Heinrich Böll

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Dieser Artikel behandelt den Schriftsteller. Für den Kirchenmusiker siehe Heinrich Boell.
Heinrich Böll (1981)
Unterschrift Heinrich Böll

Heinrich Theodor Böll (* 21. Dezember 1917 in Köln; † 16. Juli 1985 in Kreuzau-Langenbroich) war ein deutscher Schriftsteller und Übersetzer. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit. Im Jahr 1972 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

Leben[Bearbeiten]

Jugend- und Kriegszeit (1917–1945)[Bearbeiten]

Heinrich Böll wurde in der Kölner Südstadt (Ecke Alteburger Straße/Teutoburger Straße) geboren. Seine Eltern waren der Schreiner Viktor Böll und seine Frau Maria (geb. Hermann). Heinrich war das achte Kind und der dritte Sohn seines Vaters; Maria war dessen zweite Frau. In der kleinbürgerlichen Familie Böll waren die katholische Religion und die Ablehnung des Nationalsozialismus selbstverständlich.

Böll besuchte von 1924 bis 1928 die katholische Volksschule Raderthal und wechselte danach auf das staatliche humanistische Kaiser-Wilhelm-Gymnasium. Nach dem Abitur im Jahr 1937 begann er eine Buchhändlerlehre in der Buchhandlung Math. Lempertz in Bonn, die er bereits nach elf Monaten wieder abbrach. In diese Zeit fallen auch seine ersten schriftstellerischen Versuche. Im November 1938 wurde Heinrich Böll zum Reichsarbeitsdienst eingezogen (beendet 31. März 1939). Mit dem Sommer-Semester 1939 nahm er an der Universität zu Köln ein Studium der Germanistik und der Klassischen Philologie auf (und schrieb seinen ersten Roman, Am Rande der Kirche), doch schon im Spätsommer wurde er in die Wehrmacht einberufen (Gestellungszeit 4. September). Er blieb Soldat, bis er im April 1945 in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft geriet, aus der er im September entlassen wurde. Bölls Kriegserfahrungen sind dokumentiert in der 2001 veröffentlichten zweibändigen Ausgabe seiner Briefe aus dem Krieg 1939–1945.

Während eines Fronturlaubs 1942 heiratete Böll Annemarie Čech, die er bereits seit längerem gekannt hatte. Ihr erster Sohn Christoph starb noch in seinem Geburtsjahr 1945. Die Söhne Raimund, René und Vincent kamen 1947, 1948 und 1950 zur Welt.

Während des Zweiten Weltkriegs bat er seine Eltern mehrfach in Briefen von der Front, ihm Pervitin zu schicken, das zu Beginn des Krieges in großem Umfang an Soldaten verteilt wurde.[1] Auch nach dem Krieg soll er zeitweise davon abhängig geblieben sein.[2]

Literarische Anfänge (1945–1950)[Bearbeiten]

Im Krieg hatte Böll hauptsächlich Briefe geschrieben. Nach Kriegsende nahm er jedoch das belletristische Schreiben wieder auf. Daneben übte er verschiedene Gelegenheitsjobs aus. Er immatrikulierte sich auch wieder an der Universität, dies jedoch hauptsächlich wegen der Lebensmittelkartenzuteilung. In dieser Zeit ernährte vor allem seine Frau durch ihr regelmäßiges Einkommen als Lehrerin die Familie. Unter dem Titel Kreuz ohne Liebe entstand ab Juli 1946 der erste Nachkriegsroman (Beitrag zu einem Wettbewerb). Bölls erste Kurzgeschichten erschienen 1947 in Zeitschriften. Sie können als Nachkriegsliteratur bzw. als Kriegs-, Trümmer- und Heimkehrerliteratur bezeichnet werden. Zentrale Themen sind die Erfahrung des Krieges und gesellschaftliche Fehlentwicklungen der Nachkriegszeit in Deutschland. Einige der besten Kurzgeschichten erschienen 1950 in dem Sammelband Wanderer, kommst du nach Spa..., der Bölls Ruhm als Kurzgeschichtenautor begründete. Weitere Kurzgeschichten aus den ersten Nachkriegsjahren wurden, allerdings z. T. in bearbeiteter Form, in dem Sammelband Die Verwundung (1983) publiziert.

Wichtige Quelle für diese Zeit ist der postum (für beide) veröffentlichte Briefwechsel mit seinem engen Freund, dem Schriftsteller und Drehbuchautor (Suleyken) Ernst-Adolf Kunz (alias Philipp Wiebe), den er in der Kriegsgefangenschaft in Frankreich kennengelernt hatte. („Die Hoffnung ist wie ein wildes Tier.“ Kiepenheuer 1994, dtv 1997).

Die Hauptwerke (1951–1971)[Bearbeiten]

Zu einem ersten großen Erfolg für Heinrich Böll wurde sein Debüt bei der Gruppe 47 im Mai 1951. Zwar hatte Böll zu diesem Zeitpunkt bereits einige Werke veröffentlicht, diese waren allerdings noch nicht auf große Resonanz gestoßen. Die Einladung zur siebten Tagung der Gruppe 47 in Bad Dürkheim kam auf Vorschlag Alfred Anderschs zustande. Böll las die Satire Die schwarzen Schafe und gewann – wenn auch in einer knappen Entscheidung gegen Milo Dor – bei seinem ersten Auftritt den Preis der Gruppe 47, erhielt ein Preisgeld von 1000 DM und in der Folge einen Autorenvertrag bei Kiepenheuer & Witsch.[3] Die anschließenden Jahre bildeten die schöpferischste Phase im Leben Heinrich Bölls. Dies beweisen die vielen Werke, die er hervorbrachte, unter anderem Wo warst du, Adam? (1951), Und sagte kein einziges Wort (1953), Haus ohne Hüter (1954), Irisches Tagebuch (1957), Doktor Murkes gesammeltes Schweigen und andere Satiren (1958), Billard um halbzehn (1959), Ansichten eines Clowns (1963) und Ende einer Dienstfahrt (1966). Seit dem Jahr 1954 verbrachte der Autor seine Sommerferien gerne auf Achill Island im Westen Irlands.[4]

Öffentliche Person und Engagement (ab Ende der 1960er Jahre)[Bearbeiten]

In der Ära Adenauer als Widerpart zum konservativen Kanzler profiliert, suchte Böll auch in der Folgezeit, sein linksintellektuelles Profil zu wahren: 1970 wurde er zum Präsidenten des PEN-Clubs Deutschlands (bis 1972) ernannt, kurze Zeit später (1971) auch zum internationalen Präsidenten des PEN-Clubs. Er blieb es bis 1974.

Der 1971 erschienene Roman Gruppenbild mit Dame stellt zweifellos den Höhepunkt in Bölls literarischem Schaffen dar. Er ergreift in diesem Werk Partei für die „Abfälligen“ (den „Abfall“) der Gesellschaft, für Außenseiter und Leistungsverweigerer. Der Roman wurde zum Bestseller und trug maßgeblich zur Verleihung des Nobelpreises für Literatur an Böll im Dezember 1972 bei. In diesem Jahr 1972 sorgte Böll für einen innenpolitischen Skandal, als er sich in einem Essay für den Spiegel unter dem Titel Will Ulrike Gnade oder freies Geleit? mit der Person und dem Werdegang der RAF-Terroristin Ulrike Meinhof beschäftigte und die Berichterstattung der Springer-Presse scharf angriff. Der Titel war vom Spiegel gegen Bölls Willen verändert worden, die durch die Nennung des Vornamens suggerierte Vertrautheit des Autors mit Meinhof entsprach weder Bölls Intention noch dem Inhalt des Textes. In konservativen Kreisen galt er seitdem als „geistiger Sympathisant“ des Terrorismus, worunter Heinrich Böll litt. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Friedrich Vogel sprach damals von den „Bölls und Brückners“ als intellektuellen Helfershelfern des Terrors.[5] Da die Behörden es nicht für ausgeschlossen hielten, dass gesuchte RAF-Mitglieder bei ihm Unterschlupf finden könnten, wurde bei ihm am 1. Juni 1972 in Langenbroich eine Hausdurchsuchung vorgenommen, worüber er sich fünf Tage später schriftlich bei Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher beschwerte. Die genauen Umstände dieser Aktion, insbesondere die Zahl der eingesetzten Beamten, sind umstritten. Während Böll selbst von bis zu 20 Polizisten ausging, behauptete der damalige Einsatzleiter Helmut Conrads, nur er selbst und ein Kollege vom Landeskriminalamt hätten Böll einen Besuch abgestattet.[6] Robert Spaemann, der sich an diesem Tag im Haus von Böll aufhielt, bestätigte jedoch, mehrere schwer bewaffnete Polizisten gesehen zu haben.[7]

1974 erschien Bölls bis heute wohl bekanntestes Werk, Die verlorene Ehre der Katharina Blum, das einen Beitrag zur Gewaltdebatte der 1970er Jahre darstellt und sich besonders kritisch mit der Springer-Presse auseinandersetzt. Die Erzählung wurde in über 30 Sprachen übersetzt, verfilmt (Volker Schlöndorff) und bis 2007 allein in Deutschland fast 6 Millionen Mal verkauft. Das Buch wurde aus konservativen Kreisen ebenfalls massiv kritisiert und in völligem Widerspruch zu seiner Kernaussage vielfach als „Rechtfertigung von terroristischer Gewalt“ dargestellt, unter anderem vom späteren Bundespräsidenten Karl Carstens.[8]

In den folgenden Jahren beschäftigte sich Heinrich Böll zunehmend mit den politischen Problemen seiner Heimat und anderer Länder wie Polen oder der Sowjetunion [9] und setzte sich sehr kritisch mit ihnen auseinander. Die sowjetischen Dissidenten Alexander Solschenizyn und Lew Kopelew waren Gäste in seinem Haus.

In dieser Zeit befasste er sich auch mit mehreren Konflikten in Südamerika. Er versuchte mit den entsprechenden Parteien zu reden, so zum Beispiel mit einer bolivianischen Frauendelegation in Bolivien, um die Probleme vor Ort zu lösen.

In dieser Zeit erkrankte Heinrich Böll in Ecuador infolge seines starken Tabakkonsums an einem Gefäßleiden im rechten Bein, weswegen er sich dort und später auch in Deutschland Operationen unterziehen musste.

Ende der 70er Jahre unterstützte er Rupert Neudeck in dessen Engagement für die vietnamesischen boat people, aus dem später die Hilfsorganisation Cap Anamur/Deutsche Not-Ärzte hervorging.

Grabkreuz von Heinrich Böll in Merten, gestaltet von seinem Sohn René Böll[10]

Er setzte sich auch kritisch mit der katholischen Kirche auseinander und trat 1976 demonstrativ aus ihr aus, ohne deswegen jedoch „vom Glauben abgefallen“ zu sein. Böll unterstützte die gegen die NATO-Nachrüstung gerichtete Friedensbewegung und nahm 1983 an einer Blockade des Raketenstützpunktes auf der Mutlanger Heide teil.

Der 1979 veröffentlichte Roman Fürsorgliche Belagerung entstand vor dem Hintergrund des sog. Deutschen Herbstes und verarbeitet eigene Erfahrungen des Autors, der wiederholt als Terroristen-Sympathisant verleumdet wurde und polizeiliche Maßnahmen zu erdulden hatte. Bölls letztes Werk Frauen vor Flußlandschaft, ein Bonn-Roman, entstand und erschien im Jahr 1985. Heute ist dieser Roman, wie auch Das Treibhaus von Wolfgang Koeppen, ein – keineswegs schmeichelhaftes – literarisches Denkmal für die Bundeshauptstadt von 1949 bis 1989.

Krankheit und Tod[Bearbeiten]

Anfang Juli 1985 wurde Böll in ein Krankenhaus in Köln gebracht, um eine weitere Operation vornehmen zu lassen. Nach dieser Operation am 15. Juli kehrte er in sein Haus nach Langenbroich in die Voreifel zurück. Hier starb er am Morgen des 16. Juli. Drei Tage später wurde er in Merten in der Nähe von Köln, unter großer Anteilnahme der Bevölkerung, durch einen mit der Familie befreundeten Priester nach katholischem Ritus beerdigt. Das kolportierte Gerücht, Böll sei vor seinem Tod wieder der Kirche beigetreten, entspricht nicht den Tatsachen. Bei der Beerdigung waren viele Kollegen und Politiker anwesend. Auch der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker nahm an der Trauerfeier teil, ein Zeichen des damals enorm großen öffentlichen Interesses an der Person Bölls.

Nachwirkung[Bearbeiten]

Heinrich Böll (Denkmal in Berlin)

Erst postum wurde im Jahre 1992 Bölls erster, in der Nachkriegszeit spielender Roman Der Engel schwieg von dem Wuppertaler Literaturwissenschaftler Werner Bellmann herausgegeben, der das Werk auch um ein erläuterndes Nachwort ergänzt hat. Das ab 1949 entstandene, 1951 vom Verlag Friedrich Middelhauve abgelehnte Manuskript vermochte der Autor seinerzeit lediglich in Teilen bzw. kapitelweise in Form von Kurzgeschichten zu veröffentlichen.
Bislang gänzlich unveröffentlichte Erzähltexte sind 1995 unter dem Titel Der blasse Hund mit einem Nachwort von Heinrich Vormweg erschienen; in dieser Sammlung ist auch ein Text aus der Vorkriegszeit enthalten.
Bölls erster in der Nachkriegszeit entstandene Roman Kreuz ohne Liebe wurde 2002 im Rahmen der Kölner Böll-Ausgabe publiziert. Die Romanhandlung ist in der Zeit des Nationalsozialismus angesiedelt, teils vor, teils in den Jahren des Zweiten Weltkriegs.
2004 wurde in der Kölner Böll-Ausgabe auch der in der Vorkriegszeit entstandene Roman Am Rande der Kirche vorgelegt, der Bölls vehemente Auseinandersetzung mit der katholischen Amtskirche und dem bürgerlichen Katholizismus antizipiert, die sich später in Romanen wie Der Engel schwieg, Und sagte kein einziges Wort und Ansichten eines Clowns manifestiert hat.

Mehrere Institutionen tragen den Namen des Schriftstellers; so die der Partei der Grünen nahestehende Heinrich-Böll-Stiftung und das Heinrich-Böll-Archiv, eine Dokumentations- und Informationsstelle über sein Leben und Werk. Bölls Ferienhaus auf Achill Island und sein Haus in Langenbroich dienen als Böll Cottage und Heinrich-Böll-Haus Stipendiaten als vorübergehende Bleibe. Auch zahlreiche Schulen wurden nach dem Dichter benannt. Von der Stadt Köln wird seit 1985 der Heinrich-Böll-Preis für „herausragende Leistungen auf dem Gebiet der deutschsprachigen Literatur“ vergeben.

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten]

Urteile über Heinrich Böll[Bearbeiten]

  • „Wenn mich künftig einer fragt, was denn die Deutschen heute an Büchern von wirklicher Kraft und Wahrhaftigkeit vorzuweisen hätten, werde ich den Böll nennen.“ Karl Korn, 1953, nach dem Erscheinen des Romans Und sagte kein einziges Wort (FAZ, Nr. 79, 4. April 1953)
  • „[…] nicht die dreißigjährigen Frühvollendeten, nicht die Bachmann, nicht Enzensberger und auch nicht Grass, sondern der bald fünfzigjährige Böll steht repräsentativ für die deutsche Nachkriegsliteratur. Er ist ihr Klassiker.“ Karl Heinz Bohrer, 1967, nach der Verleihung des Büchner-Preises an Heinrich Böll (FAZ, Nr. 246, 23. Oktober 1967)
  • „Am meisten bewundere ich die Einfachheit, Klarheit, Genauigkeit seiner Sprache. Er macht keine Sprüche und er versucht niemals zu bluffen.“ Carl Zuckmayer, 1968, im Blick vor allem auf das Irische Tagebuch
  • „[…] it is a Nobel Prize novel if ever I saw one.“ Michael Ratcliffe über Gruppenbild mit Dame (The Times, London, 3. Mai 1973)
  • „Heinrich Böll, der Schriftsteller, der in seinem Werk lediglich seine Zeit darstellen wollte und damit für alle Zeiten schrieb, wird nicht in Vergessenheit geraten.“ Siegfried Lenz, 1985 (Der Spiegel, Nr. 30, 22. Juli 1985)
  • „Der Böll war als Typ wirklich Klasse. / Da stimmten Gesinnung und Kasse. / Er wär’ überhaupt erste Sahne, / wären da nicht die Romane.“ Robert Gernhardt, 1994
  • „Es ist wie bei Balzac, über den Böll sagt: ‚Groß ist bei ihm auch, was teilweise mißlungen erscheinen mag.‘ Und wie Balzac wird man ihn auch in Zukunft lesen als Spiegel einer verschwundenen Welt.“ Norbert Niemann im Essay Bölls Vermächtnis (Die Zeit, Nr. 2, 2. Januar 2003)
  • „Geliebt, ja, im Ausland verehrt, gab er vielen Lesern und Zuhörern Orientierung und einen Begriff von Freiheit, der sich nicht auf die Marktwirtschaft beschränkte. Vielleicht war er deshalb einer Meute von Politikern und deren Claqueuren verhaßt, bis zu seinem Todestag am 16. Juli 1985.“ Günter Grass im Essay Als Heinrich Böll beerdigt wurde (Die Zeit, Nr. 22, 20. Mai 2009)
  • „Auch Böll hat das Schicksal erlitten, das fast allen Autoren zuteil wird: Nach dem Tod, das klingt jetzt zynisch, gehen die Auflagen kurz nach oben, weil eine allgemeine Ergriffenheit herrscht, aber diese Ergriffenheit hält nicht lange vor. So war es auch bei Böll." (Reinhold Neven Du Mont, 10. Juni 2009, WDR-Interview)
  • „Er ist weitgehend vergessen, und ich habe auch eine Vermutung, woran das liegt. […] er hatte eine Nase für Themen, die den Deutschen auf den Fingern brannten. Aber nun ist Böll 25 Jahre tot, heute sind ganz andere Themen aktuell, also wird der Abstand zu seinen Büchern und zu ihm unaufhaltsam immer größer.“ (Marcel Reich-Ranicki in einem Interview, welt-online, vom 15. Juli 2010)
  • „Bölls Themen konnten provozieren; ihre literarische Gestaltung war eher bieder. Heute können die Romane Bölls vor allem als Dokumente gelesen werden, da der Autor wohl immer mehr Gewicht auf die soziale und gesellschaftliche Seite von Literatur legte als auf ästhetische Aspekte.“ (Ulla Hahn, Juli 2010, FAZ-Umfrage)

Heinrich-Böll-Stiftung und -Preis[Bearbeiten]

1987 wurde die Heinrich-Böll-Stiftung e. V. gegründet. Ihre Aufgaben sind einerseits die Förderung von Bildungs- und Forschungsprojekten, die im Sinne und Geiste des Namensgebers sind, wobei die Themen Migration, Demokratie, Geschlechtergerechtigkeit und Umwelt im Zentrum stehen; andererseits die Mitwirkung bei der Sammlung, Edition und Veröffentlichung von Werken Bölls. Seit 1996 ist der Verein, nach einer Fusion mit der Frauenanstiftung und der Buntstift-Föderation, die „nahestehende Stiftung“ der Partei Bündnis 90/Die Grünen.

Außerdem wird seit 1985 der Heinrich-Böll-Preis verliehen (anfangs jährlich, später alle zwei Jahre). Er wird von der Stadt Köln gestiftet und ist mit 20.000 € dotiert. Der Preis wird für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der deutschsprachigen Literatur verliehen, auch an wenig bekannte Autoren.

Ein Gemeinschaftsprojekt der Heinrich-Böll-Stiftung, des Verlages Kiepenheuer & Witsch, der Erbengemeinschaft Heinrich Böll und des Heinrich-Böll-Archivs der StadtBibliothek Köln trägt den Namen Kölner Ausgabe der Werke Heinrich Böll. Im Zuge dieses Vorhabens wurden alle veröffentlichten und einige unveröffentlichte Texte neu herausgegeben und kommentiert. Einzelbände dieser Ausgabe erscheinen seit dem Jahr 2002 und wurden mit dem Erscheinen des 25. bis 27. Bandes im November 2010[13] abgeschlossen [14]. Eine von Heinz Ludwig Arnold verfasste kritische Würdigung der Ausgabe erschien am 4. April 2011 unter der Überschrift Kraut und Rüben, nach Saatdaten sortiert in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. - Der Nachlass von Heinrich Böll wurde im Kölner Stadtarchiv aufbewahrt (das noch im Januar 2009 für 800.000 Euro fehlende Teile des Nachlasses angekauft hatte) und bei dessen Einsturz größtenteils stark beschädigt oder vernichtet.[15]

Werke[Bearbeiten]

Originalausgaben[Bearbeiten]

Postum erschienen:

  • Der Engel schwieg. Roman. Mit einem Nachwort von Werner Bellmann. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1992. Neueste Ausgabe: dtv, München 2009. 4. Auflage. ISBN 978-3-423-12450-8.
  • Der blasse Hund. Elf Erzählungen. Mit einem Nachwort von Heinrich Vormweg. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1995.
  • Kreuz ohne Liebe. Roman. In: H. B. Werke. Kölner Ausgabe. Bd. 2. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2002.
  • Am Rande der Kirche. Roman. In: H. B. Werke. Kölner Ausgabe. Bd. 1. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2004.[16]

Werkausgaben (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Werke 1–10. Hrsg. von Bernd Balzer. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1977/78
  • In eigener und anderer Sache. Schriften und Reden 1952–1985. 9 Bände. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1985–1988
  • Kölner Ausgabe 26 Bände + 1 Registerband. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2002–2010.

Übersetzungen[Bearbeiten]

Briefe[Bearbeiten]

  • Die Hoffnung ist wie ein wildes Tier. Der Briefwechsel zwischen Heinrich Böll und Ernst-Adolf Kunz 1945–1953. Hrsg. von Herbert Hoven. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1994
  • Briefe aus dem Krieg 1939–1945. 2 Bände, hrsg. und kommentiert von Jochen Schubert. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2001
  • Heinrich Böll – Lew Kopelew. Briefwechsel. Mit einem Essay von Karl Schlögel. Hrsg. von Elsbeth Zylla. Steidl, Göttingen 2011. ISBN 978-3-86930-363-5
  • Paul Celan. Briefwechsel mit den rheinischen Freunden: Heinrich Böll, Paul Schallück, Rolf Schroers. Hrsg. von Barbara Wiedemann. Suhrkamp, Berlin 2011. ISBN 978-3-518-42257-1
  • Briefwechsel Jenny Aloni – Heinrich Böll: Ein deutsch-israelischer Dialog. Hrsg. von Hartmut Steinecke. Aisthesis, Bielefeld 2013. ISBN 978-3-89528-997-2.

Gespräche, Interviews[Bearbeiten]

  • Heinrich Böll mit Christian Linder: Drei Tage im März. Ein Gespräch. Kiepenheuer & Witsch. Reihe: Pocket 65, Köln 1975
  • Heinrich Böll mit Lew Kopelew: Warum haben wir aufeinander geschossen? Lamuv, Bornheim 1981
  • Heinrich Böll mit Lew Kopelew und Heinrich Vormweg: Antikommunismus in Ost und West. Zwei Gespräche. Bund, Köln 1982
  • Heinrich Böll mit Heinrich Vormweg: Weil die Stadt so fremd geworden ist… Gespräche [1976–1982]. Lamuv, Bornheim 1985
  • Heinrich Böll. Werke. Kölner Ausgabe. Bd. 24-26: Interviews I-III. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2009–2010.

Verfilmungen seiner Werke[Bearbeiten]

Vertonungen[Bearbeiten]

  • Tilo Medek: Katharina Blum. Oper in fünf Tagen und einem Nachspiel (entstanden 1984/1986), uraufgeführt am 20. April 1991 am Stadttheater Bielefeld. Das Libretto schrieb Dorothea Medek, die Ehefrau des Komponisten.
  • Dieter Schnebel: Mit diesen Händen, uraufgeführt am 14. Dezember 1992 im Gürzenich zu Köln, anlässlich der Gedenkveranstaltung zum 75. Geburtstag Heinrich Bölls. Zugrunde liegt ein 1947 von Böll verfasster Kurzprosatext (veröffentlicht 1992 im Kölner Museums-Bulletin; Wiederabdruck in Bd. 3 der Kölner Ausgabe).

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Heinrich Böll. 3. Auflage, Neufassung. edition text + kritik, München 1982.
  • Bernd Balzer: Das literarische Werk Heinrich Bölls. Einführung und Kommentare. dtv, München 1997, ISBN 3-423-30650-5.
  • Werner Bellmann (Hrsg.): Das Werk Heinrich Bölls. Bibliographie mit Studien zum Frühwerk. Westdeutscher Verlag, Opladen 1995, ISBN 3-531-12694-6.
  • Werner Bellmann (Hrsg.): Heinrich Böll, Romane und Erzählungen. Interpretationen. Reclam, Stuttgart 2000. ISBN 3-15-017514-3.
  • Hans Joachim Bernhard: Die Romane Heinrich Bölls. Gesellschaftskritik und Gemeinschaftsutopie. 2., durchgesehene und erweiterte Auflage, Berlin 1973.
  • Hanno Beth (Hrsg.): Heinrich Böll. Eine Einführung in das Gesamtwerk in Einzelinterpretationen. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage, Königstein i.Ts. 1980.
  • Alfred Böll: Bilder einer deutschen Familie. Die Bölls. Gustav Lübbe, Bergisch Gladbach 1981.
  • Lucia Borghese: Invito alla lettura di Heinrich Böll. Mursia, Milano 1980.
  • Peter Bruhn/Henry Glade: Heinrich Böll in der Sowjetunion 1952–1979. Erích Schmidt, Berlin 1980, ISBN 3-503-01617-1.
  • Michael Butler (Hrsg.): The Narrative Fiction of Heinrich Böll. Social conscience and literary achievement. Cambridge 1994.
  • Robert C. Conard: Understanding Heinrich Böll. University of South Carolina Press, Columbia 1992.
  • Manfred Durzak: Kritik und Affirmation. Die Romane Heinrich Bölls. In: M. D.: Der deutsche Gegenwartsroman. (1971). 3., erw. und veränd. Aufl. Kohlhammer, Stuttgart 1979. (Sprache und Literatur. 70.) S. 55–163.
  • Frank Finlay: On the Rationality of Poetry: Heinrich Böll‘s Aesthetic Thinking. Rodopi, Amsterdam/Atlanta 1996.
  • Erhard Friedrichsmeyer: Die satirische Kurzprosa Heinrich Bölls. Chapel Hill 1981.
  • Christine Hummel: Intertextualität im Werk Heinrich Bölls. Wissenschaftlicher Verlag, Trier 2002.
  • Manfred Jurgensen (Hrsg.): Böll. Untersuchungen zum Werk. Francke, Bern/München 1975.
  • Dietrich Kluge: Heinrich Böll und das Hörspiel. Der Läufer auf der Aschenbahn. Diss. Univ. Gießen, Frankfurt a. M. 1993.
  • Christian Linder: Heinrich Böll. Leben & Schreiben 1917–1985. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1986.
  • Christian Linder: Das Schwirren des heranfliegenden Pfeils. Heinrich Böll. Eine Biographie. Matthes & Seitz Verlag, Berlin 2009. ISBN 978-3-88221-656-1
  • Ferdinand Melius (Hrsg.): Der Schriftsteller Heinrich Böll. Ein biographisch-bibliographischer Abriß. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1959; Erweiterte Ausgabe, neu hrsg. v. Werner Lengning: Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv 530), München 1968; 5. Aufl. 1977.
  • Ihor Prodaniuk: The imagery in Heinrich Böll's novels. Reihe: Abhandlungen zur Kunst-, Musik- und Literaturwissenschaft, 262. Bouvier, Bonn 1979 & John Benjamins, London 1979 ISBN 3-416-01411-1 Volltext (Grundlagenwerk)
  • Marcel Reich-Ranicki (Hrsg.): In Sachen Böll. Ansichten und Einsichten. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1968.
  • Marcel Reich-Ranicki: Mehr als ein Dichter: über Heinrich Böll. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1986. ISBN 3-462-01792-6
  • J. H. Reid: Heinrich Böll. A German for His Time. Oxford/New York/Hamburg 1988. - Deutsch: Heinrich Böll. Ein Zeuge seiner Zeit. dtv, München 1991. ISBN 3-423-04533-7
  • Dorothee Römhild: Die Ehre der Frau ist unantastbar. Das Bild der Frau im Werk Heinrich Bölls. Pfaffenweiler 1991.
  • Klaus Schröter: Heinrich Böll. Rowohlt, Reinbek 1987 (Rowohlts Monographien).
  • Jochen Schubert: Heinrich Böll. Fink, Paderborn 2011 (UTB Profile). ISBN 978-3-8252-3340-2
  • Jochen Vogt: Heinrich Böll. 2. Auflage. Beck, München 1987. ISBN 3-406-31780-4
  • Heinrich Vormweg: Der andere Deutsche. Heinrich Böll. Eine Biographie. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2002. ISBN 3-462-02938-X

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heinrich Böll – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eggers E. Peppige Panzerschokolade. die tageszeitung 28. Dezember 2006
  2. Grefe C, Soboczynski A. Wo ist Böll? Zeit Magazin Leben 2. August 2007
  3. Rudolf Walter Leonhardt: Ein Blick zurück in Liebe. In: Die Zeit vom 19. Dezember 1997
  4. Elke Sturmhoebel: Wo Heinrich Böll sein irisches Tagebuch schrieb. welt.de, 27. April 2013, abgerufen am 9. Oktober 2013
  5. Heinrich Böll: Nicht Humus, sondern Wüstensand. Frankfurter Rundschau, 21. Juni 1972, S. 4
  6. Christian Linder: Biographie auf Hochglanz, Die Zeit 16/1998
  7. Rober Spaemann: Kaffee, Kuchen und Terror, Die Zeit 19/1998
  8. Klaus Staeck:Er fehlt! Berliner Zeitung, 22. Juli 2010
  9. Über Heinrich Böll in der Sowjetunion von Peter Bruhn u. Henry Glade
  10. Kölner Stadt-Anzeiger, Wo der Nobelpreisträger Ruhe fand, Von ALEXANDRA KLAUS, 11. Oktober 2006
  11. Die Sache mit der Ehre auf www.boellundkoeln.de.
  12. Stadt Bornheim:Bornheimer Ehrenbürger Heinrich Böll
  13. Kiepenheuer und Witsch, Kölner Ausgabe Band 27
  14. Der Schriftsteller des Mitleids in: Die Zeit, Feb. 2011
  15. FAZ vom 6. Juni 2009, S. 40
  16. Der veröffentlichte Text ist durch zahllose Lesefehler entstellt; vgl. dazu den Kritischen Beitrag von Werner Bellmann, in: Wirkendes Wort 62 (2012) Heft 3, S. 497–504.