Heinkel He 119

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Die Heinkel He 119 war ein deutsches Rekordflugzeug der Ernst Heinkel Flugzeugwerke, das als schneller Aufklärer geplant war und später einmal als Ausgangsmuster für einen Schnellbomber dienen sollte.

Geschichte[Bearbeiten]

Entwickelt wurde die He 119 ab Herbst 1935 unter der Projektbezeichnung P. 1055 und sollte alle damaligen fertigungstechnischen und aerodynamischen Erkenntnisse berücksichtigen. Nach den ersten Flügen der He 119 V1 im Sommer 1936 wurde Heinkel vom Reichsluftfahrtministerium (RLM) jegliche Weiterführung der Arbeiten untersagt, da nach dessen Meinung keine militärische Verwendbarkeit der Maschine zu erwarten war. Die Arbeiten wurden jedoch, trotz der Drohungen, von Heinkel weitergeführt. Nach Fertigstellung der V5 wurden jedoch nach einem erneuten Entwicklungsverbot sämtliche Arbeiten eingestellt.

Konstruktion[Bearbeiten]

Um maximale Geschwindigkeiten zu erzielen, wurde die Stirnfläche des Flugzeuges minimiert, indem man die Hauptkomponenten hintereinander anordnete. So wurde der Motor in die Rumpfmitte verlegt und die Luftschraube über eine Propellerwelle angetrieben, welche durch den Besatzungsraum verlief, der ganz vorn lag. Als Antrieb kam nur ein Daimler-Benz Doppelmotor DB 606 mit 2350 PS in Frage, da sonst keine leistungsstarken Motoren verfügbar waren. Der DB 606 bestand aus zwei nebeneinander in einer Neigung von 44° angeordneten Daimler-Benz DB 601 A1 V12-Motoren, die auf eine Luftschraubenwelle einwirkten. Ähnlich der Heinkel He 100 war auch bei der He 119 eine Oberflächenverdampfungskühlung vorgesehen, mit den gleichen Problemen.

Im Jahr 1937 erreichte die He 119 V4 eine gemessene Höchstgeschwindigkeit von 620 km/h in 4200 m Höhe. Im anschließenden Rekordflug über 1000 km wurde eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 504,988 km/h ermittelt. Dieser Rekord hielt allerdings nur eine Woche, da eine italienische Breda 88 einen neuen Rekord aufstellte. Ein zweiter Rekordversuch endete auf Grund von Kraftstoffmangel mit einer Bruchlandung.

Neben der normalen Landversion wurde auch eine Seeausführung mit Schwimmern erprobt. Zu einer Serienfertigung als Schnellbomber kam es nicht, da das Flugzeug im Vergleich zu anderen ähnlichen Flugzeugen erheblich teurer war. Es wurden nur fünf Prototypen gefertigt, die allesamt verschrottet wurden.

Export nach Japan[Bearbeiten]

Nach der Einstellung der Entwicklungsarbeiten zwang das RLM Heinkel zu einer Exportfreigabe der He 119. Japan erwarb daraufhin neben den Nachbaurechten auch die beiden Muster V7 und V8.

Die Maschinen wurden in Kisten nach Japan transportiert, dort im Erprobungszentrum der japanischen Marine-Luftwaffe wieder montiert und von Flugkapitän Nitschke eingeflogen. Zu einem Nachbau kam es jedoch nicht. Eine Beeinflussung zeigt sich aber in der Auslegung der Yokosuka R2Y „Keiun“, die von einem nachgebauten DB-606-Motor angetrieben wurde. Auch hier wurde die Auslegung mit einem Mittelmotor und einer Fernwelle gewählt.

Technische Daten[Bearbeiten]

Heinkel He 119 V4 3-view.svg

Heinkel He 119 A

  • Spannweite: 15,9 m
  • Länge: 14,72 m
  • Höhe: 5,4 m
  • Leergewicht: 5440 kg
  • max. Startgewicht: 7565 kg
  • Höchstgeschwindigkeit: 590 km/h
  • Dienstgipfelhöhe: 8500 m
  • Reichweite: 3120 km
  • Bewaffnung: 1 x MG 15, 1000 kg Bombenlast

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinkel Projekt 1055 - Heinkel He 119. (Luftfahrt-Report, Heft 1). Verlag Heinz Nickel, 1993, ZDB-ID 2619386-3.