Heinrich Kiepert

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Heinrich Kiepert
Heinrich Kiepert

Johann Samuel Heinrich Kiepert (* 31. Juli 1818 in Berlin; † 21. April 1899 ebenda) war ein deutscher Geograph und Kartograph.

Leben[Bearbeiten]

Heinrich Kiepert wurde in Berlin als Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns geboren. Bereits in seiner Jugend interessierte er sich auf Reisen mit seinen Eltern für geographische Örtlichkeiten, die er sorgfältig skizzierte. Zu den Freunden der Familie zählte u.a. der Historiker Leopold von Ranke, der den Eltern empfahl, die angeborene Begabung des Jungen zu fördern. Im Joachimthalischen Gymnasium war der Lehrer und Direktor des jungen Kiepert der Philologe August Meineke, der Kiepert für die klassische Antike begeisterte. In dieser Zeit bemängelte Kiepert bereits die fehlerhafte Ausführung historischer Karten in Schulbüchern. Er fand seine letzte Ruhe auf dem Alten St. Jacobi-Friedhof in Berlin-Neukölln in einem Ehrengrab der Stadt Berlin im Feld JCI-61/62, G3.

Studium und erste kartografische Arbeiten[Bearbeiten]

Seit 1836 studierte er in Berlin Klassische Philologie bei Karl Gottlob Zumpt, August Böckh und besuchte nebenbei Vorlesungen über Geographie bei Carl Ritter, mit dem ihm bald eine Freundschaft verband. Ritter regte ihn auch dazu an, seine ersten historischen Karten zu veröffentlichen. Durch seine Vermittlung wurde er zudem mit dem US-amerikanischen Theologen Edward Robinson, Begründer der modernen, wissenschaftlichen Topografie Palästinas, bekannt, der ihn beauftragte, seine Routenbeschreibungen kartografisch zu verwerten.

Mauretanien und Numidien. In: Kiepert: Atlas antiquus.

1840 erschien die erste Teillieferung von Kieperts Werk Atlas von Hellas und den hellenischen Kolonien, zu dem Ritter ein Vorwort schrieb und der in der Fachwelt als vorzügliches Werk der antiken Topografie Griechenlands Anerkennung fand.[1] Als 1839 durch preußische Offiziere an Ritter der Wunsch herangetragen wurde, ihre topographischen Beschreibungen von Kleinasien auszuwerten, verwies dieser wiederum auf seinen Schüler Heinrich Kiepert. Für dieses Vorhaben reiste Kiepert 1841 nach Konstantinopel und besuchte anschließend Griechenland, Mysien, Lydien und die Insel Lesbos. Während seines Aufenthalts erkrankte er schwer und erlernte in der Zeit seiner Genesung die türkische Sprache. Als er sich wieder erholt hatte, nahm er weitere topografische Forschungen in Griechenland vor.

Anerkennung und weitere Aufträge[Bearbeiten]

Nach seiner Rückkehr nach Berlin beschäftigte er sich mit dem Studium der arabischen, persischen und armenischen Sprache bei dem Orientalisten Julius Heinrich Petermann. 1846 gewann Kiepert den Preis der französischen Académie des Inscriptions et Belles-Lettres für die topografische Erforschung der Kriegsschauplätze zwischen dem Römischen und Neupersischen Reich auf Grund der Quellen von antiken Geschichtsschreibern.

1843 heiratete er Siegelinde Jungk, Tochter eines Predigers. 1845 folgte er zwecks Sicherung seines Lebensunterhalts dem Ruf zum Leiter der geographischen Abteilung des Landes-Industrie-Comptoirs in Weimar, wo er zahlreiche Karten für den Schulgebrauch veröffentlichte. 1852 kehrte er wieder nach Berlin zurück, da der Buchhändler Dietrich Reimer ihn beauftragt hatte, für seinen Kartenverlag kartographische Arbeiten zu übernehmen. Dieser Verlag wurde durch Kieperts Arbeiten bald stark aufgewertet. 1854 wurde Kiepert auf Vorschlag von Carl Ritter zum Mitglied der philosophisch-historischen Klasse der königlich-preußischen Akademie der Wissenschaften ernannt und durfte damit ohne vorhergehende Habilitation Vorlesungen an der Universität über Länder- und Völkerkunde halten. In Berlin wurde Kiepert zudem Mitarbeiter der Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde, für die er ebenfalls Karten beisteuerte.

Professor für Geographie[Bearbeiten]

1859 versuchte ihn die Universität München für einen neuen Lehrstuhl zu verpflichten. Um ihn jedoch in Berlin zum Weiterbleiben zu animieren, wurde Kiepert von der Universitätsleitung zum außerordentlichen Professor der Geographie ernannt. Nach dem Tod von Carl Ritter im selben Jahr war er der einzige Vertreter dieses Fachs an der Universität. Der Historiker Theodor Mommsen beauftragte ihn 1863 Karten für seinen Corpus Inscriptionum Latinarum beizufügen. 1864 wurde Kiepert Direktor der Topografischen Abteilung des königlich-preußischen statistischen Büros, wo er sich mit einem amtlichen Ortverzeichnis sämtlicher deutschen Staaten beschäftigte und wichtige Arbeiten anstehen lassen musste.

1869 sollte er die beigefügten Karten zum Buch von Napoleon III. über die Feldzüge Cäsars einer Revision unterziehen. Für diese Aufgabe wurde er sogar 1869 zur Eröffnung des Suezkanals eingeladen. In Wirklichkeit bildete dies für ihn nur ein willkommener Anlass, anschließend eine Studienreise nach Palästina zu unternehmen, bei der ihn das preußische Ministerium und die Akademie der Wissenschaften unterstützte. Gemeinsam mit seinem Sohn Richard und dem Mediziner Paul Langerhans reiste er nach Ägypten und Palästina. Im Gebiet des östlichen Jordan blieb er drei Wochen und segelte anschließend auf die Inseln Zypern und Rhodos, um anschließend Karien zu erforschen. Außerdem wurde er 1869 Mitglied der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte.

Als 1870 der Deutsch-Französische Krieg ausbrach, entwarf er für seinen Verleger Reimer Karten, die den Verlauf des Krieges darstellen sollten. 1871 wurde Kiepert in Berlin zum ordentlichen Professor ernannt. 1877 ist er als Mitglied des erweiterten Ausschusses einer der Gründer des Deutschen Palästinavereins. 1878 erschien sein bedeutendstes Werk, Lehrbuch der alten Geographie. In späteren Jahren seines Lebens bereiste er noch Pergamon, Smyrna und Lydien.

Am 21. April 1899 starb Heinrich Kiepert im Alter von 80 Jahren in Berlin. Sein Sohn Richard führte die Arbeiten seines Vaters teilweise fort.

Ehrungen[Bearbeiten]

Die Kiepertstraße in Berlin-Marienfelde erinnert an Heinrich Kiepert. Auch die 1868 von der Ersten Deutschen Arktisexpedition entdeckte Insel Kiepertøya, eine der Bastian-Inseln in der Hinlopenstraße (Spitzbergen), ist nach Heinrich Kiepert benannt.[2]

Sonstiges[Bearbeiten]

Heinrich Kiepert war der Onkel des späteren Verlegers Adolf Kiepert.[3]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Atlas von Hellas und den hellenischen Kolonien. 24 Blätter, Berlin 1841–1844
  • Palästina. 3 Bände, Halle 1841
  • Karte von Kleinasien. 6 Blätter, Berlin 1843–1845
  • Neuer handatlas der Erde. 40 Blätter, Berlin 1857–1860
  • Atlas antiquus. Berlin 1861 (Digitalisat der 5., neu bearb. u. verm. Aufl. 1869, Digitalisat der 11. berichtigten Aufl. 1892)
  • Großer Handatlas. Berlin 1893–1895
  • Formae orbis antiqui. 36 Karten, Berlin 1893 ff., fortgesetzt von Richard Kiepert
  • Lehrbuch der alten Geographie. Berlin 1878
  • Leitfaden der alten Geographie. Reimer, Berlin 1879 (Digitalisat)
  • Historischer Schul-Atlas zur alten, mittleren und neueren Geschichte. Reimer, Berlin 1879 (Digitalisat)
  • Schul-Atlas der Alten Welt. Reimer, Berlin 1883 (Digitalisat)

Literatur[Bearbeiten]

  • Viktor Hantzsch: Kiepert, Heinrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 51, Duncker & Humblot, Leipzig 1906, S. 133–145.
  • Joseph Partsch: Heinrich Kiepert. Ein Bild seines Lebens und seiner Arbeit. Leipzig 1901.
  • Gerhard Engelmann: Kiepert, Heinrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 11, Duncker & Humblot, Berlin 1977, ISBN 3-428-00192-3, S. 593 f. (Digitalisat).
  • Helmut Jäger: Zum 175. Geburtstag des Akademiemitgliedes, Altphilologen und Geographen Heinrich Kiepert. In: Mitteilungen der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt. 1993, S. 26–28.
  • Lothar Zögner: Antike Welten neue Regionen. Heinrich Kiepert 1818-1899. Ausstellung Staatsbibliothek zu Berlin, 16. April - 29. Mai 1999, Berlin 1999, ISBN 3-920597-58-3
  • Ulrich Freitag: Heinrich Kiepert's kartographische Leistung. Fachrichtung Kartographie, Institut für Geographische Wissenschaften, Berlin 1999. (= Berliner Manuskripte zur Kartographie)

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Heinrich Kiepert – Quellen und Volltexte
 Commons: Heinrich Kiepert – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. New General Map of the Asian/Eastern Provinces of the Ottoman Empire: Without Arabia. 1884. Abgerufen am 25. Juli 2013.
  2. Artikel Kiepertøya in The Place Names of Svalbard; Norsk Polarinstitutt; Oslo 1942–2010; ISBN 82-90307-82-9 (Ausgabe 2001) (englisch/norwegisch)
  3. Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel und die mit ihm verwandten Geschäftszweige, 36, Bd. II, Nr. 157, 10. Juli 1869, Leipzig: Verlag des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, 1869, S. 2166-2167, siehe dort das Rundschreiben Adolf Kieperts vom 1. Juli und das angefügte Empfehlungsschreiben von Heinrich Korn.