Heinrich Förster (Bischof)

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Porträt des Bischofs Heinrich Förster
Heinrich Förster, Stich um 1860
Bischofswappen

Heinrich Förster (* 24. November 1799 in Glogau; † 20. Oktober 1881 in Johannesberg) war Fürstbischof von Breslau.

Herkunft und Werdegang[Bearbeiten]

Seine Eltern waren der Malermeister Johann Kasper Förster und Marianne, geborene Rittler. Von 1821 bis 1824 studierte er Theologie an der Leopoldina. Hier wurde er 1821 Mitglied der Burschenschaft Arminia Breslau (heute Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks). Nach der Priesterweihe 1825 wirkte er als Kaplan in Liegnitz und 1828–1837 als Pfarrer in Landeshut, wo er seinen Ruf als guter Prediger begründete. Wohl deshalb wurde er 1837 als Domprediger und Domherr an die Breslauer Kathedrale berufen. 1843 promovierte er zum Dr. theol.

Im Gegensatz zur regierungsfreundlichen Haltung des damaligen Bischofs Leopold von Sedlnitzky vertrat er im Mischehenstreit den kirchlichen Standpunkt. In seinen Predigten befasste er sich auch mit politischen Themen, wie z. B. dem Deutschkatholizismus, den er ablehnte, oder der Märzrevolution.

1848 wurde Förster in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt. Auf der Würzburger Synode der ersten Deutschen Bischofskonferenz vertrat er den Breslauer Bischof Melchior von Diepenbrock und verfasste in deren Auftrag einen wegweisenden Hirtenbrief. Nach Diepenbrocks Tod 1853 wurde Förster zum Kapitularvikar ernannt.

Bischof von Breslau[Bearbeiten]

Am 19. April 1853 wählte das Breslauer Domkapitel Heinrich Förster zum Bischof. Nach der Bischofsweihe vom 18. Oktober setzte er die von seinem Vorgänger begonnenen Maßnahmen zur religiösen Erneuerung fort. In seine Amtszeit fällt die Gründung des Neisser Knabenkonvikts, der Bau der Michaeliskirche in Breslau, die Gründung der Kongregation der Marienschwestern, der Einzug der Schwestern vom Guten Hirten in die Diözese und der Ausbau des Vereinslebens. Für den Klerus hielt er Diözesanversammlungen ab.

1869–1870 nahm er am Vatikanischen Konzil teil, bei dem er zur Opposition gegen die Definition des Unfehlbarkeitsdogmas gehörte. Mit 87 anderen Bischöfen stimmte er gegen die Definition und verließ am 17. Juli 1870 Rom. Die durch das Dogma ausgelöste Abspaltung der Altkatholiken, die auch von einzelnen Mitgliedern der Breslauer Katholischen Fakultät unterstützt wurde, konnte er nicht verhindern.

Entschiedenen Widerstand leistete Förster gegen die von der Regierung geplanten Kirchengesetze im Kulturkampf, in dem er wegen Exkommunikation regierungsfreundlicher Priester und unliebsamer Pfarrbesetzungen mehrmals zu Geldstrafen verurteilt wurde. Vom Breslauer Oberpräsidenten wurde er zur Niederlegung des Bischofsamtes aufgefordert, und nachdem er dieses abgelehnt hatte, wurde gegen ihn eine Voruntersuchung eingeleitet.

Wegen der drohenden Gefangennahme begab er sich am 6. Mai 1875 – drei Wochen nach seinem Goldenen Priesterjubiläum – in die Sommerresidenz nach Jauernig im österreichischen Bistumsteil seiner Diözese. Am 6. Oktober 1875 verfügte der staatliche Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten Försters Absetzung. Obwohl er seinen Lebensabend im Exil verbringen musste, konnte er nach seinem Tod im Breslauer Dom beigesetzt werden.

Briefe[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

  • Der Ruf der Kirche in die Gegenwart. Zeitpredigten auf die Sonntage des Kirchenjahres. 2 Bände, 1848 f.
  • Gesamte Predigten. 6 Bände, 1848 ff.
  • Gesamte Hirtenbriefe 1853–1878. 2 Bände, 1880

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heinrich Förster (Bischof) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Fritz Reuter Literaturarchiv Berlin
Vorgänger Amt Nachfolger
Melchior von Diepenbrock Bischof von Breslau
1853–1881
Robert Herzog