Heiligenschein

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Dieser Artikel beschreibt den Heiligenschein in der Bildenden Kunst. Für die Naturerscheinung siehe Heiligenschein (Naturerscheinung).
Jesus und neun der zwölf Apostel, Detail eines Freskos von Massacio in der Kirche Santa Maria del Carmine (1427)

Der Heiligenschein (lat. Nimbus), auch Glorie, Glorienschein, Gloriole, Strahlenschein, Aureole ist eine Leucht- oder Lichterscheinung um den Kopf oder ganzen Körper einer Personendarstellung. Unterformen des Nimbus, die den kompletten Körper der Persondarstellung umfassen, sind die kreisförmige Aureole und die mandelförmige Mandorla. Der Nimbus ist in der Kunst ein Symbol für Mächtige, Erleuchtete, Heilige oder Götter. Eine Leucht- oder Lichterscheinung, eine Sonnenkrone oder Strahlenkranz um den Kopf oder Körper von Darstellungen besonderer Menschen ist gleichförmig aus allen Kulturen überliefert.

Darstellung[Bearbeiten]

In der Kunst wird der Nimbus bei heiligen, herrschaftlichen oder göttlichen Figuren in vielfältiger Weise dargestellt. Umgibt er die ganze Gestalt in Kreisform, so heißt er Aureole, in Mandelform Mandorla. Hinter dem Haupt ist der Glorienschein ein Nimbus. Außerdem gab es Maler, die den Nimbus dynamisch mit den Bewegungen des Kopfes in Beziehung setzten. Er wurde leuchtend und strahlend gemalt, als ob er ein Licht aussende (i. d. R. weiß, gelb, silbern oder golden). Noch lebende Persönlichkeiten wurden zeitweise mit eckigem Nimbus dargestellt.

Christentum und Islam[Bearbeiten]

In der christlichen Kunst verkleinerte sich der Umfang des Heiligenscheins mit der Zeit, bis der Nimbus nur noch als Kreisscheibe, als System von mehreren konzentrischen Kreisen oder als Ring dargestellt wurde, der sich hinter oder über dem Kopf der Figur befindet. Im Unterschied zum Nimbus der Heiligen wird der Heiligenschein Jesu Christi oft etwas anders dargestellt, vor allem auf Ikonen.

Im schiitischen Islam wird vor allem Ali ibn Abi Talib mit Nimbus dargestellt.

Mogulmalerei[Bearbeiten]

Ab 1580 wurde die Nimbus-Darstellung vielfach in der Indischen Mogulmalerei für bedeutende Persönlichkeiten und Herrscher des Mogulreiches verwendet.[2]

Symbolik[Bearbeiten]

In der antiken Kunst war der Nimbus ein Zeichen der Macht oder des Göttlichen und wurde so auch den Darstellungen verschiedener Gottheiten gegeben. Auch römische Kaiser (vergöttlichte Kaiser) sind teilweise mit Nimbus auf ihren Münzen abgebildet. Ebenso wurden Sonnengötter wie z. B. Mithras und Helios oft mit einem Strahlenschein oder Sonnenkrone um den Kopf abgebildet; hier ist die Aureole offenbar ein Symbol für die strahlende Sonne, die diese Götter sinnbildlich verkörperten. Im Zoroastrismus symbolisiert der Strahlenschein die heilige Flamme (oder das heilige Licht).

In Übernahme der antiken und der christlichen Symboliken findet sich der Nimbus dann auch im Heiligen Römischen Reich des Mittelalters, etwa ziert er den Doppeladler – aber auch hier finden sich schon spät-oströmische Darstellung des nimbierten Adlers. So wurde der Nimbus im Laufe der Zeit das Begleitzeichen bei Darstellungen von Göttern oder höheren Wesen. Heute wird das Wort Nimbus gerne als sprachliches Bild verwendet, ohne dass damit die bildliche Vorstellung verbunden ist.

Symbolik im Christentum[Bearbeiten]

In der christlichen Kunst wurde ab dem 2. Jahrhundert die antike Gloriole zuerst dem Gottessohn Jesus Christus und den Päpsten, dann dem dreifaltigen Gott und den Engeln, später der Gottesmutter Maria und letztlich den Heiligen gegeben. Dabei ist die Form des Kreuznimbus der göttlichen Dreifaltigkeit aus Gott dem Sohn, Gott dem Vater und Gott dem Heiligen Geist vorbehalten und kennzeichnet diese.

Manche Formen der christlichen Mystik haben aus der Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor, wie sie im Neuen Testament berichtet und von den Aposteln Petrus, Jakobus und Johannes beobachtet wird, die besondere Lehre des Taborlichts entwickelt.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Mosaiktitel: 'Christus als Sol Invictus', interpretiert als Christus-Sol. Die frühen Heidenchristen kombinieren hier urchristlichen und heidnischen Glauben in diesem Mosaik von Jesus Christus als Sonnengott. Der triumphierende Gott Jesus wird von zwei Pferden in seinem Sonnenwagen gezogen. Die Weinranken des Dionysus, der nach griechisch-römischer Mythologie aus der Unterwelt wiederkam/auferstand, werden zu Weinranken Jesu.
  2. Bamber Gascoigne: Die Großmoguln. Glanz und Größe mohammedanischer Fürsten in Indien. Sonderausgabe. Prisma-Verlag, Gütersloh 1987, ISBN 3-570-09930-X, S. 146 ff.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heiligenschein (Kategorie Aureola) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Gloriole – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen