Heimat – Eine deutsche Chronik

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Filmdaten
Originaltitel Heimat – Eine deutsche Chronik
Produktionsland Bundesrepublik Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1984
Länge 924 Minuten
Altersfreigabe FSK ab 6
Stab
Regie Edgar Reitz
Drehbuch Edgar Reitz, Peter Steinbach
Produktion Hans Kwiet, Edgar Reitz, Joachim von Mengershausen
Musik Nicos Mamangakis
Kamera Gernot Roll
Schnitt Heidi Handorf
Besetzung

Heimat – Eine deutsche Chronik wurde 1981/1982 gedreht und ist der erste Teil der Heimat-Trilogie des Regisseurs Edgar Reitz. Er besteht aus elf Teilen in unterschiedlicher Länge zwischen 58 und 138 Minuten. Der Film erzählt die Geschichte der Maria Simon, geb. Wiegand, und ihrer bäuerlichen Familie aus Schabbach. Sie wird vom 19. Lebensjahr (1919) bis zum 82. Lebensjahr (1982) begleitet. Sie heiratet Paul Simon, bringt drei Kinder zur Welt, wird von ihrem Mann verlassen. Eingebettet in das dörfliche Leben verknüpfen und lösen sich die Lebenswege der Wiegands, Simons und Schirmers in chronologischer Folge.

Handlung[Bearbeiten]

Teil 1: Fernweh (1919−1928)[Bearbeiten]

Drehort in Gehlweiler für die Schmiede von Mathias Simon
Drehort in Gehlweiler für Haus und Schmiede der Familie Simon

Der Teil beginnt im Jahr 1919 mit der Heimkehr von Paul Simon aus dem Ersten Weltkrieg. Er tritt in die Welt der heimatlichen Schmiede um seinen Vater Mathias, der Mutter Katharina, dem kränklichen Bruder Eduard und der Schwester Pauline. Die Familie zeigt sich trotz des verlorenen Krieges vom Kriegsgeschehen unberührt. Im Gedenken an die zahlreichen Gefallenen des Ortes wird ein Kriegerdenkmal eingeweiht. Der Kriegsheimkehrer Paul geht in der neuen Radiotechnik auf und bringt seinem Heimatort Schabbach einen Zugang zur weiten Welt.

Im Laufe des Jahres 1922 verliebt sich Paul in Apollonia, die von einem französischen Besatzungssoldaten ein Kind erwartet. Da Apollonia im Dorf nicht gut gelitten ist, sie wird als Zigeunerin bezeichnet und bezichtigt, ihr Kind in einer Jauchegrube getötet zu haben, zieht sie nach Koblenz und will den Vater des Kindes heiraten. Trotz seiner unglücklichen Liebe zu Apollonia heiratet Paul schließlich Maria, die Tochter von Bürgermeister Alois Wiegand und bekommt mit ihr die Kinder Anton und Ernst.

Im Jahr 1923 werden Pauline und Eduard Zeuge, wie ein separatistischer Jude von Umherziehenden angegriffen und seine Wohnung mit Steinen beworfen wird. Als Pauls Bruder Eduard 1927 Geologen am örtlichen Goldbach arbeiten sieht, wähnt er, eine Goldquelle entdeckt zu haben und beginnt mit Freunden intensiv zu schürfen. Der anfängliche Verdacht legt sich aber sehr bald, als die Beute als Kupferoxid enttarnt wird. Paul, der inzwischen als Waldarbeiter tätig ist, entdeckt bei der täglichen Arbeit eine nackte Frauenleiche. Die Arbeit der Kriminalpolizei trägt jedoch keine Früchte und ein Täter kann nicht ermittelt werden.

Eines Tages geht Paul unter dem Vorwand aus dem Haus, ein Bier trinken zu gehen. Tatsächlich aber verlässt er Schabbach und seine Familie für unabsehbare Zeit. Maria sucht ihren Mann im ganzen Dorf vergeblich und bleibt ratlos und verzweifelt zurück.

Teil 2: Die Mitte der Welt (1928−1933)[Bearbeiten]

Paul kommt in den Vereinigten Staaten an und landet auf Ellis Island. Dort wird er von einem Weltkriegsveteranen auf seine Flucht aus der Heimat angesprochen.

Eduard Simon fährt zur Kurierung seiner Lungenkrankheit nach Berlin zu Professor Sauerbruch, der ihn operiert. Eduards Aufenthalt fällt mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten zusammen und so wird Zeuge von deren Fackelumzügen durch die Reichshauptstadt. Bei einem nächtlichen Spaziergang durch die Stadt lernt er die Prostituierte Lucie kennen, die er heiratet und mit nach Schabbach nimmt.

Zuhause angekommen stellt Eduard Lucie seiner Familie vor. Er erklärt, dass Lucie aus feinsten Berliner Kreisen stamme. Lucies Ehrgeiz stiftet Eduard dazu an, der SA beizutreten.

Die Mutter Katharina reist zum Geburtstag ihres Bruders, der ebenso wie der "Führer" am 20. April feiert, nach Bochum. Bei ihrer Verwandtschaft wird sie Zeugin, wie ihr Neffe Fritz, ein bekennender, aber inzwischen gemäßigter Kommunist, von der Schutzpolizei abgeführt und in ein Konzentrationslager gebracht wird.

Zuhause in Schabbach ist von der politischen Unordnung nichts zu spüren. Die Familie lebt ihren neugewonnen Reichtum aus und interessiert sich nicht für die Schattenseiten. Angesichts dieses Reichtums kritisiert Katharina das Gebaren in der neuen Zeit, in der alles „auf Pump“ gekauft sei.

Teil 3: Weihnacht wie noch nie (1935)[Bearbeiten]

Eduards Eintritt in die Partei zahlt sich aus. Er wird Amtsbürgermeister im größeren Nachbardorf Rhaunen und lässt auf Lucies Drängen hin eine repräsentative Villa errichten. Lucie ist selig. Sie hat jetzt ganz große Hoffnung auf einen gesellschaftlichen Höhenflug.

Der auf einem Auge blinde Hans, Sohn eines Sozialisten aus dem Dorf, entdeckt bei einem seiner Streifzüge ein Arbeitslager in der Nähe von Schabbach und wird dort von einem Wachsoldaten in das Schießen mit Kimme und Korn eingewiesen, zu dem er als Einäugiger besonders befähigt scheint. Als Hans seine neuen Fähigkeiten mit einem Luftgewehr an den neuerdings errichteten Telefonmasten ausprobiert, wird er von einem Polizisten aufgegriffen und zum Bürgermeister Eduard Simon geführt. Eduard lässt jedoch Gnade walten und ermutigt ihn, sein Talent weiter zu entwickeln.

Maria Simons Bruder Wilfried Wiegand kehrt zu Weihnachten 1935 von seiner SS-Ausbildung aus Berlin zurück und hinterlässt bleibenden Eindruck bei Lucie. Mit ihr zusammen organisiert er am Vorabend der Remilitarisierung des Rheinlandes ein Treffen in der Villa mit den NSDAP-Parteifunktionären Alfred Rosenberg, Robert Ley und Wilhelm Frick. Die drei Nazigrößen bleiben aber nur kurz, so dass Lucie kaum Gelengenheit hat, sich als Gastgeberin ins Rampenlicht zu stellen und enttäuscht zurückbleibt.

Teil 4: Reichshöhenstraße (1938)[Bearbeiten]

Der Hunsrück bekommt eine Fernstraße, die Reichshöhenstraße. Mehrere tausend Straßenbauarbeiter der Organisation Todt kommen dafür in den Hunsrück und werden in den Dörfern einquartiert. Bei den Simons in Schabbach kommt der fränkische Bauleiter Otto Wohlleben unter, der sich schon bald mit Marias Söhnen Anton und Ernst anfreundet. Auch Maria und er kommen sich allmählich näher, erst recht als Otto nach einem Unfall einen Gips erhält und Marias Hilfe braucht. Bei einem Tanzabend im Schabbacher Saal sind die beiden untzertrennlich. Maria ist noch zurückhaltend, weil sie beim Reinigen von Ottos Kammer das Foto einer Frau entdeckt hat. Beim Tanzabend stellt sich aber heraus, dass es sich um Ottos Cousine handelt, zu der er gleichwohl ein inniges Verhältnis zu haben scheint. Dennoch steht der Liebe zwischen Maria und Otto jetzt kaum noch etwas im Wege.

Zur selben Zeit bekommt Lucie Besuch: Martina möchte ihre Bordellchefin aus Berliner Zeiten wiedersehen und quartiert sich eine Zeitlang in Lucies und Eduards Villa ein. Eduard freut sich über die Erinnerung an die Berliner Zeit. Lucie hingegen möchte von ihrer Vergangenheit nicht mehr allzu viel wissen, so dass Martinas Besuch eine gewisse Spannung erzeugt. Obendrein kann Lucie Eduards Lethargie kaum noch ertragen.

Teil 5: Auf und davon und zurück (1938–1939)[Bearbeiten]

Die Reichshöhenstraße ist fertig und führt nicht mehr von Dorf zu Dorf zu Dorf, sondern von Bunker zu Bunker zu Bunker, wie die Schabbacher feststellen. Lucie holt ihre Eltern von Berlin in den Hunsrück, aber auf der Reichshöhenstraße verunglückt sie mit ihrem Auto. Ihre Eltern kommen ums Leben und Lucie behält für immer eine hässliche Narbe quer durchs Gesicht zurück.

Währenddessen erlebt Maria mit Otto eine glückliche Zeit. Auch Robert und Pauline geht es immer besser. Robert glaubt fest an eine gute Zukunft und hat sich hundert Flaschen Wein vom 38er Jahrgang, einem „Jahrhundertjahrgang“, in den Keller gelegt. In diesem Moment kommt ein Brief von Paul in Schabbach an – das erste Lebenszeichen nach mehr als zehn Jahren. Paul lebt in Amerika und hat in Detroit eine Elektronik-Firma gegründet. Jetzt will er Schabbach wiedersehen und kündigt seinen Besuch an.

Maria ist völlig verwirrt. Paul ist ihr fremd geworden, trotzdem fühlt sie sich ihrem Ehemann verpflichtet und bereitet zuhause alles für seine Wiederkehr vor. Fast besinnungslos trennt sie sich am Ende sogar von Otto, ohne zu wissen, dass sie bereits ein Kind von ihm erwartet. Kurz darauf, Ende August 1939, fährt sie mit Anton nach Hamburg, um Paul am Hafen zu empfangen. Paul darf aber noch nicht vom Schiff. Er benötigt innerhalb weniger Tage einen Ariernachweis, der aber nicht so schnell zu erbringen ist. Als am 1. September der Krieg beginnt, verlässt das Schiff mit Paul an Bord den Hamburger Hafen Richtung Amerika. Maria bleibt mit Anton in Hamburg zurück, völlig konsterniert und mit dem Gefühl, alles falsch gemacht zu haben.

Teil 6: Heimatfront (1943)[Bearbeiten]

Alle kriegstauglichen Männer aus Schabbach sind eingezogen. Daheim sind nur die Alten und die Parteifunktionäre geblieben. Zu ihnen gehört Marias Bruder Wilfried Wiegand, der inzwischen Ortsbauernführer ist. Er hat die Aufsicht über mehrere französische Kriegsgefangene, die auf den Höfen bei der Feldarbeit helfen müssen. Als nahe Schabbach ein britischer Bomber abstürzt, sucht Wilfried im Wald nach dem Piloten, der schwer verletzt überlebt hat und Wilfried um Hilfe bittet. Wilfried jedoch erschießt den Soldaten kaltblütig und erzählt später, er habe ihn auf der Flucht erschießen müssen.

Maria arbeitet inzwischen für die Reichspost. Mit dem Dienstauto holt sie Martha, die Braut von Anton, der in Russland ist, vom Bahnhof ab. Martha kommt aus Hamburg und ist hochschwanger. In Schabbach wird sie mit Anton in einer telefonischen Ferntrauung vermählt.

Zu dieser Zeit hat Maria weder von Paul noch von Otto wieder etwas gehört. „Hermännchen“, ihr uneheliches Kind von Otto, ist drei Jahre alt. Otto hat sich währenddessen zum Sprengkommando versetzen lassen, um Blindgänger zu entschärfen. Als er zu einem Einsatz in der Eifel in die Luftwaffenausbildungsstelle kommt, erfährt er von Ernst, der dort stationiert ist, dass er mit Maria einen Sohn hat.

Teil 7: Die Liebe der Soldaten (1944)[Bearbeiten]

An der Ostfront lernt Anton, wie Kriegspropaganda funktioniert. Er ist Kameraassistent bei der Deutschen Wochenschau, und je verzweifelter die Kriegslage wird, um so mehr erwartet die Heeresleitung von der Propagandakompanie heroische Bilder, anstatt mit der Kamera die Kriegswirklichkeit einzufangen. In einem Geheimeinsatz wird Anton Augenzeuge, wie die Wehrmacht mehrere Partisanen im Wald erschießt, während sein Team den Vorgang für die Geheimregistratur filmen muss.

Daheim hat Otto Wohlleben die Möglichkeit bekommen, bei der Fahrt zu einem Einsatz in Schabbach vorbeizukommen. Er möchte Maria wiedersehen und seinen Sohn Hermann kennenlernen. Nach anfänglicher Vorsicht sind sich Otto und Maria schon bald wieder so vertraut wie vor dem Krieg und verbringen die Nacht innig und mit langen Gesprächen, während draußen die feindlichen Bomberverbände über das Dorf fliegen. Am nächsten Morgen fährt Otto zu seinem nächsten Einsatz weiter. Er muss einen Blindgänger auf einem Bahngelände entschärfen. Aber diesmal explodiert die Bombe und tötet Otto auf der Stelle. In dieser Zeit stirbt auch Mathias Simon, nachdem er lange Zeit nur noch krank im Bett gelegen hat.

Wenig später marschieren amerikanische Soldaten in die Region ein. Sie beschlagnahmen die Villa von Lucie und Eduard. Lucie wittert aber schnell die Möglichkeit, nun vielleicht mit Hilfe der Amerikaner eine neue Chance für den gesellschaftlichen Aufstieg zu bekommen.

Teil 8: Der Amerikaner (1945−1947)[Bearbeiten]

Schon kurz nach Kriegsende ist Schabbach in den neuen Verhältnissen angekommen. Die Amerikaner gehören im Hunsrück zum Alltag. Im Mai 1946 kommt schließlich auch Paul Simon zum ersten mal seit seinem Weggang nach Schabbach zurück, in dicker Limousine und mit schwarzem Chauffeur. Ganz Schabbach ist in Aufregung, die ganze Familie schart sich um den Amerikaner, der den Trubel sichtlich genießt. Nur Maria bleibt auf Distanz. Als Paul den Schabbachern großspurig ein Wiedersehensfest spendiert und nach der Feier zu Maria ins Schlafzimmer möchte, weist sie ihn von sich. Nach fast 20 Jahren sind sich beide fremd geworden. Bei anderer Gelegenheit versucht Maria von Paul zu erfahren, warum er damals so wortlos verschwunden ist. Sie bekommt aber keine Antwort, weil Paul es selber nicht weiß.

Währenddessen haben Marias Söhne Ernst und Anton den Krieg überlebt. Ernst schlägt sich mit illegalen Geschäften durchs Land, vermeidet dabei aber, nach Schabbach zu kommen, obwohl er sogar ganz in der Nähe ist. Anton dagegen kommt 1947 nach Hause. Er ist der sowjetischen Gefangenschaft entkommen und mehr als 5.000 Kilometer zu Fuß gelaufen. Während seines langen Marsches hat er schon sehr genau seine Zukunft geplant.

Kurz nachdem Anton in Schabbach angekommen ist, stirbt Katharina Simon. Paul kehrt allerdings noch vor der Beerdigung seiner Mutter nach Amerika zurück, weil seine Aufenthaltsgenehmigung abgelaufen ist. Maria ist damit im Frieden. Sie gibt Paul zu erkennen, dass sie mit diesem „richtigen“ Abschied besser leben kann als mit Pauls plötzlichem Verschwinden 1928.

Teil 9: Hermännchen (1955−1956)[Bearbeiten]

Das Wirtschaftswunder hat die Schabbacher erreicht. Anton hat auf der Grundlage vieler Patente, die er nach Kriegsende auf dem langen Fußmarsch von Russland nach Hause entwickelt hat, eine optische Fabrik gegründet. Auch Ernst führt, gefördert durch die Heirat mit der Tochter eines vermögenden Holzhändlers, ein eigenes Unternehmen in der holzverarbeitenden Industrie.

Hermann dagegen drückt noch die Schulbank, umsorgt von seiner Mutter Maria, deren ganzer Stolz das „Hermännche“ ist. Er soll eines Tages studieren und entwickelt dabei vor allem musische Talente. Auf seiner Gitarre spielt er selbst komponierte und verfasste Lieder. Nach und nach verliebt er sich in das elf Jahre ältere Klärchen. Sie lebt seit Kriegsende bei den Simons und kam ursprünglich aus dem zerstörten Ruhrgebiet in den Hunsrück. Jetzt arbeitet sie in Antons Optik-Firma.

Zwischen Hermann und ihr entsteht eine leidenschaftliche Romanze, von der aber niemand etwas erfahren darf. Bis Klärchen eines Tages von Hermann schwanger wird und das Kind abtreiben lässt. Die Sache fliegt auf und erschüttert das Familienleben. Maria ist schwer getroffen. Hermanns Bruder Anton droht damit, Klärchens Leben zu zerstören, wenn sie nicht aus Hermanns Leben verschwindet. Beide sehen sich daraufhin nur noch einmal. Schließlich verlässt Klärchen den Hunsrück, und Hermann, in Trauer um die zerstörte Liebe und im Hass auf seine Familie, beschließt, Schabbach für immer zu verlassen, sobald er alt genug ist.

Teil 10: Die stolzen Jahre (1967–1969)[Bearbeiten]

Anton ist zunehmend erfolgreich und zieht mit seiner optischen Fabrik das Interesse eines ausländischen Konzerns auf sich. Bei einem Besuch in Schabbach bieten ihm zwei Konzernmanager 60 Millionen Mark für sein Unternehmen und für sämtliche Patente. Anton weicht erschrocken zurück und will das Angebot überdenken. Gemeinsam mit seiner Frau Martha beschließt er, mit seinem Vater in Amerika darüber zu sprechen.

Anton erfährt auf diesem Weg, dass sein Vater Paul gerade in Baden-Baden ist. Dort unterstützt Paul seinen Stiefsohn Hermann, der inzwischen ein bekannter Komponist ist und beim Südwestfunk die Aufführung einer elektronischen Klangsinfonie vorbereitet. Paul rät Anton, seine Fabrik zu verkaufen, so wie er, Paul, das inzwischen auch getan hat. Anton fühlt sich von seinem Vater unverstanden und reist wieder ab. Er hängt an seinem Lebenswerk und beschließt, das Angebot auszuschlagen. In der Zwischenzeit haben sich unter seinen Beschäftigten Gerüchte und Unruhe breitgemacht, aber Anton kann die Belegschaft mit seinem Entschluss beruhigen. Mit seiner Haltung entfremdet sich Anton zunehmend von seinem Bruder Ernst, der nichts auf Tradition gibt und in der Gegend die Einrichtungen alter Bauernhöfe aufkauft, um sie an Kneipen zu verscherbeln, während er den Hausbesitzern moderne Fassaden anpreist.

Inzwischen nähert sich die Aufführung von Hermanns Sinfonie im Radio. Die Dorfbewohner versammeln sich zum Hören im Dorfkrug, sind anschließend aber verstört und irritiert von den modernen, rätselhaften Klängen, mit denen sie nichts anfangen können. Auch Maria ist enttäuscht, dass Hermännchen ihr so fremd geworden ist. Lediglich Glasisch-Karl, das Dorf-Original und Cousin von Maria, findet Gefallen an der Musik.

Teil 11: Das Fest der Lebenden und der Toten (1982)[Bearbeiten]

Maria Simon stirbt mit 82 Jahren. Sie war immer so alt wie das Jahrhundert und nun machen sich alle auf zu ihrer Beerdigung. Auch ihr Ehemann Paul findet den Weg nach Schabbach. Lediglich Hermann verspätet sich, weil er erst spät vom Tod seiner Mutter erfahren hat. Er und sein Stiefvater Paul spüren in den Tagen nach dem Tod, wie sehr sie Maria nun doch vermissen.

Die Trauerfeier im Dorfsaal entwickelt sich zu einem dörflichen Leichenschmaus, auf dem sich die Trauergäste an Begebenheiten erinnern, die sie mit Maria erlebt haben. Als Mitarbeiter von Ernsts Firma während der Trauerfeier bereits die Einrichtung im Simon-Haus begutachten, erfährt Anton davon und stellt Ernst zur Rede. In Rage geraten, vernagelt Anton sein Elternhaus mit Brettern.

Gleichzeitig befindet sich Anton mit seiner Optik-Fabrik in Schwierigkeiten und hofft auf Subventionen aus Bonn. Die Ungewissheit versetzt ihn aber zunehmend in Stress. Bei der Dorfkirmes, die kurz darauf beginnt, erleidet Anton einen Hörsturz.

Auf der Kirmes kommt die gesamte Familie noch einmal zusammen. Plötzlich ist der leere Dorfsaal verriegelt, und von innen strahlt es hell nach draußen. Für die Dorfbewohner nicht sichtbar, versammeln sich die verstorbenen Schabbacher im Saal zu ihrem eigenen Fest, dessen Höhepunkt die Ankunft von Maria ist.

Hermann, den die Rückkehr nach Schabbach und die Erinnerungen an seine eigenen Wurzeln nicht unbeeindruckt gelassen haben, komponiert schließlich einige Chorgesänge mit typischen Begriffen aus dem Hunsrücker Platt. In den Schieferhöhlen, die sich bei Schabbach befinden, lässt er einen Hunsrücker Chor sein neuestes Werk aufführen.

Hintergründe[Bearbeiten]

Heimat Stein in Woppenroth

Edgar Reitz entwickelte die Geschichte der Familie Simon aus einer künstlerischen Krise heraus. Als 1978 sein Film „Der Schneider von Ulm“ floppte und ihn auch wirtschaftlich fast ruinierte, zog sich Reitz nach Sylt zurück, wo er einige Zeit in einem Ferienhaus von Freunden unterkam. Dort dachte er lange über seine Herkunft und seinen Werdegang nach. Aus dieser Reflexion heraus entstand ein erstes Skript.

1979/80 zog sich Reitz schließlich in den Hunsrück zurück, um gemeinsam mit Peter Steinbach an dem Drehbuch zu arbeiten. Beide mieteten ein Blockhaus in Woppenroth und kamen im Gasthof Molz immer wieder mit zahlreichen Dorfbewohnern zusammen, um sich von den Geschichten und Anekdoten der Region inspirieren zu lassen. Parallel entstand aus dieser Arbeit heraus auch der Dokumentarfilm „Geschichten aus den Hunsrückdörfern“, gewissermaßen als Prolog zu „Heimat“.

Reitz wollte das Projekt zunächst „Made in Germany“ nennen, so wie es auf dem Stein steht, der im Vorspann des Films zu sehen ist. Auch Geheischnis, ein Begriff aus dem Hunsrücker Platt, kam kurzzeitig als Titel in Betracht. Angeblich war es dann vor allem der Filmproduzent Bernd Eichinger, der Reitz überzeugte, den Film „Heimat“ zu nennen, was in den 70er und 80er Jahren eine mutige Entscheidung war. Damals hatte der Heimatbegriff einen negativen Beigeschmack, einmal aus der Zeit des Dritten Reiches heraus, aber auch vor dem Hintergrund der Heimatfilme aus den 50er Jahren.

Die Dreharbeiten zu „Heimat” begannen 1980, hauptsächlich in den beiden Hunsrückdörfern Gehlweiler und Woppenroth, die den Kern von „Schabbach“ bildeten. Auf die Idee für den Ortsnamen kam Edgar Reitz, als er auf dem Friedhof in Bischofsdhron nahe seinem Geburtsort Morbach auf den Familiennamen Schabbach stieß.

Die Dreharbeiten dauerten bis 1982. Die Premiere fand am 30. Juni 1984 in München statt.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Manuela Reichart: Heimat - Eine Chronik in elf Teilen. In: Norbert Grob, Hans Helmut Prinzler, Eric Rentschler (Hrsg.): Neuer Deutscher Film. Philipp Reclam jun., Stuttgart 2012, ISBN 978-3-15-019016-6, S. 338-345. (Mit Literaturangaben)
  • Marion Dollner: Sehnsucht nach Selbstentbindung. Die unendliche Odyssee des mobilgemachten Helden Paul im Film „Heimat“. Mit einem Interview mit Edgar Reitz. Röhrig, St. Ingbert 2005, ISBN 978-3-86110-384-4 (= Mannheimer Studien zur Literatur- und Kulturwissenschaft, Band 35, zugleich Dissertation an der Universität Mannheim)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]