Heinrich Reifferscheid (Maler)

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Heinrich Reifferscheid (vordere Reihe, in Kniebundhose) mit Verwandten und Freunden um 1895

Heinrich Reifferscheid (* 3. Januar 1872 in Breslau; † 8. April 1945 in Niederdollendorf) war ein deutscher Maler.

Leben[Bearbeiten]

Heinrich Reifferscheid war ein Sohn des Professors für Klassische Philologie August Reifferscheid und dessen Ehefrau Anna Maria, geb. Simrock. Sein Großvater war der Germanist Karl Simrock, sein Urgroßvater Nikolaus Simrock. Ab 1887 besuchte er das Königliche Gymnasium in Bonn; später studierte er Kunstgeschichte an der Universität Bonn und Architektur an der Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg. Nachdem er seine künstlerische Ausbildung an der Staatlichen Kunstakademie in Berlin begonnen hatte, wechselte er 1892 an die Kunstakademie in München. Zu seinen Lehrern gehörte dort Gabriel Hackl, Peter Halm, Emil Lugo und Albert Lang. Studienfahrten führten ihn in den Jahren 1894 bis 1896 auf die Schwäbische Alb und ins Donautal. Er wurde Mitglied der 1898 gegründeten Berliner Secession und stellte zusammen mit Lovis Corinth, Käthe Kollwitz, Walter Leistikow, Max Liebermann, Max Slevogt und Anders Zorn aus. Kontakt hatte er auch mit Hans Thoma, Edmund Steppes und Joseph August Beringer. Bei dem 1903 vom Verlag E. A. Seemann ausgeschriebenen Wettbewerb für Originalradierungen gewann er vor Karl Hofer, Marie Stein und Martha Cunz den ersten Preis. Die Ergebnisse des Wettbewerbs wurden in der Kunstchronik von 1903/04 veröffentlicht.

Von 1904 bis 1909 war Reifferscheid der Leiter des staatlichen Zeichenlehrerseminars an der Kunstgewerbeschule Düsseldorf. 1904 gehörte er der Jury der Berliner Secession an. 1911 wurde er Professor an der staatlichen Kunstschule der Kunstakademie in Berlin. Ein Jahr später führte ihn seine erste Italienreise nach Venedig und zu den Seen Norditaliens. 1915 gehörte er zu den Vertretern der Berliner Secession bei der Weltausstellung in San Francisco. 1922 stellte er zusammen mit Wilhelm Leibl, Fritz Böhle und anderen im Münchner Verein für Original-Radierung aus. In den Jahren 1924 bis 1928 hielt er sich mehrfach zu Studienzwecken und zum Malen im Allgäu auf, wo er in der Nähe von Probstried wohnte. Seine zweite Italienreise 1930 absolvierte er als Stipendiat der Villa Massimo in Rom. Anschließend wurde er Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie. Dieses Amt hatte er bis 1937 inne. Die dritte Italienreise von 1932 fiel in diese Zeit. Bei der Pariser Weltausstellung 1937 wurde Reifferscheid mit einer Medaille geehrt.

In seinen letzten Jahren beschäftigte sich Reifferscheid künstlerisch hauptsächlich mit dem Thema Rhein und Rheinlandschaften. Er lebte damals in seinem „Haus im Weinberg“ in Niederdollendorf, das heute zu Königswinter gehört. Die Königswinterer Straße, an der sein Haus stand, wurde später in Bergstraße umbenannt. Ein Gedenkstein vor diesem Haus, den Reifferscheids Sohn Gerhard errichten ließ, erinnert an den Maler.

Werke in Ausstellungen und öffentlichen Sammlungen[Bearbeiten]

Im Jahr 2007/08 wurde eine Ausstellung mit dem Titel „Heinrich Reifferscheid 1872-1945 - Radierungen 1899-1909“ im Ernst-Moritz-Arndt-Haus in Bonn gezeigt.[1] Sein Nachlass wird von der Heinrich-Reifferscheid-Gesellschaft in Bonn betreut. Von Heinrich Reifferscheid sind etwa 2000 Werke bekannt, darunter rund 660 Radierungen.[2] Sie finden sich unter anderem im Rijksmuseum Amsterdam, in der Kunsthalle Bielefeld, im Rheinischen Landesmuseum Bonn, dem StadtMuseum Bonn, der Ungarischen Nationalgalerie Budapest, den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, im Stadtmuseum Düsseldorf, dem Museum Kunstpalast Düsseldorf, im Museum Folkwang in Essen, im Karl Ernst Osthaus-Museum Hagen, in der Hamburger Kunsthalle, im Storm Museum Husum, der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, im Brückenhofmuseum Königswinter, im Siebengebirgsmuseum Königswinter, im Krefelder Kunstmuseum, im Deutschen Literaturarchiv Marbach, der Staatlichen Graphischen Sammlung München, dem Droste-Museum Münster, dem Stadtmuseum Oldenburg, der Staatsgalerie Stuttgart, im Hölderlinturm Tübingen, in den Kunstsammlungen Weimar und im Museum im Kulturspeicher Würzburg.[3]

Bad Honnefer Notgeld[Bearbeiten]

99-Pfennig-Schein mit der Frage: „Wer hat mit meinem Messerchen geschnitten?“
Karl Simrocks Haus auf einem Notgeldschein

1921 gestalteten Heinrich Reifferscheid und Wilhelm Redeligx Notgeldscheine für Bad Honnef. Sie verwendeten dabei die sieben Fragen der sieben Zwerge aus dem Schneewittchenmärchen - vermutlich nicht nur, weil die Lage der Ortschaft am Siebengebirge diese Entscheidung nahelegte, sondern auch, weil ein Patenonkel Reifferscheids Wilhelm Grimms Sohn Herman Grimm war. Wilhelm Grimm war mit Karl Simrock eng befreundet.[4]

Ein wertvoller Familienbesitz: Ries' Hammerklavier[Bearbeiten]

In einem Artikel anlässlich des hundertsten Todestages Ludwig van Beethovens berichtete Reifferscheid über die Schicksale eines Hammerklaviers, das Nikolaus Simrock von Ferdinand Ries geerbt hatte und auf dem zahlreiche berühmte Gäste der Familie Reifferscheid-Simrock spielten.[5] Das Instrument steht mittlerweile als Dauerleihgabe im Bonner Stadtmuseum.[6]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heinrich Reifferscheid – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Biographische Angaben zu Reifferscheid
  2. Artikel zur Ausstellung im Bonner General-Anzeiger
  3. Nachlassverwaltung Reifferscheids
  4. Notgeld
  5. Reifferscheids Artikel über das Ries-Hammerklavier
  6. Verbleib des Hammerklaviers