Heinrich Clauren

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Heinrich Clauren

Heinrich Clauren (* 20. März 1771 in Dobrilugk (Lausitz); † 2. August 1854 in Berlin; eigentlich Carl Gottlieb Samuel Heun) war ein deutscher Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Carl Gottlieb Samuel Heun, Sohn eines Amtmanns und Rittergutbesitzers, widmete sich schon während des Studiums dem Schreiben. Für sein literarisches Schaffen benutzte er das Pseudonym H. Clauren, ein Anagramm für Carl Heun. Sein Studium der Rechte in Göttingen und Leipzig 1788-1790 schloss Clauren mit einer Promotion in Jura an der Universität Leipzig ab.

Im Anschluss daran nahm er in Berlin eine Stelle als Privatsekretär bei Minister von Heynitz an. 1792 wurde er Geheimsekretär in einer Abteilung des Generaldirektoriums des preußischen Staates. Einige Zeit später wurde er als Assessor zum Bergwerk- und Hüttenamt versetzt. 1800 erlangte er den Titel eines Kommissionsrats.

Ein Jahr zuvor heiratete Clauren in Leipzig Henriette Breitkopf. Mit ihr hatte er einen Sohn.

Heun trat schon als Student 1791 der Freimaurerloge Minerva zu den drei Palmen in Leipzig bei. 1803 wurde er Mitglied der Freimaurerloge Archimedes zum Reißbret in Altenburg, um 1805 die Loge Archimedes zum ewigen Bunde in Gera mit zu gründen, der er bis zu seinem Tod angehörte; er blieb zugleich Ehrenmitglied der Minerva. [1]

In den Jahren 1801 bis 1810 verwaltete er die Güter des Kanonikus von Treskow in den polnischen Provinzen. Zur selben Zeit war er auch stiller Teilhaber eines Leipziger Buchhändlers und Mitherausgeber der Jenaer Allgemeinen Literatur-Zeitung. 1810 kehrte Clauren nach Berlin zurück, wurde Hofrat bei Karl August von Hardenberg, Redakteur der im preußischen Hauptquartier erscheinenden Feldzeitung und nahm an den Feldzügen 1813/14 im Hauptquartier teil. 1813 erschien sein Lied Der König rief und alle, alle kamen/ Die Waffen muthig in der Hand, dessen Anfangszeile zum geflügelten Wort wurde. 1814 wurde er Ritter des Eisernen Kreuzes. 1815 wohnte er dem Wiener Kongress bei. Zwischen 1815 und 1819 war er preußischer Geschäftsträger in Sachsen und übernahm 1820 den Posten des Redaktionsleiters der Allgemeinen Preußischen Staatszeitung. Ab 1824 war er als Geheimer Hofrat beim Generalpostamt angestellt.

Claurens Erfolg als Literat begann mit der (in Fortsetzungen erschienenen) Erzählung Mimili (1816), einer Liebesgeschichte zwischen einem mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichneten deutschen Offizier und einer Bergbauerntochter im Berner Oberland, die sich der seit Jean-Jacques Rousseaus Briefroman Julie oder Die neue Heloise modischen Romantisierung der Schweizer Alpenwelt und ihrer Bewohner bedient und wie die Vorlage den Kampf der Tugend gegen das Begehren beschreibt. Er war ein Vielschreiber, der Serien von Romanen und Erzählungen verfasste. Allein die 1827-1830 erschienenen Schriften umfassen rund 7.200 Seiten. Es erschienen Übersetzungen in mehrere Sprachen; eine in Blackwood's Edinburgh Magazine 1828 erschienene (sehr freie) Übersetzung der Erzählung Das Raubschloss soll Edgar Allan Poe zu seiner Novelle The Fall of the House of Usher angeregt haben. [2]

1825/26 – Clauren war mittlerweile einer der meistgelesenen deutschen Romanciers – kam es zu einem literarischen Skandal, als Wilhelm Hauff, als persiflierenden Frontalangriff auf die zeitgenössische Trivialliteratur insgesamt, in der Manier Claurens und unter dessen Pseudonym einen Roman veröffentlichte: Der Mann im Mond oder Der Zug des Herzens ist des Schicksals Stimme. Hauff verschärfte den Angriff nochmals mit der 1827 veröffentlichten Kontroverspredigt über H. Clauren und den Mann im Monde, in der er die Absicht seiner Parodie, Clauren lächerlich zu machen, offenlegte und die Trivialität der Inhalte und des Schreibstils von Clauren bewusst polemisch analysierte.

Dem Erfolg des Angegriffenen beim zeitgenössischen Publikum schadete dies allerdings nicht: Bis 1834 veröffentlichte Clauren jährlich einen neuen Band seines Vergißmeinnicht; insgesamt 26 Bände. Auch seine Sammlung Scherz und Ernst erfreute sich schier ungebremster Nachfrage und wuchs schlussendlich auf 40 Bände.

Ungefähr seit neun Jahren Witwer, heiratete Clauren 1831 in Berlin Friederike Sophie Hambrauer. Mit ihr hatte er zwei Töchter. Er starb als Geheimer Hofrat mit 83 Jahren in Berlin.

Der Leipziger Buchhändler und Verleger Georg Joachim Göschen war mit Claurens Schwester verheiratet.

Werk[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ursula Fritzen-Wolf: Trivialisierung des Erzählens: Claurens „Mimili“ als Epochenphänomen. Lang, Frankfurt am Main 1977, ISBN 3-261-02204-3
  • Wilhelm Hauff: Controvers-Predigt über Heinrich Clauren und den Mann im Mond. Franckh, Stuttgart 1827
  • Heinz Liebing: Die Erzählungen H. Claurens (Carl Heuns) als Ausdruck der bürgerlichen Welt- und Lebensauffassung in der beginnenden Biedermeierzeit. edb, Halle 1931
  • Jacob Achilles Mähly: Clauren, Heinrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 4, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 281 f.
  • Karl Richter: Clauren, Heinrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. 267 f. (Digitalisat).
  • Gustav Sichelschmidt: Liebe, Mord und Abenteuer. Eine Geschichte der deutschen Unterhaltungsliteratur. Berlin 1969 (S. 119-122)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heinrich Clauren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lennhoff/Posner: Internationales Freimaurerlexikon. Unveränd. Nachdruck der Ausg. 1932. Wien, München 1975, Sp. 695. W. F. Kunze: Die Mitglieder der… Loge Minerva zu den drei Palmen… Leipzig 1860, S. 24. Robert Fischer: Die Freimaurerloge Archimedes zum ewigen Bunde in Gera. Gera 1904, S. 203, 216.
  2. Gerhard Schulz: Die deutsche Literatur zwischen französischer Revolution und Restauration, Teil 2. München 1989, S. 541. Weniger eindeutig Kuno Schumann: Anmerkung zu 'Der Fall des Hauses Ascher', in: Poe, Werke, dt. Schmidt/Wollschläger. Olten 1966, S. 1027.
  3. Susanne M. Zantop: Kolonialphantasien im vorkolonianen Deutschland (1770-1870), Erich Schmidt Verlag, 1999, S. 305, ISBN 3-503-04940-1, abgerufen am 15. Februar 2013
  4. Plakat des Theater in Düsseldorf vom 26. November 1824, abgerufen am 15. Februar 2013