Heimwerken

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Gustave Caillebotte, Les raboteurs de parquet (Die Parkettschleifer), (1875), Musée d'Orsay, Paris

Als Heimwerken bezeichnet man im Allgemeinen alle nicht als Beruf ausgeübten handwerklichen Tätigkeiten in und an selbst bewohntem Wohnraum mit dem Ziel, Schäden zu reparieren bzw. turnusmäßig zu renovieren, den Wohnraum zu vergrößern, einzurichten und zu verschönern, den Wohnkomfort oder die Sicherheit zu erhöhen, den Verbrauch von Energie und Wasser oder sonstige Betriebskosten zu senken oder auf sonstige Weise seinen Wert zu erhalten bzw. zu steigern. Oft wird die Tätigkeit auch nur aus Freude am Hobby betrieben.

Der englische Begriff Do it yourself, häufig abgekürzt DIY, hat grundsätzlich eine umfassendere Bedeutung, wird aber häufig synonym zu Heimwerken verwendet. Der im englischen Sprachraum ebenfalls verwendete Begriff Home improvement umfasst auch professionell ausgeübte Tätigkeiten.

Geschichte[Bearbeiten]

In Deutschland erlebte das Heimwerken in der Aufbauzeit nach dem Zweiten Weltkrieg einen starken Aufschwung, verstärkt durch das Steigen der Handwerkerpreise aufgrund zunehmender Sozialleistungen.[1] Diesem Trend folgend erschien am 1. November 1957 die Erstausgabe der Zeitschrift selbst ist der Mann.[2] In den 1960er Jahren entstanden nach US-amerikanischem Vorbild die ersten Baumärkte im Selbstbedienungskonzept in Deutschland.[3][4]

In anderen deutschsprachigen Ländern dagegen, speziell der Schweiz, ist erst seit wenigen Jahren ein Erstarken der Heimwerkerbewegung zu beobachten.[5]

Wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten]

In Deutschland erzielten allein die Baumärkte, die aber nur einen Teil des Umsatzes der Heimwerkerbranche darstellen, im Jahr 2011 einen Umsatz von fast 28 Mrd. Euro, Tendenz steigend.[6] Das Marktpotential für Baumärkte steigt seit einigen Jahren mit dem Trend zum Heimwerken, 2007 gaben bei einer Befragung in mehreren europäischen Ländern 60 % der Befragten an, selbst als Heimwerker tätig zu sein, 2010 waren es 70 %.[7]

Dabei geben die Deutschen für Instandhaltungsmaßnahmen im Haus jährlich durchschnittlich 600 Euro aus, sowie 1.500 Euro für eigene Projekte im Garten.[7] 9,2 % der Deutschen geben an, sich regelmäßig bzw. intensiv mit Heimwerken und Basteln zu beschäftigen.[8] Seit einigen Jahren rücken im deutschsprachigen Raum Frauen stärker als Kundenzielgruppe in das Blickfeld der DIY-Branche.[5][9]

Auch der Presse- und Verlagsbereich profitiert vom Heimwerkermarkt. Neben zahlreichen Einzelpublikationen in Buch- und Heftform erscheinen monatlich zwei führende Heimwerker-Zeitschriften, selber machen ( 73.120 Exemplare[10]) und selbst ist der Mann ( 68.221 Exemplare[11]).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Axel Schildt: Die Sozialgeschichte der Bundesrepublik Deutschland bis 1989/90. Oldenbourg, München 2007, ISBN 978-3-486-56604-8, S. 43 (Volltext/Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. Heimwerken in den Boomjahren. In: selbst. Abgerufen am 15. Oktober 2012.
  3. 1960-2010: Damals schon so gut wie heute Website zum 50-jährigen Jubiläum der Firma Bauhaus. Abgerufen am 15. Oktober 2012
  4. Meilensteine in der HORNBACH Historie Website der Firma Hornbach. Abgerufen am 15. Oktober 2012.
  5. a b Aus dem Handgelenk In: Beobachter. Abgerufen am 16. Oktober 2012.
  6. Umsatz von Baumärkten in Deutschland Statista. Abgerufen am 15. Oktober 2012.
  7. a b Ergebnisse einer Studie des Marktforschungsinstitut GfK SE im Auftrag der European Federation of DIY Manufacturers, Heimwerkerportal Mach mal. Abgerufen am 16. Oktober 2012
  8. Regelmäßig bzw. intensiv betriebene Freizeitaktivitäten Statista. Abgerufen am 16. Oktober 2012.
  9. Geschlechterkampf im Baumarkt In: Wirtschaftswoche, 25. August 2011. Abgerufen am 16. Oktober 2012.
  10. laut IVW, viertes Quartal 2013 (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)
  11. laut IVW, viertes Quartal 2013 (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)