhang des Heiligenbergs oberhalb des Heidelberger Philosophenwegs und ist durch eine Treppe begehbar.

Thingstätte[Bearbeiten]

Die 1935 nach einem Entwurf von Hermann Alker gemäß dem Pseudo-Vorbild antiker griechischer Theater errichtete Thingstätte ist eine seit einigen Jahren wieder genutzte Freilichtbühne. Sie liegt auf dem Bergsattel zwischen dem Heiligenberg und dem Michaelsberg.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. Peter Marzolff, Uwe Gross: Zwischen Merkur und Michael: Der Heiligenberg bei Heidelberg in Völkerwanderungszeit und Frühmittelalter. In: Heiko Steuer, Volker Bierbrauer (Hrsg.): Höhensiedlungen zwischen Antike und Mittelalter von den Ardennen bis zur Adria (= Ergänzungsbände zum Reallexikon der Germanischen Altertumskunde 58), de Gruyter, Berlin 2008, ISBN 978-3-110-20235-9, S. 121-163, Volltext.
  3. CIL 13, 6399, CIL 13, 6402, AE 1921, 52; weitere Mercur-Inschrift vom Heiligenberg: CIL 13, 6400.
  4. Peter Marzolff, Uwe Gross: Zwischen Merkur und Michael: Der Heiligenberg bei Heidelberg in Völkerwanderungszeit und Frühmittelalter. In: Heiko Steuer, Volker Bierbrauer (Hrsg.): Höhensiedlungen zwischen Antike und Mittelalter von den Ardennen bis zur Adria (= Ergänzungsbände zum Reallexikon der Germanischen Altertumskunde 58), de Gruyter, Berlin 2008, ISBN 978-3-110-20235-9, S. 121-163, Volltext.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang von Moers-Messmer: Der Heiligenberg bei Heidelberg. Ein Führer durch seine Geschichte und seine Ruinen. Herausgegeben von der Schutzgemeinschaft Heiligenberg e. V., 1987
  • Renate Ludwig, Peter Marzolff: Der Heiligenberg bei Heidelberg. Theiss, Stuttgart 1999. (Führer zu archäologischen Denkmälern in Baden-Württemberg; Bd. 20). ISBN 3-8062-1416-6
  • Peter Marzolff: Der Heiligenberg. In: Elmar Mittler (Hrsg.): Heidelberg. Geschichte und Gestalt. Universitätsverlag C. Winter, Heidelberg 1996. ISBN 3-921524-46-6, S. 38–45.
  • Martin Schemm: Das Heidenloch. 3. Auflage. Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher/Heidelberg/Basel 2004. ISBN 3-89735-165-X
  • Peter Marzolff, Uwe Gross: Zwischen Merkur und Michael: Der Heiligenberg bei Heidelberg in Völkerwanderungszeit und Frühmittelalter. In: Heiko Steuer, Volker Bierbrauer (Hrsg.): Höhensiedlungen zwischen Antike und Mittelalter von den Ardennen bis zur Adria (= Ergänzungsbände zum Reallexikon der Germanischen Altertumskunde 58), de Gruyter, Berlin 2008, ISBN 978-3-110-20235-9, S. 121-163, Volltext.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heiligenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien