Heiner Bielefeldt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Heiner Bielefeldt (links)

Heiner Bielefeldt (* 12. April 1958 in Titz-Opherten) ist ein deutscher Theologe, Philosoph und Historiker. Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Seit Juni 2010 ist Bielefeldt Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit des UN-Menschenrechtsrats.

Leben[Bearbeiten]

Bielefeldt studierte Philosophie und katholische Theologie in Bonn und Tübingen (Examen 1981 und 1982). Anschließend studierte er Geschichtswissenschaften in Tübingen (Examen 1988).

Von 1983 bis 1990 arbeitete er als wissenschaftliche Hilfskraft, später als wissenschaftlicher Angestellter am Interdisziplinären Forschungsprojekt Menschenrechte an der philosophischen Fakultät der Universität Tübingen. 1989 promovierte Bielefedt dort mit einer Arbeit zu den Gesellschaftsvertragstheorien zum Dr. phil.

Von 1990 bis 1992 war er Mitarbeiter am Lehrstuhl für öffentliches Recht und Rechtsphilosophie an der Juristischen Fakultät der Universität Mannheim. Anschließend wechselte er an den Lehrstuhl für öffentliches Recht und Rechtsphilosophie an der Juristischen Fakultät der Universität Heidelberg. 1993/94 verbrachte als Stipendiat der Alexander-von-Humboldt-Stiftung einen Forschungs- und Lehraufenthalt an der Faculty of Law sowie am Department of Philosophy der University of Toronto.

Seit April 1995 ist er Mitglied der interdisziplinären Forschungsgruppe für multi-ethnische Konflikte an der Universität Bielefeld, Fakultät für Pädagogik. Aus dieser Forschungsgruppe ist 1996 das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) unter der Leitung von Wilhelm Heitmeyer hervorgegangen. Im Februar 2000 habilitierte er im Fach Philosophie am Fachbereich 9 (Kulturwissenschaften) der Universität Bremen.

Im April 2000 wurde Bielefeldt zum Hochschuldozenten an der Universität Bielefeld ernannt, verbunden mit Lehrverpflichtungen in den Fakultäten für Rechtswissenschaft und Pädagogik. Von 2003 bis 2009 war Bielefeldt Direktor des Deutschen Instituts für Menschenrechte in Berlin.

2007 wurde er zum Honorarprofessor an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bielefeld ernannt.

Seit 2009 hat er den neu geschaffenen Lehrstuhl für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik der Universität Erlangen-Nürnberg inne. Der Lehrstuhl ist am dortigen Institut für Politische Wissenschaft angesiedelt, Bielefeldts Lehrtätigkeit erstreckt sich über die Disziplinen der Politischen Wissenschaft, der Philosophie, der Rechts- und der Geschichtswissenschaft.

Bielefeldt engagiert sich im Interreligiösen Dialog und ist Mitglied des Kuratoriums der Muslimischen Akademie in Deutschland sowie des Kuratoriums der Christlich-Islamischen Gesellschaft. Daneben ist Bielefeldt Mitglied der Deutschen Gesellschaft zur Erforschung des Politischen Denkens (DGEPD) sowie im Beirat der Zeitschrift für Menschenrechte (zfmr).

Am 18. Juni 2010 wurde Bielefeldt vom UN-Menschenrechtsrat als Nachfolger von Asma Jahangir zum Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für Religions- und Weltanschauungsfreiheit ernannt.[1]

Schriften[Bearbeiten]

Monographien

  • Neuzeitliches Freiheitsrecht und politische Gerechtigkeit. Perspektiven der Gesellschaftsvertragstheorien. Königshausen & Neumann, Würzburg 1990.
  • Zum Ethos der menschenrechtlichen Demokratie. Eine Einführung am Beispiel des Grundgesetzes. Königshausen & Neumann, Würzburg 1991.
  • Wiedergewinnung des Politischen. Eine Einführung in Hannah Arendts politisches Denken. Königshausen & Neumann, Würzburg 1993.
  • Kampf und Entscheidung. Politischer Existentialismus bei Carl Schmitt, Helmuth Plessner und Karl Jaspers. Königshausen & Neumann, Würzburg 1994.
  • Philosophie der Menschenrechte. Grundlagen eines weltweiten Freiheitsethos. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt und Primus, 1998.
    Portugiesische Übersetzung: Filosofia dos direitos humanos. Fundamentos de um ethos de liberdade universal. Editora Unisinos, Sao Leopoldo 2000.
  • Kants Symbolik. Ein Schlüssel zur kritischen Freiheitsphilosophie. Alber, Freiburg i.Br. 2001. (Reihe Praktische Philosophie. Band 69).
    Englische Fassung: Symbolic Representation in Kant's Practical Philosophy. Cambridge University Press, Cambridge 2003.
  • Muslime im säkularen Rechtsstaat. Integrationschancen durch Religionsfreiheit. transcript, Bielefeld 2003.
  • Menschenrechte in der Einwanderungsgesellschaft. Plädoyer für einen aufgeklärten Multikulturalismus. transcript, Bielefeld 2007.
  • Auslaufmodell Menschenwürde? Warum sie in Frage steht und warum wir sie verteidigen müssen, Herder Verlag, Freiburg 2011, ISBN 978-3-451-32508-3.

Mitherausgabe von Sammelbänden

  • mit Winfried Brugger und Klaus Dicke: Dimensionen menschlicher Freiheit. Johannes Schwartländer zum 65. Geburtstag. Attempto, Tübingen 1988 ISBN 3-89308-004-X.
  • mit Winfried Brugger und Klaus Dicke: Würde und Recht des Menschen. Johannes Schwartländer zum 70. Geburtstag. Königshausen & Neumann, Würzburg 1992.
  • mit Volkmar Deile und Bernd Thomsen: Menschenrechte vor der Jahrtausendwende. amnesty international-Publikation. Fischer, Frankfurt am Main 1993.
  • mit Wilhelm Heitmeyer: Politisierte Religion. Ursprünge und Erscheinungsformen des modernen Fundamentalismus. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1998.
  • mit Heike Alefsen, Bernd Thomsen, Katharina Wegener (Red.): Menschenrechte im Umbruch. Fünfzig Jahre Allgemeine Menschenrechtserklärung. Hrsg. Amnesty International. Luchterhand, Neuwied 1998.
  • mit Jörg Lüer: Rechte nationaler Minderheiten. Ethische Begründung, rechtliche Verankerung und historische Erfahrung. transcript, Bielefeld 2004.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. "Deutscher ist neuer UN-Religionsbeauftragter", DW-WORLD.DE/Deutsche Welle