Heim ins Reich

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„Die Saar kehrt heim!“; Briefmarke von 1935.

Die Parole Heim ins Reich wurde von den 1920er Jahren an und während der Zeit des Nationalsozialismus als politisches Schlagwort genutzt.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Behauptung, diese Parole gehe auf Konrad Henlein zurück, ist irrig. Er verbreitete während der Sudetenkrise am 15. September 1938 einen Aufruf, der mit den Worten endete:

„Wir wollen als freie deutsche Menschen leben! Wir wollen wieder Frieden und Arbeit in unserer Heimat! Wir wollen heim ins Reich! Gott segne uns und unseren gerechten Kampf.“[1]

Zu dieser Zeit war der Slogan Heim ins Reich aber schon lang in Gebrauch. 1921/1922 erschien in Düsseldorf im Verlag Dobler Heim ins Reich. Zeitschrift für den Anschluß Deutschösterreichs und das Selbstbestimmungsrecht der anderen angrenzenden deutschen Gebiete des ehem. Oesterreich-Ungarn.

1923 erschien in Graz in Großauflage ein Karton mit der Aufschrift Heim ins Reich! Friedensverträge sind nur Menschenwerk! Das in der Steiermärkischen Landesdruckerei produzierte Druckwerk liegt in der Österreichischen Nationalbibliothek auf.

Der „Oesterreichisch-Deutsche Volksbund in Berlin“ besaß seit 1924 einen Heim ins Reich-Verlag, der bis Herbst 1933 eine monatliche Zeitschrift unter diesem Motto herausbrachte, in der die Vereinigung Österreichs mit Deutschland propagiert wurde.[2]

1925 fand in Wien eine Anschlusskundgebung der NSDAP unter diesem Titel statt, woran ein in der Österreichischen Nationalbibliothek archiviertes Plakat erinnert.[3]

Die Worte kommen beispielsweise in einem Brief der Saarbrücker Bekenntnissynode vom 17. April 1934 vor, der an Hitler gerichtet war.[4] Auch wurde die Parole im Vorfeld der Saarabstimmung am 13. Januar 1935 verwendet.[5] Ähnliche Schlagwörter im Abstimmungskampf waren „Deutsche Mutter, heim zu dir“ und „Nix wie hemm“.[6]

Die Parole wurde zum geflügelten Wort und beschränkte sich nicht auf die Bestrebungen, Österreich und das Sudetenland dem Deutschen Reich anzugliedern, wie es 1938 mit dem „Münchner Abkommen“ und dem „Anschluss“ Österreichs geschah.

Umsiedlungen[Bearbeiten]

Das Schlagwort wurde ebenfalls für die Bemühungen genutzt, ein Großdeutsches Reich zu errichten und dafür deutsche Siedler und Aussiedler wie die Deutsch-Balten zurück in die Grenzen des Reichs zu führen. Konkret wurde dieses Vorhaben spätestens unter dem Einfluss des Hitler-Stalin-Pakts ab 1939. Die praktische Durchführung lag bei der Volksdeutschen Mittelstelle (VoMi), einer SS-Organisation, die fast ausschließlich von baltendeutschen Umsiedlern geführt wurde. Zwischen 1939 und 1940 war die Organisation der Ansiedlung von Volksdeutschen unter der Losung Heim ins Reich Hauptaufgabe dieses Hauptamtes. Die VoMi siedelte bis 1940 rund eine Million Volksdeutsche vor allem in den annektierten Gebieten an – in den Reichsgauen Wartheland (Posen) und Danzig-Westpreußen (Danzig).

Die Umsiedlungen betrafen unter anderem die Bevölkerungsgruppen der Südtiroler aus Italien, Baltendeutsche aus Estland und Lettland, Wolhyniendeutsche aus dem früheren Ostpolen und ab 1940 Bessarabiendeutsche, Bukowinadeutsche, Dobrudschadeutsche, Galiziendeutsche und Gottscheer. Einige dieser Volksgruppen bewohnten – zum Teil jahrhundertelang – Gebiete in Osteuropa, die gemäß dem Pakt an die Sowjetunion fallen sollten. Die Umgesiedelten erhielten als Entschädigung enteignetes Land im von Deutschland besetzten Polen, im Protektorat Böhmen und Mähren oder im CdZ-Gebiet Untersteiermark, das als künftiger „Lebensraum im Osten“ für das deutsche Volk dienen sollte.

Für Umsiedlungen nach dem Motto heim ins Reich machte der 1941 produzierte, nach 1945 verbotene Propagandafilm Heimkehr von Gustav Ucicky mit Paula Wessely Stimmung.

Luxemburg[Bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkrieges versuchte die Volksdeutsche Bewegung in Luxemburg, unter diesem Motto den Anschluss Luxemburgs an das Deutsche Reich zu erreichen, da man von der Zugehörigkeit der Luxemburger zur „germanischen Rasse“ (Volksdeutsche) überzeugt war. Dies wurde aber von einem Großteil der Bevölkerung strikt abgelehnt und führte zu schweren Sanktionen und Unterdrückung seitens der Besatzer, die nun eine „freiwillige“ Eingliederung in das Reich erzwingen wollten.

Der Dokumentarfilm „Heim ins Reich“ (Regie: Claude Lahr) aus dem Jahr 2004, der dieses Thema aufgreift, zählt zu den erfolgreichsten luxemburgischen Filmproduktionen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Lars Bosse: Volksdeutsche Umsiedler im „Reichgau Wartheland“, Magisterarbeit Christian-Albrechts-Universität, Kiel 1992.
  • Günther Pallaver/Leopold Steurer (Hrsg.): Deutsche! Hitler verkauft Euch! Das Erbe von Option und Weltkrieg in Südtirol, Bozen 2011.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wolfgang Benz u. a. (Hrsg.): Enzyklopädie des Nationalsozialismus. dtv 33007 München 1997, ISBN 3-608-91805-1, S. 505.
  2. profilm / Jahr 1924 (Abruf 24. August 2010)
  3. Heim ins Reich! Anschluß-Kundgebung, Dienstag, 28. April 1925 abends in Kells Saal "Zum Auge Gottes", Erste Wiener Vereinsbuchdruckerei, Wien 1925, in: Bildarchiv und Graphiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien
  4. Joachim Conrad: NOLD, Hubert Leopold Christian. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 24, Bautz, Nordhausen 2005, ISBN 3-88309-247-9, Sp. 1132–1138.
  5. Hans-Jürgen John: Vor 65 Jahren: „Nix wie hemm.“ In: Saarbrücker Zeitung vom 13. Januar 2000.
  6. Im nationalistischen Taumel. In: Saarbrücker Zeitung vom 24. April 2004.