Heinrich Schmidt (Philosoph)

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Heinrich Schmidt (* 18. Dezember 1874 in Heubach, Thüringen; † 2. Mai 1935 in Jena) war ein deutscher Archivar und Philosoph.

Leben[Bearbeiten]

Heinrich Schmidt besuchte von 1890 bis 1894 ein Lehrerseminar in Hildburghausen und arbeitete zunächst als Volksschullehrer. 1897 wechselte er zur wissenschaftlichen Weiterbildung nach Jena. Ab 1899 studierte er dort unter finanzieller Förderung Ernst Haeckels Naturwissenschaften und wurde 1900 dessen Privatsekretär. Da Schmidt das Abitur fehlte, schickte ihn Haeckel nach Zürich zu seinem ehemaligen Schüler Arnold Lang wo er 1904 zum Dr. phil. promoviert wurde. Ab 1912 war er Archivar im Phyletischen Archiv, ab 1916 leitete er das Haeckel-Archiv. 1919 wurde ihm der Professorentitel verliehen.

Nach Haeckels Tod wurde Schmidt dessen Nachlassverwalter; von 1920 bis zu seinem Tod war er Direktor des Ernst-Haeckel-Hauses der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Wie Haeckel war Schmidt Mitglied des Deutschen Monistenbundes. Von 1919–1920 war er deren Vorsitzender und bis zu seinem Tode 1935 ein entschiedener Vertreter des haeckelschen Monismus und dessen weltanschauliche Entwicklungslehre. Er war außerdem Herausgeber der „Monistischen Monatshefte“. Nach dem Verbot dieser Zeitschrift 1933 aus politisch-inhaltlichen Motiven, gründete Schmidt die Zeitschrift „Natur und Geist, Monatshefte für Wissenschaft, Weltanschauung und Weltgestaltung“.

Standen in den Jahren kurz nach Haeckels Tod die Archivsicherung und die Aufbereitung seines Nachlasses im Vordergrund seiner Arbeit, hatten bis 1933 und insbesondere danach zunehmend weltanschauliche und politische Fragestellungen Priorität. Die vorher eher sozialdemokratisch ausgerichtete Grundhaltung Schmidts wich zunehmend einer radikal-nationalistischen.[1] In diesem Zusammenhang griff er auf zum Teil rassistische und nationalistischen Argumente zurück, welche in ihrer Radikalität die Meinungen seiner Kollegen Ludwig Plate oder Hans F. K. Günther bei weitem übertraf.[2] Sein Versuch das Ernst-Haeckel-Haus sowie die Person Haeckels im nationalsozialistischen Sinne umzugestalten beziehungsweise umzudeuten scheiterte letztendlich.[2] Lediglich über den Umweg der Zeitschrift „Natur und Geist“ nahm eines seiner in monistischer Tradition stehendes Publikationsorgan Stellung zum „Standardwerk zur menschlichen Erblichkeitslehre und Rassenhygiene“ von Erwin Baur, Eugen Fischer und Fritz Lenz.[3]

Zitate über Heinrich Schmidt[Bearbeiten]

Julius Schaxel über Heinrich Schmidt: „Deshalb ist jetzt die rechte Zeit, den entwicklungsfähigen Teil der Menschheit, das klassenbewußte Proletariat, auf die Durchschlagskraft der Naturtatsachen hinzuweisen. Professor Heinrich Schmidt, der Haeckel-Schmidt, als Sachwalter des materialistischen Naturforschers und unermüdlichen Aufklärers Ernst Haeckel, ist der Berufene, die geschichtliche Naturverbundenheit des Menschen am gegenwärtigen Stande der Forschung aufzuzeigen.“ (Aus dem Nachwort zu Mensch und Affe 1932)

Werke[Bearbeiten]

  • Haeckels Embryonenbilder. Dokumente zum Kampf um die Weltanschauung in der Gegenwart Schmidt, Heinrich, Frankfurt a. M. 1909
  • Fruchtbarkeit und Vermehrung Schmidt, Heinrich, 1927/28 Urania
  • Der Kampf ums Dasein Schmidt, Heinrich, 1930 Urania
  • Mensch und Affe. Schmidt, Heinrich, 1932 Urania
  • Philosophisches Wörterbuch Schmidt, Heinrich (Begründer) (Kröner)
  • Ernst Haeckel. Denkmal eines großen Lebens Schmidt, Heinrich, Jena 1934

Quellen[Bearbeiten]

  1. Uwe Hoßfeld, Haeckels »Eckermann«: Heinrich Schmidt (1874–1935), In: Matthias Steinbach & Stefan Gerber (Hrsg.), Klassische Universität und akademische Provinz: Die Universität Jena von der Mitte des 19. bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Jena: Bussert & Stadeler, 2005, S. 282
  2. a b Uwe Hoßfeld, Haeckels »Eckermann«: Heinrich Schmidt (1874–1935), In: Matthias Steinbach & Stefan Gerber (Hrsg.), Klassische Universität und akademische Provinz: Die Universität Jena von der Mitte des 19. bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Jena: Bussert & Stadeler, 2005, S. 284
  3. Heiner Fangerau, Das Standardwerk zur menschlichen Erblichkeitslehre und Rassenhygiene von Erwin Baur, Eugen Fischer und Fritz Lenz im Spiegel der zeitgenössischen Rezensionsliteratur 1921–1941, Dissertation, Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Medizin, 2000, S. 66

Weblinks[Bearbeiten]