Heinrich Metzendorf

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Heinrich Metzendorf (1908)
Grabstein Heinrich Metzendorfs auf dem Bensheimer Friedhof

Franz Heinrich Metzendorf (* 4. Oktober 1866 in Heppenheim; † 15. Februar 1923 in Bensheim) war ein deutscher Steinmetz und Architekt.

Biographie[Bearbeiten]

Er entstammte einer aus Schlitz in Oberhessen kommenden alten Steinmetzfamilie, die Anfang des 19. Jahrhunderts an die Bergstraße zog. Er war das älteste von fünf Kindern, die einzige Schwester und der jüngste Bruder Jakob sind früh verstorben. Heinrich erlernte nach Volksschule und Besuch des Gymnasiums in Bensheim im elterlichen Betrieb das Maurer- und Steinmetzhandwerk. Nach der Sonntagszeichenschule bei Stadtbaumeister Klein in Heppenheim und zwei Kursen an der Landesbaugewerkschule in Darmstadt arbeitete er als Gehilfe und Volontär in zwei Architekturbüros.

Im Wintersemester 1882/83 und 1883/84 lernte er Architektur an der Landesbaugewerkschule in Darmstadt, einer Vorgängereinrichtung der heutigen Fachhochschule Darmstadt. Im Wintersemester 1886/87 wird er für ein Semester als Hospitant an der Technischen Hochschule Darmstadt geführt. Noch vor Erlangung eines Abschlusses sammelte er Erfahrungen als Bauleiter und strebte die Behördenlaufbahn an. Am 18. Juli 1887 begann er als Kreisbauaufseheraspirant beim Garnisonsbauamt in Darmstadt. Nach eineinhalb Jahren bat er um Beurlaubung, da er in das Architekturbüro von Georg Haude (1864-1916) nach Wuppertal-Elberfeld wechselte. Dort machte er offensichtlich Karriere und stieg bald zum Teilhaber des wirtschaftlich starken Büros auf. Vermutlich aus gesundheitlichen Gründen wechselte er 1895 an die Bergstraße zurück und eröffnete im selben Jahr ein eigenes Architekturbüro in Heppenheim. Kurz darauf siedelte er in das benachbarte Bensheim über. Im Umfeld und mit Unterstützung seines wichtigsten Förderers, des Papierfabrikanten Wilhelm Euler (1847-1934), errichtete er zahlreiche Beamtenhäuser, Villen, Fabrikanlagen und Arbeiterhäuser. Ein besonders markantes Beispiel für seinen Architekturstil ist die Villa, die er um die Jahrhundertwende für den Regierungsrat Karl Weber (1859-1940) in Darmstadt schuf. Dafür ernannte ihn 1901 der hessische Großherzog Ernst Ludwig zum Professor. 1902 zog er in sein neuerbautes Haus in der Ernst-Ludwig-Straße 25 in Bensheim.

Im Jahre 1904 baute Heinrich Metzendorf für die Deutsche Milchwerke AG von Arthur Sauer eine Fabrikationsanlage mit Werksiedlung in Stockheim in Oberhessen. Dieses Projekt begründete die jahrzehntelange Zusammenarbeit zwischen dem Büro von Heinrich Metzendorf und der Deutschen Milchwerke AG.

Ab 1908 bis 1912 baute er für den Nervenarzt Rudolf Laudenheimer (1869-1947) in Alsbach eine Anzahl von Villen mit dazugehörigen Wirtschaftsgebäuden, um die das Sanatorium erweitert wurden. Die Bekanntschaft mit Laudenheimer brachte ihn in Verbindung mit wichtigen Künstlerpersönlichkeiten der damaligen Zeit sowie dem Kreis der Lebensreformer. Heinrich Metzendorf baute die Gärtnerinnen-Lehranstalt auf der Orbishöhe in Zwingenberg. Ab 1910 war er der Architekt für Paul Geheebs Odenwaldschule in Ober-Hambach bei Heppenheim.

Nach 1900 nahm Metzendorf kaum mehr an Architekturwettbewerben teil. Stattdessen wurde er sehr häufig in die Jury solcher nationale Wettbewerbe berufen. So war er 1911 Mitglied der zwölfköpfigen, hochrangig besetzten, Jury, die über die Neubebauung des Berliner Flugplatzes Johannistal-Adlershof zu entscheiden hatte.

Sein letztes großes Projekt war 1919/20 das Fabrikhaus der Firma Marx in Bensheim.

In den 1907 gegründeten Werkbund trat Metzendorf 1908 ein, verließ ihn aber 1919, vier Jahre vor seinem Tod. Heinrich Metzendorf nahm sich am 15. Februar 1923 in Bensheim das Leben.

Nach dem Tod von Heinrich Metzendorf wurde das Büro zunächst von seinem bisherigen Bauleiter Joseph Winter (bis Anfang 1927) und danach von Georg Fehleisen (bis 1928) weitergeführt. Formell war es eine Außenstelle des Essener Büros von Georg Metzendorf und Jacob Peter Schneider. Die endgültige Auflösung des Büros in Bensheim erfolgte 1940, nachdem der letzte Büroleiter, Richard Buschning (1909-1941), die Einberufung erhalten hatte.

Von den beiden jüngeren Brüdern Franz und Georg, die beide ebenfalls Architekten wurden, übernahm Franz den elterlichen Steinmetzbetríeb. Georg Metzendorf wurde 1897 Mitarbeiter in Heinrichs Büro, 1901 Teilhaber und machte sich 1905 selbständig.

Bedeutende Werke[Bearbeiten]

  • 1896: Beamtenwohnhaus der Papierfabrik Euler, Bensheim
  • 1898 Villa Roonstraße 41, Wuppertal-Elberfeld, zusammen mit Georg Haude
  • 1898: Villa Weber, Darmstadt
  • 1902: Villa Gustav Guntrum, Bensheim
  • 1902: Arbeiterwohnhaus der Papierfabrik Euler, Bensheim
  • 1904-1905: Fabrik und Arbeiterhäuser, Deutsche Milchwerke, Stockheim
  • 1905: Umbau der Engel-Apotheke, Darmstadt
  • 1906-1907: Möbelhaus Firma Wilhelm Mainzer, Heppenheim
  • 1908: Villa Rasteck Friedrich Voith, Lindau im Bodensee
  • 1908: Erweiterung Papierfabrik Euler, Bensheim
  • 1908-1912: Landhauskolonie Schönberger Tal, Bensheim
  • 1912/1913: Evangelische Pfarrkirche von Gadernheim im sogenannten Heimatstil. Sie dominiert, auf dem höchsten Hügel des Dorfes gelegen, das obere Lautertal.
  • 1912-1913: Westendsiedlung, Worms
  • 1910-1921: Odenwaldschule, Ober-Hambach
  • 1912: Villa Eulenhorst, Bensheim

Das Lebenswerk Heinrichs Metzendorfs manifestiert sich vor allem durch 130 Bauvorhaben in Bensheim (die ihm später die Bezeichnung „Baumeister der Bergstraße“ einbrachten), aber auch im Entwurf des Siedlungskonzeptes und der Gestaltung der Dortmunder Villenkolonie Gartenstadt. Hier realisierte er in der Zeit von 1913 bis 1914 in Zusammenarbeit mit seinem Bauleiter Joseph Winter 47 Villen und Hauseinheiten im für die Gebrüder Metzendorf typischen Heimatstil.

  • Nach 1918: Heylsche Siedlungen, Worms
  • 1921: Beamtenwohnhaus Max Cassirer, Berlin-Wilmersdorf

Heutige Wahrnehmung[Bearbeiten]

Metzendorf gelangte, wie viele andere Architekten der sog. traditionellen Moderne, nur zögerlich in das Bewusstsein von Öffentlichkeit und Forschung. Erst in den 1970er und 80er Jahren besann man sich zögerlich des architektonischen Erbes, doch für einige seiner Bauten war dies bereits zu spät. Auch danach folgten noch bedauerliche Abbrüche bis in jüngste Zeit - so seine von Walter Gropius seinerzeit gelobte Fabrikanlage der Papierfabrik Euler in Bensheim von 1908, die erst ab 2010 niedergelegt wurde. Die dazugehörigen Arbeiterhäuser von 1905, wichtige Vorreiter des ökonomisierten Wohnbaues im frühen 20. Jahrhundert, sind nach wie vor vom Zerfall bedroht. Bereits 2005 [1] wurde allerdings die Bensheimer Berufsschule nach Heinrich Metzendorf benannt, was die in den 2000er Jahren verstärkte lokale Würdigung des Wirkens Metzendorfs unterstreicht. Auch einzelne vorbildliche Sanierungen, vorwiegend von Villenbauten, zeugen davon. Auch in der Wissenschaft fand der zu Lebzeiten hoch geschätzte, jedoch zuvor kaum beachtete Architekt jüngst Anerkennung: Im Oktober 2013 fand eine Ausstellung über Heinrich Metzendorf und seinen Beitrag zur Reformarchitektur an der Bergstraße unter dem Titel „Lebensräume gestalten“ im Museum Bensheim statt.[2] Begleitend dazu wurde die erste umfassende Monographie, die gebautes Werk wie auch soziale Netzwerke des Architekten betrachtet, vorgestellt.[3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.metzendorfschule.de/cms/index.php?option=com_content&view=article&id=173&Itemid=216
  2. https://www.morgenweb.de/region/bergstrasser-anzeiger/bensheim/metzendorf-als-gestalter-von-lebensraumen-1.1227381
  3. http://www.wernersche.de/listen/mediacontent.php?ProductType=ISBN&Group=3&Publisher=88462&Title=340&CheckDigit=0

Literatur[Bearbeiten]

  • Dominic E. Delarue, Thomas Kaffenberger (Herausgeber): Lebensräume gestalten. Heinrich Metzendorf und die Reformarchitektur an der Bergstraße. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2013, ISBN 3-88462-340-0.
  • Bernd Philipp Schröder: Georg Fehleisen und das Ende der Bergstäßer Architekturtradition, in: Geschichtsblätter Kreis Bergstraße, 2003, S. 245-287.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heinrich Metzendorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien