Heinrich Julius Klaproth

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Heinrich Julius Klaproth (* 11. Oktober 1783 in Berlin; † 28. August 1835 in Paris) war ein deutscher Orientalist, Sinologe und Forschungsreisender.

Leben[Bearbeiten]

Sein Vater war der Chemiker Martin Heinrich Klaproth.

Julius Klaproth widmete sich gegen den Willen seines Vaters früh dem Studium der asiatischen Sprachen, besonders der chinesischen, machte sich durch Herausgabe des „Asiatischen Magazins“ (Weimar 1802 f.) zuerst bekannt, ward darauf als Adjunkt der Akademie für die asiatischen Sprachen nach Sankt Petersburg berufen. Er begleitete 1805 den Grafen Fjodor Alexejewitsch Golowin, der als Gesandter nach China gehen sollte, aber an der Grenze wieder umkehren musste, und setzte dann im Auftrag der Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg seine Forschungen über die Stammvölker Asiens in den Kaukasusländern fort.

Er veröffentlichte die Ergebnisse in Reise in den Kaukasus und Georgien in den Jahren 1807 und 1808 (Halle 1812–14, 2 Bde.; französische Ausgabe mit vielen Ergänzungen, Paris 1823) und Archiv für die asiatische Literatur, Geschichte und Sprachkunde (Petersburg 1810, Bd. 1). Nachdem Klaproth 1812 seinen Abschied genommen, ließ er sich 1815 in Paris nieder, wo er 1816 zum Professor der asiatischen Sprachen ernannt wurde und am 28. August 1835 starb.

Klaproth kritisierte zu Unrecht die Arbeiten des französischen Sprachwissenschaftlers Jean-François Champollion zur Entzifferung der ägyptischen Hieroglyphen auf der Grundlage der Analyse des dreisprachigen Textes auf dem Stein von Rosetta.

Sein wissenschaftliches Werk galt bereits 1911 (Encyclopaedia Britannica) als völlig überholt und ist nur noch von literarischem Interesse. U.a. vertrat Klaproth die Auffassung, dass die von Platon beschriebene Insel Atlantis im westlichen Mittelmeer gelegen und die Inseln Sardinien, Korsika und Menorca umfasst habe.[1]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Leichenstein auf dem Grabe der Chinesischen Gelehrsamkeit des Herrn Joseph Hager. Halle: Waisenhausdruckerei 1811.
  • Abhandlung über die Sprache und Schrift der Uiguren. Hamburg: Buske, 1985. Unveränd. Nachdr. d. Ausg. Paris, Königl. Druckerei, 1820. Mit e. Vorw. von Wolfgang-Ekkehard Scharlipp.
  • Kurilen oder Aino. Bochum: Adami, 1984, [Nachdr. d. Ausg.] Schubart, Paris, 1823.
  • Asia polyglotta" (Paris 1823, nebst Sprachatlas), worin er die Verzweigungen der asiatischen Völker in ihrer Stammverwandtschaft nachweist;
  • Tableaux historiques de l’Asie. Paris 1823, 4 Bde. mit Atlas.
  • Collections d’antiquités égyptiennes. Paris 1829.
  • Examen critique des travaux du feu M. Champollion sur les hiéroglyphes. Paris 1832.
  • San Kokf Tsou Ran To Sets ou Aperçu général des trois royaumes, traduit de l’original japonais-chinois. Paris 1832.[2]
  • Mémoires relatifs à l’Asie. Paris 1834, 2 Bde.
  • Lettre à M. le baron A. de Humboldt sur l’invention de la boussole . Deutsche Übersetzung von Dr. Armin Wittstein: Julius Klaproth’s Schreiben an Alexander von Humboldt über die Erfindung des Kompasses. Leipzig: Weigel 1885.
  • Annales des empereurs du Japon (Nihon Ōdai Ichiran). Paris 1834.[3]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Atlantisforschung.de, abgerufen 16. Januar 2014.
  2. Kommentierte und ergänzte Übersetzung eines Werkes von Hayashi Shihei, Faksimile-Reproduktion in der Werksausgabe, Bd. 2, Tokio 1979. Der in Kapital gedruckte Teil des Titels ist die Lautumschrift des Originaltitels Sankoku Tsūran Zusetsu, d.i. Bebilderte Beschreibung dreier Länder
  3. Pouillon, François (2008). Dictionnaire des orientalistes de langue française, p. 542.