Heinrich IV. (Drama)

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Heinrich IV. ist ein Historiendrama in zwei Teilen in Versen und Prosa von William Shakespeare, entstanden 1596/97. Die Titelfigur ist der englische König Heinrich der Vierte (1366/67−1413). Beide Teile wurden 1597 uraufgeführt.

Einordnung[Bearbeiten]

Heinrich IV. bildet mit seinen beiden Teilen die Mitte der Lancaster-Tetralogie. Stofflich und entstehungsgeschichtlich geht dem Drama Richard II. voran, gefolgt von dem Doppeldrama Heinrich IV., während Heinrich V. den Abschluss bildet. Der Historienzyklus behandelt die Kämpfe zwischen den Adelsfamilien York und Lancaster in dem geschichtlichen Zeitraum von 1398 bis 1422. Henry Bolingbroke, der spätere Heinrich IV., aus dem Hause Lancaster setzt den legitimen aber unfähigen König Richard II. ab, lässt ihn ermorden, besteigt an seiner Stelle den Thron und begründet die Lancaster-Dynastie, indem er seine Feinde mit allen Mitteln bekämpft und sein Sohn als Heinrich V. die Nachfolge antreten kann. Aus diesem Königshaus entwickelte sich die Tudor-Dynastie, deren Vertreterin Elisabeth I. zur Zeit Shakespeares Königin war. Damit war der Stoff zur Zeit Shakespeares von allgemeinem Interesse.[1]

Vorlagen[Bearbeiten]

Shakespeares wichtigste Quelle für Henry IV. war das von ihm für alle britischen Historien benutzte Geschichtswerk von Raphael Holinshed, die Chronicles of England, Scotland and Ireland, in der Fassung von 1587. [2]

Handlung[Bearbeiten]

Das Stück spielt in England in der Zeit von 1402 bis 1413. König Heinrich IV. ist bemüht, sein Königtum, das er durch Gewalt an sich gerissen hat, zu legitimieren. Dies wird durch die Eskapaden seines Sohnes Prinz Heinrich erschwert, der sich vom Hof fernhält und dafür mit dem melancholischen und hemmungslosen Ritter Sir John Falstaff durch die Wirtshäuser zieht. Als der Vater ihm ins Gewissen redet, besinnt sich Prinz Heinrich und bekämpft erfolgreich die Rebellen. Nachdem Prinz Heinrich nach dem Tode seines Vaters König geworden ist, sagt er sich von Falstaff und seinen ehemaligen Zechkumpanen los und verleugnet diese.

Ausgaben[Bearbeiten]

Titelblatt des ersten Quarto 1598.

Der erste Teil erschien 1598 in einer ersten Quartausgabe mit dem Titel: The Historie of Henrie the Fourth: with the Battell at Shrewsburrie, between the King and Lord Henry Percy, surnamed Henrie Hotspur of the North. With the humorous conseits of Sir John Fallstaffe. (Die Geschichte Heinrichs IV. mit der Schlacht von Shrewsbury zwischen dem König und Lord Heinrich Percy, genannt Heinrich Heißsporn aus dem Norden, und mit den spaßigen Einfällen des Sir John Fallstaff.) Der zweite Teil erschien 1600 in zwei Quartausgaben. Der Titel lautete: The Second Part of Henrie the fourth, continnuing to his death, and coronatian of Henrie the fift. With the humours of Sir John Fallstaffe, and swaggering Pistoll. (Der zweite Teil von Heinrich IV., fortgeführt bis zu seinem Tode und mit der Krönung von Heinrich V., mit den Späßen von Sir John Fallstaff und den Angebereien von Pistoll.) Die Folio-Ausgabe Comedies, Histories and Tragedies mit beiden Teilen folgte 1623 (herausgegeben von J. Heminge und H. Condell). Die wichtigste Übersetzung lieferte im Jahr 1800 August Wilhelm Schlegel („Dramatische Werke“, Mannheim 1800).[3]

Aufführungen[Bearbeiten]

Die deutsche Erstaufführung erfolgte, in bearbeiteter Fassung, 1778 in Hamburg. Heute wird das Stück eher selten aufgeführt. Schon im frühen 17. Jahrhundert tendierten die Inszenierungen dazu, die beiden Teile in verkürzter Form zusammenzufassen und so die beiden Hauptfiguren Prinz Heinrich und Falstaff weiter zu betonen. Eine solche, auf 25 Szenen reduzierte Version, führte beispielsweise das Schauspielhaus Bochum im Jahre 2005 mit Katharina Thalbach in der Rolle des Falstaff auf. Bekannte Darsteller des Falstaff in Deutschland waren Heinrich George, Hermann Schomberg und Will Quadflieg.

Verfilmungen[Bearbeiten]

  • Falstaff – Glocken um Mitternacht. Regie Orson Welles, Spanien 1965 (Collage aus mehreren Stücken Shakespeares).

Vertonungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Textausgaben Deutsch (König Heinrich IV. Teil 1.)
  • William Shakespeare: King Henry IV, Part I. König Heinrich IV., Teil I. Herausgegeben, übersetzt und kommentiert von Wilfrid Braun. Englisch-deutsche Studienausgabe. Stauffenberg Verlag. Tübingen, 2. verb. Aufl. 2013. ISBN 978-3-86057-571-0
  • William Shakespeare: King Henry IV, Part 1. Heinrich IV., Teil 1. Holger M. Klein (Herausgeber, Übersetzer). Reclam 2013. ISBN 978-3-15-019048-7
Textausgaben Deutsch (König Heinrich IV. Teil 2.)
  • William Shakespeare: König Heinrich IV. Teil 2. King Henry IV. Part 2. Hrsg. und übersetzt von Frank Günther und Anne-Julia Zwierlein. Cadolzburg Ars vivendi 2004. ISBN 978-3-89716-173-3
  • William Shakespeare: King Henry IV, Part 2. Heinrich IV., Teil 2. Holger Klein (Herausgeber, Übersetzer). Reclam 2013. ISBN 978-3-15-019105-7
Textausgaben Englisch (King Henry IV. Part 1.)
  • William Shakespeare: King Henry IV. Part 1. The Arden Shakespeare. Third Series. Edited by David Scott Kastan. 2002. ISBN 978-1-904271-35-2
  • William Shakespeare: Henry IV, Part I. Oxford Shakespeare (Oxford World's Classics). Edited by David M Bevington. OUP 2008. ISBN 978-0-19-953613-9
  • William Shakespeare: The First Part of King Henry IV. The New Cambridge Shakespeare. Edited by Herbert Weil and Judith Weil. CUP 2007. ISBN 978-0-521-68743-0
Textausgaben Englisch (King Henry IV. Part 2.)
  • William Shakespeare: King Henry IV Part 2. The Arden Shakespeare. Second Series. Edited by A. R. Humphreys. London 2008. ISBN 978-1-904271-06-2
  • William Shakespeare: Henry IV, Part II. Oxford Shakespeare. Edited by René Weis. OUP 2008. ISBN 978-0-19-953713-6
  • William Shakespeare: The Second Part of King Henry IV. The New Cambridge Shakespeare. Edited by Giorgio Melchiori. CUP 2007. ISBN 978-0-521-68950-2
Sekundärliteratur
Sonstige
  • David Bevington: The Complete Works of Shakespeare. Chicago 1997.
  • George Duthie: Shakespeare. London 1954.
  • F. E. Halliday: A Shakespeare Companion 1564-1964. Baltimore 1964.
  • Rudolf Radler (Chefredaktion): „Kindlers neues Literaturlexikon“, München 1988.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Englischsprachige Wikipedia
  2. Heinrich V.
  3. Rudolf Radler (Chefredaktion): „Kindlers neues Literaturlexikon“, München 1988.