Heimat (Filmreihe)

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Heimat ist der Titel einer Film-Tetralogie von Regisseur und Autor Edgar Reitz. Hauptort des Geschehens ist die fiktive Gemeinde Schabbach im Hunsrück, die von der Gemeinde Woppenroth dargestellt wurde.

Die Filme[Bearbeiten]

Die einzelnen Teile der Trilogie wurden im Zuge der DVD-Veröffentlichung Heimat 1, Heimat 2 und Heimat 3 genannt.

  • 2012 drehte Edgar Reitz unter dem Titel Die andere Heimat einen mit der Heimat-Trilogie verwandten Film, der die Auswanderung vieler Hunsrücker nach Brasilien Mitte des 19. Jahrhunderts thematisiert. Die Geschichte dreht sich wieder um die Familie Simon, aber im Jahr 1840. Mittelpunkt ist erneut die Simon-Schmiede aus den ersten drei Heimat-Staffeln. Das Dorf Gehlweiler wurde als Hauptdrehort mit aufwendigen Kulissen ins 19. Jahrhundert zurückversetzt.[1] Das Drehbuch schrieb Reitz gemeinsam mit Gert Heidenreich.[2] Die Produktion des Kinofilms wird unter anderem durch die Kooperation mit der ARD-Tochtergesellschaft Degeto und dem Sender arte ermöglicht.[3] Welturaufführung war bei den Filmfestspielen von Venedig am 29. August 2013[4], die Deutschlandpremiere fand am 28. September 2013 mit zwei gleichzeitig stattfindenden Aufführungen in Simmern im Hunsrück statt.[5] Kinostart war der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2013,.

Hintergründe[Bearbeiten]

Die Begebenheiten der Filme sind zu einem großen Teil authentischer Natur. Reitz und sein Co-Autor Peter Steinbach trugen sie aus alten Tageszeitungen, eigenen Erinnerungen und den Erzählungen der Dorfbewohner zusammen und verknüpften sie so zu einem fiktiven Gesamtwerk, das auch (semi-)dokumentarische Züge aufweist.

Heimat ist gleichzeitig eine Chronik deutscher Geschichte. „Der Film berichtet vom Weg in den Faschismus, von der Nazizeit, vom Wiederaufbau und vom Wirtschaftswunder mit seinen Spätfolgen. Es ist ein Film über Liebe und Tod, über Erinnern und Vergessen. Heimat ist die Geschichte von denen, die immer Verlierer bleiben, und von den anderen, die – wie die Katz oder Lucie - immer wieder auf die Füße fallen.“[6]

Karsten Witte, Kritiker der Zeit schrieb dazu: „Heimat übersetzt die große deutsche Geschichte in eine Dimension, in der sie der Größe entkleidet wird, nämlich die der kleinen Leute, die ihr Leben in Würde auch ohne Größe führen. Reitz lenkt seinen Film durch den Wärmestrom der Geschichte: ein seltener Glücksfall!“[7]

Anders als im Heimatfilm-Genre der Nachkriegsjahre wird der Begriff Heimat bei Edgar Reitz nicht verklärt, sondern kommt realistisch daher. Stilistisch besonders auffällig ist zum einen der Wechsel zwischen Schwarz-Weiß- und Farbfilmmaterial, über den nach Ausstrahlung der Filme gediegen philosophiert wurde, während Edgar Reitz und sein Kameramann Gernot Roll nicht häufig genug beteuern konnten, dass sie dabei keiner ausgeklügelten Theorie gefolgt seien, sondern die Materialauswahl oft spontan getroffen hätten. Ein wesentliches Kriterium dabei sei die Vorstellung gewesen, dass in unserer Erinnerung der Vergangenheit Farbeindrücke nur bei bestimmten Motiven eine Rolle spielten. Des Weiteren fand die Präzision und Bedächtigkeit des Reitzschen Erzählrhythmus viel Lob bei Zuschauern und Kritikern. Heimat fand – ebenso wie Die Zweite Heimat – auch international große Beachtung.

Literatur[Bearbeiten]

  • Marion Dollner: Sehnsucht nach Selbstentbindung. Die unendliche Odyssee des mobilgemachten Helden Paul im Film „Heimat“. Mit einem Interview mit Edgar Reitz. Röhrig, St. Ingbert 2005, ISBN 978-3-86110-384-4 (= Mannheimer Studien zur Literatur- und Kulturwissenschaft, Band 35, zugleich Dissertation an der Universität Mannheim).
  • Hans Kobialka: Woppenroth – ein Grenzort mitten in der Welt. Ortsgemeinde, Woppenroth 1994, S. 445–466 (ohne ISBN - zu Heimat 1).
  • Rachel Palfreyman: Edgar Reitz’s „Heimat“: Histories, Traditions, Fictions, Lang, Oxford / Bern / Berlin / Bruxelles / Frankfurt am Main / New York, NY / Wien 2000, ISBN 978-3-906765-87-7 (= Britische und irische Studien zur deutschen Sprache und Literatur, Band 21, englisch).
  • Edgar Reitz, Petra Kiener: Die Heimat-Trilogie. Rolf Heyne Collection, München 2004, ISBN 978-3-89910-240-6.
  • Edgar Reitz: Heimat 3, Chronik einer Zeitenwende, Erzählung nach dem sechsteiligen Film Heimat 3, Knaus, München 2004, ISBN 978-3-8135-0248-0.
  • Edgar Reitz; Michael Töteberg (Hrsg): Drehort Heimat, Arbeitsnotizen und Zukunftsentwürfe. Verlag der Autoren, Frankfurt am Main 2004; ISBN 978-3-88661-272-7.
  • Edgar Reitz, Peter Steinbach: Heimat. Eine deutsche Chronik. Dreh- und Lesebuch mit allen 658 Szenen. Greno, Nördlingen 1988, ISBN 3-89190-899-7.
  • Edgar Reitz: Heimat. Eine Chronik in Bildern, Bucher, München 1985, ISBN 3-76580-487-8.
  • Edgar Reitz: Heimat – Die Zweite Heimat. Eine Dokumentation der Heimat-Projekte 1995 und 1997, Literaturbüro, Mainz 1997, ISBN 3-93055-939-0.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. SWR-Bericht über die Dreharbeiten incl. Interview mit Edgar Reitz
  2. Historisches Dorf für neuen „Heimat“-Film; Rheinzeitung, Ausgabe vom 31. Dezember 2011
  3. Eckhard Fuhr: Unser Dorf soll älter werden, Die Welt, 13. April 2012
  4. Homepage der Biennale 2013, mit Hinweis auf „Die andere Heimat“
  5. Eintrag auf der Facebbookseite von Heimat-Fanpage.de vom 20. Juni 2013
  6. Quelle unbekannt; unter dem per Internet Archive noch zugänglichen, mittlerweile ungültigen URL Heimat - Eine Chronik in Bildern und elf Teilen 5 VHS im Paket (Version vom 5. April 2007 im Internet Archive) findet sich das Zitat jedenfalls nicht.
  7. Karsten Witte: Europäisches Film fest in München: Niemand sucht nach der verlorenen Heimat; in: Die Zeit, Ausgabe 29/1984 vom 13. Juli 1984.