Heimarbeit

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Zwei Mädchen binden Blumen aus Papier in Heimarbeit, New York (1924)

Unselbstständige Heimarbeit ist eine Form der Lohnarbeit (bzw. der nicht selbstständigen Erwerbsarbeit), bei der der Arbeitsplatz entweder in der eigenen Wohnung oder in selbst gewählter Arbeitsstätte der Beschäftigten liegt, während der Arbeitgeber die Produktionsmittel zur Verfügung stellt und das Eigentum an dem hergestellten Produkt erwirbt. Die Heimarbeitsentgelte werden in der Regel durch (rote) „Bindende Festsetzungen“ als Mindestentgelte je Stunde oder je bearbeitetes Stück, in Ausnahmefällen auch durch Spezial-Tarifverträge, bestimmt. Staatliche Entgeltprüfer (Gewerbeaufsichtsämter – Staatliche Ämter für Arbeitsschutz) überwachen die Einhaltung der Mindestarbeitsbedingungen.

Im Gegensatz zu Arbeitnehmern unterliegt der Heimarbeiter nicht dem Direktionsrecht des Auftraggebers und ist auch nicht in dessen Betrieb eingegliedert. Gleichwohl ist seine Arbeit prinzipiell nach gleichen Grundsätzen wie bei Arbeitnehmern in der Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen-, Renten- und Unfallversicherung sozialversicherungspflichtig.

Selbstständige Heimarbeit ist in Abgrenzung dazu unabhängig von einem Arbeitgeber. Diese kann ein Kunde in Auftrag geben. Wenn Heimarbeit ohne feste Bestellung oder bestimmten Auftrag auf eigene Rechnung ausgeführt wird, spricht man von Hausgewerbetreibenden. Diese bieten ihre Produkte oder Dienstleistung entweder selber oder über Verkaufsorganisationen (im Network-Marketing) an.

Bei der Teleheimarbeit verrichten Arbeitnehmer Telearbeit in der eigenen Wohnung, meist unterstützt durch Kommunikationsmittel wie Internet, Fax, Telefon oder Videotelefonie.

Heimarbeitsgesetz[Bearbeiten]

Die Heimarbeit wurde in Deutschland erstmals durch das Hausarbeitsgesetz vom 20. Dezember 1911 eingehender geregelt; es folgte in den 1920ern die Regelung der Mindestlöhne und die Einbeziehung von Heimarbeiterinnen in die Sozialversicherung („Lex Behm" genannt, nach Margarete Behm), das Heimarbeitsgesetz vom 30. Oktober 1939 und nach Kriegsende das Heimarbeitsgesetz vom 14. März 1951 (HAG). Heutzutage hat sich jedoch der Begriff Heimarbeit stark gewandelt, da durch das Internet neue Möglichkeiten entstanden. In der Schweiz wurde das Heimarbeitsgesetz von 1981 bereits am 1. Januar 2009 entsprechend den neuen Medien und der Online-Technologie angepasst.[1]

Das Heimarbeitsgesetz schützt die Menschen, die eine Heimarbeit ausüben, indem sie Stück- bzw. Stundenentgelte und Sonderzahlungen regelt. Das Gesetz regelt auch eine soziale Absicherung, welche bei Krankheit, Kurzarbeit, Kündigung und Insolvenz in Kraft tritt. Zudem schreibt es Mindestlöhne vor, die streng eingehalten werden müssen. Die Heimarbeiter werden in der Regel nicht nach Zeit, sondern nach gefertigten Stücken bezahlt. Nach dem Heimarbeitsgesetz müssen Heimarbeiter die in Heimarbeit hergestellten Produkte nicht selbst verkaufen. Firmen, die sich nicht an das Heimarbeitsgesetz halten, kann die Ausgabe von Heimarbeit verboten werden.

Heimarbeiter müssen ihre Heimarbeit bei einem Gewerbeamt angeben. Des Weiteren muss auch angegeben werden, welche Personen sie beschäftigen. Dies wird von der Arbeitsschutz- und der Gewerbeaufsicht überwacht. Das Heimarbeitsgesetz gilt vor allem für Heimarbeiter, Hausgewerbetreibende und Zwischenmeister.

Im Jahr 2008 erreichte die Zahl der Heimarbeiter in Deutschland etwa 4,7 Millionen; in den Jahren darauf - 2009 und 2010 waren durch eine Wirtschaftskrise gekennzeichnet - sank sie.[2]

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bundesgesetz über die Heimarbeit (Heimarbeitsgesetz [HArG]). (Schweiz)
  2. spiegel.de 20. Februar 2014: Interview mit Karl Brenke, Arbeitsmarkt- und Konjunkturexperte beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)

Weblinks[Bearbeiten]