Heinrich Danioth

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Heinrich Danioth (* 1. Mai 1896 in Altdorf; † 3. November 1953 in Flüelen) war ein Schweizer Maler und Dichter.

Leben[Bearbeiten]

Teufelsbild in der Schöllenen
Wandbild «Fundamentum» am Bundesbriefmuseum in Schwyz

Nach der künstlerischen Grundausbildung, welche er sich ab 1912 im Atelier von Rudolf Löw (1878–1948) in Basel sowie in Abendkursen an der dortigen Gewerbeschule erwarb, begann er 1916 als freier Künstler im eigenen Atelier im Vaterhaus in Altdorf zu arbeiten. Nach dem Aktivdienst gab er 1919 eine Anstellung als Kirchenmaler im Oberwallis «aus künstlerischen Gewissensgründen» auf. 1920 und 1921 folgten Aufenthalte in Rom. 1925 besuchte er die Meisterklasse des deutschen Expressionisten August Babberger an der badischen Landeskunstschule in Karlsruhe.

Dieses Kunststudium gab seinem Kunstschaffen eine entscheidende Wendung, und nach seiner Rückkehr in die Schweiz 1927 führte im traditionalistischen Kanton Uri den Expressionismus ein. Anfänglich folgte Danioth den Kompositionsprinzipien Ferdinand Hodlers und einer expressionistischen Formensprache. Die formale Beeinflussung durch Babberger war so extrem, dass sie für Danioth über längere Zeit zu einer zwanghaften Belastung wurde, aus der er sich in jahrelangen Bemühungen wieder zu befreien suchte. Gleichzeitig musste sich Danioth gegen das Etikett des «Heimatmalers» wehren, das ihm oft angehängt wurde.

1929 nahm Danioth Wohnsitz in Flüelen und baute 1932 am Urnersee sein eigenes Haus im Geist des modernen Bauens – Sichtbeton, mit Flachdach, durchgehenden Räumen, ohne Türen im Innern – wodurch er die Gemüter seiner Mitbürger nachhaltig erregte. Hier wirkte er bis zu seinem Tod.

In Flüelen entstanden Danioths reifste Werke, welche die Innerschweizer Malerei wesentlich prägten. In seinem Wohnort Flüelen ist auch eines seiner schönsten Wandbilder zu bewundern: die bekannte «Föhnwacht» im Wartesaal des SBB-Bahnhofes. Zu seinen bekanntesten Werken gehören auch das Wandbild «Fundamentum» zum Bundesbriefmuseum in Schwyz, das Felswandbild über der Teufelsbrücke bei Andermatt (1950) sowie in Altdorf die Wandbilder «Tellsprung» und «Rütlischwur» am Tellspielhaus und das Wandbild an der Fassade Lehnplatz (1927)[1]. Das Felswandbild über der Teufelsbrücke wurde versetzt mit dem Bau der neue Kantonsstrasse (ca. 1958).

Der «Berufssatiriker», wie er sich nannte, war auch als Zeichner und Illustrator tätig. 15 Jahre war er für die Satirezeitschrift Nebelspalter tätig und wirkte mit träfen Werken in Bild und Sprache in jenen Zeiten auch gegen den Faschismus.[2] Er schuf Plakate, Glasmalereien und Tafelbilder und arbeitete zudem als Theatermaler.

Danioth war auch schriftstellerisch tätig. Neben ausführlichen Tagebüchern verfasste er Schnitzelbänke für die Fasnacht und satirische Verse. Gegen Ende seines Lebens entstanden rein literarische Texte. Das bekannteste Werk des Dichters Danioth ist das «Urner Krippenspiel» aus dem Jahr 1945. 1951 verfasste er das Hörspiel «Der sechste von den sieben Tagen». Hierfür erhielt er postum auf dem Friedhof in Flüelen den Radiopreis der Innerschweiz[3] – eine missglückte Operation an einem Hirntumor führte 1953 zu seinem frühen Tod. Der Schweizer Regisseur Felice Zenoni (Mesch & Ugge) zeigt das Wirken Danioths in einem Dokumentarfilm, der Anfang 2015 in die Kinos kam[4].

Stiftungen[Bearbeiten]

1963 wurde in Altdorf die Stiftung Danioth-Ring gegründet, die heute «Kunst- und Kulturverein Uri» heisst.

1990 wurde in Altdorf die Dätwyler Stiftung gegründet. Sie setzt im Rahmen ihrer Kunstförderung die bisherige Pflege des Werks von Heinrich Danioth durch die Stifter fort. 2009 wurde der Danioth-Pavillon eingeweiht. Darin soll das umfassende Werk von Heinrich Danioth der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans von Matt, Danioth-Ring (Hg.): Heinrich Danioth, eine Monographie in drei Bänden. Zürich 1973.
  • Eva-Maria Müller: Heinrich Danioths literarisches Werk. Spiegel seines Wesens und der magischen Welt. Dissertation, Altdorf 1988.
  • Beat Stutzer, Joseph Bättig, Karl Iten: Heinrich Danioth. 1896–1953. Leben und Werk. Zürich 1996, ISBN 978-3-85823-606-7.
  • Werner Wüthrich: Heinrich Danioth. In: Andreas Kotte (Hrsg.): Theaterlexikon der Schweiz. Band 1, Chronos, Zürich 2005, ISBN 3-0340-0715-9, S. 431.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Presseheft zum Dokumentarfilm «Danioth – der Teufelsmaler» und Kurzbiografie
  2. Haus für Kunst Uri
  3. Er malte den Teufel an die Wand, Brigitte 01/2015, Ausgabe Schweiz, S.6
  4. Filmbeschreibung & Kurztrailer der Produktionsfirma Mesch & Ugge

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heinrich Danioth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien