Heinrich Brugsch

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Fotografie von Heinrich Brugsch kurz vor seinem Tode

Heinrich Ferdinand Karl Brugsch (* 18. Februar 1827 in Berlin; † 9. September 1894 in Charlottenburg; auch Heinrich Brugsch-Pascha genannt) war ein deutscher Ägyptologe.

Leben[Bearbeiten]

Heinrich Brugsch wurde als Sohn einer preußischen Soldatenfamilie geboren. Seine Eltern Ernst Wilhelm und Dorothea planten für ihn zunächst eine Taufe nach evangelischem Bekenntnis, doch nach dem Willen seines schlesischen Großvaters Johann Karl Brugsch empfing Heinrich schließlich als Katholik das Taufsakrament.[1]

Heinrich entwickelte schon sehr früh ein Interesse für die Werke griechischer Historiker und die Schilderungen in der Bibel. Er besuchte das Französische Gymnasium Berlin, wo er einem einstigen Kriegskameraden seines Vaters, dem äußerst strengen Ordinarius Kohlheim, unterstellt war. Ende des Schuljahres 1834 bekam Brugsch ein schlechtes Zeugnis ausgestellt und wechselte daraufhin ins Köllnische Realgymnasium, wo er sich zu einem wahren Musterschüler entwickelte. Von seinen Lehrern gezielt gefördert und zur Leistung motiviert, entwickelte er zeitgleich ein starkes Interesse an der Kultur des Alten Ägypten.[1]

Die königliche Sammlung ägyptischer Altertümer im Schloss Monbijou suchte Brugsch häufig auf und begann sich dort die Grundlagen der altägyptischen Schrift und Sprache beizubringen. Der Direktor des Museums, Giuseppe Passalacqua, förderte die Bemühungen des jungen Enthusiasten und machte ihm seine Bibliothek zugänglich. Die hilfreiche Unterstützung veranlasste Heinrich, sich mit der Verfassung einer Grammatik des Demotischen zu beschäftigen.[1]

Karl Richard Lepsius wurde auf den jungen Gymnasiasten aufmerksam und suchte dessen Elternhaus auf, um Erkundigungen über ihn einzuholen. Vermutlich wegen seiner persönlichen Abneigung gegenüber Passalacqua stufte Lepsius Brugsch jedoch nur als mittelmäßigen Schüler ohne viel Potential ein.[1]

1845 trat Brugsch in die Burschenschaft Teutonia Berlin ein.[2] Trotz unregelmäßigen Schulbesuchs bestand Brugsch 1848 nicht nur das Abitur am Köllnischen Gymnasium, sondern er konnte noch im selben Jahr seine erste Schrift Scriptura Aegyptiorum demotica veröffentlichen, in der er sich selbst als Discipulus primae classis gymnasii realis bezeichnete. Darin stilisierte er sich zum genialen Entzifferer der demotischen Schrift, allerdings konnte er dazu auf Vorarbeiten Thomas Youngs zurückgreifen. König Friedrich Wilhelm IV. und Alexander von Humboldt wurden auf ihn aufmerksam und förderten Brugsch auf jede nur mögliche Weise. Ein Versuch Brugschs, bereits vor Ablegung des Abiturs bei Karl Richard Lepsius Vorlesungen zu besuchen, wurde von Lepsius abgelehnt. Auch später konnte das Verhältnis zu Lepsius nicht verbessert werden.

Derart unterstützt, konnte er fast ohne Sorgen Studienreisen nach Paris, London und Turin unternehmen. Er nahm seine Studien der Philologie und Archäologie in Berlin auf und konnte nach dem Abschluss auf Kosten des Königs 1853 eine wissenschaftliche Reise nach Ägypten unternehmen. Hier traf er auf den französischen Forscher Auguste Mariette, der bei Memphis Ausgrabungen durchführte.

1851 heiratete Brugsch in Berlin Pauline Harcke; mit ihr hatte er eine Tochter und drei Söhne,[3] nach anderen Angaben zwei Töchter und vier Söhne.[4] Einer der Trauzeugen war Alexander von Humboldt.

1854, nach seiner Rückkehr, habilitierte er sich an der Berliner Universität mit einer Arbeit über die Hegelsche Philosophie. Neben seiner Berufung zum Privatdozenten wurde er auch Assistent am Ägyptischen Museum , das damals von Giuseppe „Joseph“ Passalacqua geleitet wurde.

Eine zweite Reise führte ihn 1857 bis 1858 wieder nach Ägypten. Deren Ergebnisse wurden zwischen 1857 und 1860 veröffentlicht und schufen damit Grundlagen für die gesamte Forschung der vorgriechischen Geografie Ägyptens und seiner Nachbarländer.

In amtlicher Eigenschaft begleitete er eine preußische Gesandtschaft unter Leitung des Freiherrn Julius von Minutoli nach Persien (Mai 1860 bis Juni 1861). 1864 begründete Brugsch in Berlin die Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde, die bis heute die älteste ägyptologische Fachzeitschrift ist.

Im Herbst 1864 wurde Brugsch zum preußischen Konsul in Kairo ernannt.

1867 gab er sein Hieroglyphisch-demotisches Wörterbuch heraus, das in Leipzig verlegt wurde. Im Vorwort zu diesem groß angelegten vierbändigen Werk (1728 Seiten) fühlte Brugsch sich noch gezwungen, sich gegen den Vorwurf zu verteidigen, dass sein Vorhaben verfrüht sei, da die Bedeutung vieler Wörter noch viel zu ungewiss wäre. Die Zahl der Lemmata war auf 4650 angestiegen und alphabetisch nach ihrer Transkription geordnet. Brugsch ging einfach davon aus, dass die Benutzer seines Wörterbuchs gelernt haben sollten, die altägyptischen Schriften zu lesen und zu transkribieren. Für diese Transkription nutzte er nicht mehr die koptischen Buchstaben wie Jean-François Champollion, sondern lateinische mit diakritischen Zeichen. Brugsch hatte hieroglyphisch-hieratisches und demotisches Material gleichermaßen berücksichtigt. Schon 13 Jahre später (1880–1882) vervollständigte er sein Wörterbuch mit drei weiteren Bänden, mit kaum weniger (1418) Seiten als die ersten vier und mit gleich vielen teils neuen, teils überarbeiteten Lemmata. [5]

1868 kehrte Brugsch nach Deutschland zurück, wo er in zweiter Ehe Antonie Verständig heiratete (aus der Ehe gingen weitere fünf Söhne hervor, darunter der Arzt Theodor Brugsch)[4] und an der Universität Göttingen eine Professur für Ägyptologie erhielt. Hier konnte er sich aber nur schwer in den Wissenschaftsbetrieb einleben, und so folgte er 1870 der Aufforderung des Vizekönigs von Ägypten, Ismail Pascha, die Leitung der in Kairo errichteten Ecole d'Égyptologie zu übernehmen. Dabei begleitete ihn sein Bruder Emil Brugsch.

Grabstein von Heinrich Brugsch

1873 wurde er in den Rang eines Bey erhoben. Im selben Jahr vertrat Brugsch Ägypten auf der Weltausstellung in Wien. Vier Jahre später, 1877, repräsentierte er dieses Land auch auf der Industrieausstellung in Philadelphia.

Nachdem der Vizekönig gestürzt worden war, kehrte Brugsch 1879 wieder nach Berlin zurück. Er hoffte, zum Nachfolger Auguste Mariettes im Antikendienst Ägyptens ernannt zu werden, allerdings wurden bis zu Nassers Zeiten nur Franzosen eingesetzt.

1881 erhielt er von Tawfiq, Sohn und Nachfolger von Ismail Pascha als Vizekönig, den Titel Pascha. Im selben Jahr begleitete er den Kronprinzen von Österreich, Rudolf von Habsburg, nach Philae. Die Jahre 1882 und 1883 verbrachte er mit Prinz Friedrich Karl Nikolaus von Preußen auf Reisen durch Ägypten und Syrien.

Zurück in Berlin, sah man Brugsch als Privatdozent an der Universität. 1884 wurde er gebeten, als Mitglied einer deutschen Gesandtschaft nach Persien zu reisen. Dort war er als Legationsrat am Hofe des Schahs akkreditiert.

1891 und 1892 kehrte er ein letztes Mal nach Ägypten und in die Libysche Wüste zurück, um im staatlichen Auftrag ägyptische Altertümer zu erwerben.

Im Alter von 67 Jahren starb Heinrich Brugsch am 9. September 1894 in Charlottenburg. Er wurde auf dem evangelischen Luisenfriedhof III begraben. Als Grabstein fungierte der Deckel eines Sarkophages aus dem ägyptischen Alten Reich.

Publikationen[Bearbeiten]

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Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heinrich Brugsch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Heinrich Brugsch – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Thomas Gertzen: Der ‚Große‘ (1827–1894) und der ‚Kleine‘ (1842–1930) Brugsch. In: Kemet. Heft 4/2007, S. 78–80.
  2. Helge Dvorak: Biografisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I: Politiker, Teilband 1: A–E. Heidelberg 1996, S. 146.
  3. Theodor Brugsch, Geschichte einer Gelehrtenfamilie. Verlag der Nationen, Berlin 1986, ISBN 3-373-00073-4
  4. a b Friedrich Wilhelm von BissingBrugsch, Heinrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 667 f. (Digitalisat).
  5. Peter Dils, Das Projekt Altägyptisches Wörterbuch und die Geschichte der altägyptischen Wortforschung, in: Denkströme. Journal der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, Heft 4 (2010), S. 149-150