Heinrich-Brüning-Straße 20 (Bonn)

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Villa und Presseclub-Anbau, Heinrich-Brüning-Straße 20 (2013)

Das Haus Heinrich-Brüning-Straße 20[AM 1] ist eine Villa im Bonner Ortsteil Gronau, die 1909 errichtet und 1975–77 als „Presseclub“ einseitig um einen Anbau erweitert wurde. Sie bildet den östlichen Abschluss der dreiteiligen Villengruppe Heinrich-Brüning-Straße 16–20, die im Zentrum des Bundesviertels liegt. Die Villa steht mit ihrem äußeren Baukörper und dem Mansarddach als Baudenkmal unter Denkmalschutz.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Villa wurde als Teil einer Villengruppe erbaut, die wie einige Gebäude in der damaligen „Villenkolonie Gronau“ am südlichen Bonner Stadtrand nach einem Entwurf des Bonner Architekten und Regierungsbaumeisters Julius Rolffs entstand. Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Villengruppe schwere Beschädigungen, auf die 1949 eine Wiederherstellung folgte.[2]:155

Nachdem Bonn 1949 Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland wurde, befand sich die Villa inmitten des neuen Parlaments- und Regierungsviertels. Nach ihrer Gründung 1950 nahm die Zentrale Rechtsschutzstelle ihren Sitz in der Liegenschaft und war hier mindestens bis 1955 beheimatet[3][4], ebenso spätestens ab 1951 bis Anfang der 1970er-Jahre die dem Bundesministerium der Justiz unterstehende Deutscher Bundesverlag GmbH, die zu 70 % dem Bund gehörte[5][6].

Presseclub[Bearbeiten]

Ende der 1960er-Jahre geriet die Villa ins Blickfeld des Deutschen Presseclubs, der – gemeinsam mit dem Verein der Ausländischen Presse in Deutschland (jeweils 25 %) und für das Bundespresseamt der Bundesrepublik Deutschland (50 %) Träger der Presseclub-Wirtschafts-GmbH – auf der Suche nach einem neuen Clubhaus war, das als Begegnungsstätte zwischen in- und ausländischen Journalisten, Bundespolitikern, Diplomaten und Wirtschaftsvertretern diente.[2]:151 Das bisherige befand sich in der Villa Adenauerallee 89b und sollte einem Neubau für das angrenzende Postministerium weichen.[2]:146/47 Als neue Stätte des Presseclubs in Betracht gezogen wurde insbesondere das engere Parlaments- und Regierungsviertel, worunter auch die in unmittelbarer Nachbarschaft zum Zentrum der deutschen Hauptstadtpresse im „Pressehaus“ des Tulpenfeld-Komplexes gelegene Villa Heinrich-Brüning-Straße 20 fiel. Da außerdem der seinerzeitige Nutzer der Liegenschaft, die Deutscher Bundesverlag GmbH, perspektivisch als Teil des Bundesjustizministeriums die neuerrichteten Kreuzbauten beziehen konnte, erschien sie dem Presseclub – erweitert um einen Neubau – als geeigneter Standort. In Konflikt standen die Pläne zunächst mit der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung, die in der Person von Hildegard Hamm-Brücher ebenfalls an der Villa interessiert war.[2]:151

Im Oktober 1973 konnten die wesentlichen Hürden für das Projekt überwunden werden, die Deutscher Bundesverlag GmbH stimmte nach zwischenzeitlichem Widerstand dem Verkauf des Grundstücks zu. Der Umbau der Villa sowie die Errichtung des Anbaus für den Presseclub erfolgten im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland unter Leitung der Bundesbaudirektion, die den Architekten Eberhard Schultz mit dem Entwurf beauftragte. Ende 1974 waren die Pläne abgeschlossen, im Frühjahr 1975 wurde mit dem Bau begonnen.[2]:153 Am 18. August 1977 konnte das neue Clubhaus im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt und im September eingeweiht und eröffnet werden. Es nahm 5,4 Millionen D-Mark aus Bundes- sowie in geringem Maße privaten Mitteln („Presseclub-Kunstfonds“) in Anspruch, darunter 3,75 Millionen D-Mark für Bau und Außenanlagen, 630.000 D-Mark für die Inneneinrichtung und eine Million D-Mark für das Grundstück. Das Clubhaus wurde vom Bund mietfrei der Presseclub-Wirtschafts-GmbH als Träger überlassen.[7][8] Es verfügte über verschiedene Tagungs- und Clubräume, eine Bar im Sockelgeschoss sowie ein Restaurant mit mehreren Speisesälen und einer Küche, die für die Bewirtschaftung von 250 Gästen ausgelegt war. Für die Wirtschafts-GmbH waren Büros und ihren Geschäftsführer eine Wohnung vorgehalten.[2]:155 Ausgestattet war das Haus mit einer Reihe künstlerischer Installationen, Plastiken und Skulpturen.[2]:156 ff.

Im Zuge der Verlegung des Parlaments- und Regierungssitzes zog der Deutsche Presseclub im Sommer 1999 nach Berlin um, wo er jedoch über kein eigenes Clubhaus mehr verfügt.[9] Der Bund übertrug das nun leerstehende Bonner Clubhaus im Herbst 1999 der Stadt Bonn mit der Bedingung, es als Kommunikationszentrum für Medien aufrechtzuerhalten.[10] Im Mai 2002 wurde mit einer Sanierung des Gebäudes bei Kosten von 900.000 € aus Mitteln der Vereinbarung über die Ausgleichsmaßnahmen für die Region Bonn begonnen, die bis zur Wiedereröffnung des Presseclubs im Januar 2003 abgeschlossen war.[11][12] Als ideeller Träger des Clubs gründete sich der Verein Presseclub Bonn. Ende 2004 wurde der Betrieb aufgrund mangelnder wirtschaftlicher Tragfähigkeit wieder geschlossen, im Jahr darauf jedoch unter einem neuen Pächter wiederaufgenommen.[13][14] Nach einer erneuten Schließung im September 2006[15][16] schrieb die Stadt Bonn die Liegenschaft 2007 zum Verkauf aus, der Anfang 2008 an einen Bonner Investor erfolgte, dem seither die gesamte Villengruppe Heinrich-Brüning-Straße 16–20 gehört.[17] Der Verkaufserlös floss in die Rücklage für das World Conference Center Bonn. Nach einem 2009 fertiggestellten Umbau samt Kernsanierung[18] nutzt die Deutsche Post das Gebäude seit 2010 als Kantine. Es ist weiterhin unter dem Namen „Presseclub“ als Treffpunkt für Journalisten, Pressesprecher und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Institutionen vorgesehen.[19][20][21]

Architektur[Bearbeiten]

Die Villa ist zweigeschossig über einem zwei Meter hohen, leicht abgeböschten Sockelgeschoss (Souterrain) errichtet und wird nach oben von einem schiefergedeckten Mansardwalmdach abgeschlossen. An der Straßenfront besteht ein halbrunder Vorbau (Auslucht), der auf Höhe des Dachgesimses einen Balkon trägt. Der als Presseclub entstandene Anbau tritt aus der straßenseitigen Bauflucht des Altbaus etwas zurück, um dessen Fassadenwirkung nicht zu beeinträchtigen. Die Form des halbrunden Vorbaus der Villa findet sich hier in zwei runden Bauteilen sowie in der rückseitigen Terrasse wieder. Die Nutzfläche der Liegenschaft beträgt etwa 1.300 m².[21]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ingeborg Flagge: Architektur in Bonn nach 1945. Verlag Ludwig Röhrscheid, Bonn 1984, ISBN 3-7928-0479-4, S. 119.
  • Heinz Murmann: Mit ‚C‘ ist es feiner. Der Deutsche Presseclub Bonn 1952 bis heute, Bouvier, Bonn 1997, ISBN 3-416-02713-2, S. 146–159.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. bis 1972 Petersbergstraße 20

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Denkmalliste der Stadt Bonn, S. 24, Nummer A 3572
  2. a b c d e f g Heinz Murmann: Mit ‚C‘ ist es feiner. Der Deutsche Presseclub Bonn 1952 bis heute
  3. Presse- und Informationsamt (Hrsg.): Bulletin des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung, Deutscher Bundes-Verlag, 1953, S. 1250
  4. Taschenbuch des öffentlichen Lebens, Festland Verlag GMBH, 1955, S. 80
  5. Documentation Techniques in the USA: Selection, Reproduction, Dissemination, Teil 65, Organisation for European Economic Co-operation, 1951, S. 61
  6. SBZ-Archiv, Band 16, Verlag Kiepenheuer und Witsch, 1965, S. 384
  7. Der Presseclub, General-Anzeiger, 16. Dezember 1998, S. 6
  8. Bundeshaushaltsplan für das Haushaltsjahr 1988, Bundesdruckerei, 1988, Band 1, S. 38
  9. Hängepartie um den Presseclub, General-Anzeiger, 16. Dezember 1998, Bonner Stadtausgabe, S. 6
  10. Im Presseclub gehen bald wieder die Lichter an, General-Anzeiger, 14. März 2000, Bonner Stadtausgabe, S. 6
  11. Der alte Presseclub erwacht zu neuem Leben, General-Anzeiger, 7. Mai 2002, Bonner Stadtausgabe, S. 7
  12. Ein Dornröschen wird wachgeküsst, General-Anzeiger, 30. Januar 2003
  13. Im Presseclub gehen bald die Lichter aus, General-Anzeiger, 8. Dezember 2004
  14. Stadt sucht einen neuen Betreiber, General-Anzeiger, 10. Januar 2005
  15. Stadt Bonn verhandelt mit dem Bund über den Verkauf des Presseclubs, General-Anzeiger, 9. September 2006
  16. "Das ist ein Objekt mit viel Potenzial", General-Anzeiger, 28. Februar 2007
  17. Stadt verkauft Presseclub, General-Anzeiger, 29. Januar 2008
  18. Presseclub, Manstein Architekten
  19. Post will den Presseclub mieten, General-Anzeiger, 10. November 2008
  20. Post mietet Presseclub und nutzt ihn als Kantine, General-Anzeiger, 3. März 2010
  21. a b Post/DHL-Presseclub, Marc Asbeck Grundbesitz

50.7162367.126753Koordinaten: 50° 42′ 58″ N, 7° 7′ 36″ O