Heilsarmee

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Logo der Heilsarmee in Deutschland

Die Heilsarmee ist eine christliche Freikirche mit ausgeprägter sozialer Tätigkeit. Sie nahm im Jahr 1865 ihren Anfang und verbreitete sich ab den 1880er Jahren schrittweise über die ganze Welt.

Auftrag und Tätigkeit[Bearbeiten]

Straßeneinsatz

Die Heilsarmee ist eine internationale Bewegung mit den Arbeitsbereichen Sozialarbeit und christliche Verkündigung, die eng miteinander verbunden sind. Sie ist eine christliche Kirche mit protestantisch-freikirchlicher Prägung und Theologie. Ihre Wurzeln liegen im Methodismus.

Die praktische soziale Tätigkeit umfasst unter anderem Obdachlosenfürsorge, Heime für Kinder, Alte, Alkoholkranke und Behinderte, AIDS-Prävention, Schulen, Krankenhäuser, Katastrophenhilfe, Gefängnisfürsorge und den Internationalen Suchdienst der Heilsarmee für vermisste Familienangehörige. Bekannt sind auch die Brockenhäuser (Gebrauchtwarenläden), deren Einnahmen den Wohlfahrtseinrichtungen zugutekommen.

Die Heilsarmee selbst definiert ihren Auftrag so:

„Die Heilsarmee ist eine internationale Bewegung und Teil der universalen christlichen Kirche. Ihre Botschaft gründet sich auf die Bibel. Ihr Dienst ist motiviert von der Liebe zu Gott. Ihr Auftrag ist es, das Evangelium von Jesus Christus zu predigen und menschlicher Not ohne Ansehen der Person zu begegnen.“[1]

Die Heilsarmee ist in den USA eine anerkannte NRO, vergleichbar z. B. dem Roten Kreuz. Ihre ersten Einsätze waren nach dem Galveston-Hurrikan (1900) und San-Francisco-Erdbeben von 1906. Als Hilfsorganisation nimmt sie auch am dortigen BOS-Funk teil.

Ziele und Glauben[Bearbeiten]

Die Heilsarmee versteht ihre Aufgabe in der Verbreitung des Evangeliums unter allen Menschen. Ihr Ziel ist es, die ganze Welt unter die Herrschaft Jesu zu stellen. Es ist die Folge ihres Verständnisses des Alten und Neuen Testaments. Der Gründer William Booth glaubte, dass viele Christen ihr Heil in Ritualen und nicht in einer Beziehung zu Gott suchten. Deshalb entschloss er sich, die Sakramente (besonders Taufe und Abendmahl) wegzulassen. Es ist aber den Mitgliedern freigestellt, diese in anderen Gemeinschaften zu praktizieren.

Kirchliches Leben[Bearbeiten]

Neben der bekannteren sozialen und evangelistischen Tätigkeit gibt es in der Heilsarmee auch ein kirchliches Leben mit Sonntagsgottesdienst, Seelsorgedienst, kirchlichen Handlungen, kirchlichem Unterricht (etwa vergleichbar dem Konfirmandenunterricht), Bibelstudium und Gebetszusammenkünften.

Die Heilsarmee hat ein Glaubensbekenntnis auf evangelikaler Grundlage. Ihre uniformierten Mitglieder, die Heilssoldaten und Offiziere, verpflichten sich unter anderem dazu, nach christlichen Maßstäben zu leben, auf Alkohol, Tabak, Drogen, Pornographie und übermäßige Medikamenteneinnahme zu verzichten und sich aktiv in der sozialen und evangelistischen Tätigkeit zu engagieren.

Die Heilsarmee tauft nicht und feiert auch kein Abendmahl. Säuglinge werden – auf Wunsch der Erziehungsberechtigten – bei einer Kindersegnung „geweiht“ (wobei die Erziehungsberechtigten öffentlich versprechen, das Kind „für Gott“ zu erziehen), Jugendliche werden – auf eigenen Wunsch – eingesegnet.

Geschichte[Bearbeiten]

Gustaf Cederström: Die Heilsarmee (1886) – Das Bild zeigt Katie Booth, Tochter von William Booth, in einer Pariser Kneipe.
Flagge der Heilsarmee

Der methodistische Pfarrer William Booth lebte im Londoner East End und war erschüttert über das Elend in den dortigen Slums der Frühindustrialisierung. Am 2. Juli 1865[2] gründete er mit Freiwilligen aus verschiedenen Kirchen die Christliche Erweckungsgesellschaft (englisch Christian Revival Association), die in den darauffolgenden Jahren den Namen mehrmals wechselte. So wurde dann die Ostlondoner Christliche Mission (engl. Eastlondon Christian Mission) daraus und ab 1870 die Christliche Mission, die sich mit dem Motto „Suppe, Seife, Seelenheil“ (“Soup, Soap, Salvation”) daran machte, zu helfen. Im Jahr 1878 wurde der bisherige Name fallen gelassen, und die Bewegung nannte sich offiziell Die Heilsarmee (engl. The Salvation Army). William Booth wurde ihr erster General. Der Kampf der Heilsarmee gegen das Elend und ihre Organisationsform wurden straff militärisch strukturiert – dazu gehörte die Einführung von Rängen, Uniformen und Symbolen.

Booths Ehefrau Catherine Booth, unterstützte die Entwicklung der Bewegung. Sie war die intellektuelle Führung der Bewegung. Sie vertrat ihren erkrankten Mann monatelang in der Leitung, organisierte Armenspeisungen, war als ausgezeichnete Predigerin bekannt und setzte sich für verbesserte Arbeitsbedingungen, besonders der Frauen, ein. Schon in der Gründungsakte der Christian Mission wurde festgelegt, dass Frauen die gleichen Rechte (Predigen, Führungspositionen und so weiter) haben wie Männer. So bestand die Heilsarmee schon im 19. Jahrhundert darauf, dass Frauen in allen intellektuellen und gesellschaftlichen Beziehungen Männern gleichgestellt sein sollten. Frauen haben in der Heilsarmee den gleichen Status wie Männer.

Binnen zweier Jahre nach ihrer Umbenennung breitete sich die Heilsarmee auch im Ausland aus. Seit 1882 ist sie in der Schweiz, seit 1886 in Deutschland und seit 1927 in Österreich tätig. Im Jahr 1925 übernahm die Tochter der Heilsarmee-Gründer, Marie Booth, das Kommando über die deutsche Heilsarmee.[3]

Organisation[Bearbeiten]

Ausbreitung der Heilsarmee in der Welt
Sitz in Hannover
Gebäude im Rotlichtviertel Hamburg-St. Pauli
Männerwohnheim der Heilsarmee Hamburg: Jakob-Junker-Haus Groß-Borstel

Die uniformierten Mitglieder werden Salutisten genannt. Die meisten sind ehrenamtliche Heilssoldaten, einige sind Angestellte der Heilsarmee. Die ausgebildeten Geistlichen der Heilsarmee werden Offiziere genannt.

Außerdem gibt es eine wachsende Zahl von hauptberuflichen Angestellten der Heilsarmee, die aber nicht zu ihren Mitgliedern zählen.

Die oberste Leitung hat ein General, dem ein Beirat zur Seite steht. Das Internationale Hauptquartier (IHQ) befindet sich in London. Die internationale Heilsarmee-Arbeit ist in Territorien aufgeteilt, die jeweils ein territoriales Hauptquartier haben. Das Hauptquartier für Deutschland, Litauen und Polen befindet sich in Köln, das für die Schweiz, Österreich und Ungarn in Bern.

2012 arbeitete die Heilsarmee in 126 Ländern. Weltweit hat sie etwa 1,7 Millionen Mitglieder, davon 1,1 Millionen Heilssoldaten, der Rest sind Rekruten und Mitglieder der Freundeskreise. In 15.765 Gemeinden, rund 1.900 Schulen, 3.600 Sozialinstitutionen 21 Krankenhäuser und 202 Gesundheitszentren und Kliniken beschäftigt sie 17.070 Offiziere und 109.518 Angestellte.[4]

In Deutschland ist die kirchliche Verkündigungsarbeit der Heilsarmee in zwei Divisionen aufgeteilt (NordOst und SüdWest), die jeweils von einem „Divisionsoffiziers“-Ehepaar (mit eigenem „Divisionshauptquartier“) geleitet werden. Jeder Divisionsoffizier betreut die Leiter der Ortsgemeinden innerhalb seiner Division. Die Ortsgemeinden der Heilsarmee werden als „Korps“ bezeichnet, deren Leiter als „Korpsoffiziere“. Die Sozialarbeit der Heilsarmee in Deutschland (das sogenannte „Sozialwerk“) wird zentral von der „Sozialabteilung“ in Köln geleitet.

Die offizielle Zeitschrift der Heilsarmee in Deutschland heißt „Heilsarmee-Magazin“ (bis 31. Dezember 2007 „Der Kriegsruf“). In der Schweiz heißt die entsprechende Zeitschrift "Trialog" (de-ch) und "Espoir" (fr-ch). Die Mitgliederzeitschrift der Heilsarmee in der Schweiz ist der "dialog" / "dialogue".

Von 1985 an wurden Heilsarmee-Offiziere aus Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien, Ungarn und der Schweiz in Basel in einem gemeinsamen Ausbildungszentrum ausgebildet. Seit Sommer 2005 steht die Schule neu unter der Leitung des Schweizer Territoriums. Sie strebt eine Validierung nach ECTS-Normen an. Der Ausbildungsgang ist weiterhin für ausländische Studenten offen. Die Ausbildung der deutschen Offiziere findet seit 2005 wieder in Deutschland statt in Zusammenarbeit mit dem Institut für Gemeindebau und Weltmission (IGW), die das theologische Grundlagenstudium bereitstellt. Der zweijährige Ausbildungsgang besteht aus dieser theologischen Grundausbildung und den Modulen der Offiziersschule, die ebenfalls akkreditiert sind. Die Gesamtausbildung endet nach sieben Jahren mit dem Bachelor of Arts im Studiengang Theologie.[5]

Generäle der Heilsarmee[Bearbeiten]

Hier eine Auflistung aller Generäle der Heilsarmee, in Klammern hinter dem Namen jeweils die entsprechende Amtszeit.

Ökumene[Bearbeiten]

Die Heilsarmee ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland, im Deutschen Komitee des Weltgebetstags und in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen. Sie beteiligt sich auch an den Aktionen und Zusammenkünften der Evangelischen Allianz. Sie war Mitglied des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK); die Mitgliedschaft ruht aber seit 1978, da die Heilsarmee die Unterstützung der militanten Befreiungsbewegungen in Südafrika ablehnte. In vielen Gremien und Projekten des ÖRK arbeitet die Heilsarmee aber mit.

Ähnliche Bewegungen[Bearbeiten]

Der Erfolg der Heilsarmee führte zur Gründung ähnlicher Bewegungen anderer Konfessionen, die sich in der Regel durch die militärische Terminologie und Organisation, sowie durch „Graswurzel“-Sozialarbeit auszeichnen:

Eurovision Song Contest[Bearbeiten]

Eine Band der Heilsarmee Schweiz hat sich um die Teilnahme am Eurovision Song Contest beworben. An der Ausscheidung vom 15. Dezember 2012 wurde die Band vom Publikum mit dem Song you and me als Sieger gewählt, um die Schweiz am ESC in Malmö zu vertreten.[6] Die Organisatoren des ESC verweigerten aber zunächst die Teilnahme,[7] bis sich die Band einen Namen zulegte (Takasa) und zusagte, auf die Uniform beim Auftritt zu verzichten. Die Band qualifizierte sich nicht für das Finale.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Catherine Booth: Das Recht der Frau zu predigen. Heilsarmee, Köln 2000, ISBN 3-905499-26-6.
  •  Robert Chevalley, Rosmarie Fullarton: Die Geschichte der Heilsarmee in der Schweiz / L’historie de l’Armée du Salut en Suisse. Die ersten 100 Jahre / Les 100 premières années. Die weiteren 25 Jahre / Les 25 années suivantes. Heilsarmee Hauptquartier Bern / Fischer Münsingen BE, Bern 2009 (übersetzt von Ruth Burger, Crystel Müller, Pierre de Herdt, Denice Prince), ISBN 978-3-905656-15-2 (deutsch und französisch).
  •  Richard Collier: Der General Gottes William Booth. Die Geschichte der Heilsarmee. 4. Auflage. Johannis, Lahr 1997 (deutsche Erstausgabe 1981) (Originaltitel: The General next to God, übersetzt von Hermann Thiemke), ISBN 3-501-00110-X.
  •  Dirk Gnewekow, Thomas Hermsen: Die Geschichte der Heilsarmee: Das Abenteuer der Seelenrettung. Eine sozialgeschichtliche Darstellung. Leske und Budrich, Opladen 1993, ISBN 3-8100-1062-6.
  •  Roger J. Green: Catherine Booth: Dienerin der Armen, Gewissen der Reichen, Anwältin der Verlorenen: Die „Mutter der Heilsarmee“. Brunnen, Gießen 2010 (Originaltitel: Catherine Booth – A Biography of the Cofounder of the Salvation Army, übersetzt von Markus Baum), ISBN 978-3-7655-1745-7.
  •  Hildi Hari-Wäfler: Bibel, Blech und Gottvertrauen. Ein Leben mit der Heilsarmee. Neufeld Verlag, Schwarzenfeld 2012, ISBN 978-3-86256-029-5.
  •  Uwe Heimowski: Die Heilsarmee. Practical Religion – gelebter Glaube. Neufeld Verlag, Schwarzenfeld 2006, ISBN 978-3-937896-29-8.
  • Uwe Heimowski: Brunos Dankeschön – Geschichten von der Reeperbahn. Neufeld Verlag, Schwarzenfeld 2005, ISBN 978-3-937896-12-0 (Liebevoll gezeichnete Porträts gesellschaftlicher Randsiedler aus der Sicht eines Heilsarmee-Mitarbeiters).
  •  Frank Heinrich (mit Uwe Heimowski): Mission: Verantwortung. Von der Heilsarmee in den Bundestag. Neufeld Verlag, Schwarzenfeld 2013, ISBN 978-3-86256-039-4.
  • Glenn K. Horridge: The Salvation Army. Origins and Early Days 1865 - 1900. Ammonite Books, Godalming 1993, ISBN 1-869866-07-X (englisch).
  • Kothe Willie: Unterdrückt – aber nicht umgekommen. Die Heilsarmee im Dritten Reich und den Jahren danach. St. Johannis-Druckerei, Lahr-Dinglingen 1986, ISBN 3-501-00155-X (Heilsarmeegeschichte in Deutschland).
  • Trevor Yaxley: William & Catherine Booth – Leben & Vermächtnis der Gründer der Heilsarmee. Adullam, Grasbrunn 2007, ISBN 978-3-931484-35-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Heilsarmee – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Heilsarmee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Auftrag der Heilsarmee
  2. Informationsbroschüre über Arbeit und Geschichte der Heilsarmee (PDF; 2,9 MB)
  3. Die neue Kommandeurin der deutschen Heilsarmee. In: Vossische Zeitung, 3. Juli 1925, Abendausgabe, S. 4.
  4. The Salvation Army Year Book 2012, The Salvation Army, London
  5. Heilsarmee: Ausbildung
  6. Mitteilung des Schweizer Fernsehens vom 16. Dezember 2012: Die Heilsarmee vertritt die Schweiz am Eurovision Song Contest
  7. Pressemitteilung vom 24. Januar 2013 der Heilsarmee zu den Auflagen des ESC