Heinrich Schneider (FDP)

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Heinrich Schneider (* 22. Februar 1907 in Saarbrücken; † 12. Januar 1974 in Stuttgart) war ein deutscher Politiker der NSDAP und der FDP/DPS im Saarland.

Leben und Beruf[Bearbeiten]

Nach dem Abitur 1926 studierte Schneider Rechtswissenschaften in Heidelberg, Berlin, München und Marburg und beendete seine Ausbildung 1930 mit der Promotion. Nach der Rückkehr nach Saarbrücken im August 1931 ließ er sich dort als Rechtsanwalt nieder und wurde Mitarbeiter der NS-Wochenzeitung Saardeutsche Stimme. Er fungierte als „Gausprecher“ der NSDAP und war Schriftleiter der Saardeutschen Volksstimme.[1] Im Juni 1933 wurde Schneider als Nachfolger von Hans Globke Chef des Saarreferates im Reichsinnenministerium. Nach der Entmachtung der saarländischen NSDAP unter Spaniol 1934 durch den inoffiziellen Gauleiter Josef Bürckel wurde Schneider von einem Parteigericht am 21. Oktober 1937 wegen „dauernden parteischädigenden Verhaltens“ aus der NSDAP ausgeschlossen. Jedoch wurde dieser Schuldspruch von der Reichsleitung nicht angenommen.[2]

Nach Kriegsausbruch arbeitete er in einer Anwaltskanzlei in Mannheim. 1941 wurde er schließlich wissenschaftlicher Hilfsarbeiter im Auswärtigen Amt.

Nach der Rückkehr nach Saarbrücken arbeitete Schneider zunächst in der Schreinerei seines Vaters. Nach der Entnazifizierung, die ihn als Mitläufer einstufte, eröffnete er erneut eine Anwaltskanzlei.

Partei[Bearbeiten]

Nach einem Besuch Gregor Strassers trat er im Oktober 1930 in die NSDAP ein. 1933 wurde Schneider Saarreferent im Preußischen Innenministerium und Leiter der Saarabteilung der NSDAP. Die Parteiabteilung wurde im Februar 1934 auf Betreiben des pfälzischen Gauleiters und von Hitler zum Saarkommissar ernannten Josef Bürckel aufgelöst; die Ministeriumsstelle verließ Schneider wenige Monate später.[3] 1937 wurde aufgrund seiner arbeitsgerichtlichen Verteidigung von Sozialdemokraten und Gegnern des Anschlusses des Saargebiets ans Deutsche Reich wegen „parteischädigenden Verhaltens“ ein Parteiausschlussverfahren gegen Schneider angestrengt. Auf der Ebene des Gaugerichts und im Ehrgerichtsverfahren verteidigte sich Schneider jedoch erfolgreich genug, dass die Verfahren gegen ihn auf unbestimmte Zeit vertagt wurden. Seine Parteimitgliedsbeiträge zahlte Schneider bis zum Kriegsende.[4]

Schneider trat 1950 in die DPS (Demokratische Partei Saar) ein. Auf dem richtungsändernden 3. Parteitag am 2. September 1950 wurde er erstmals in den Vorstand gewählt. Im DPS-Verbotsverfahren war Schneider Rechtsvertreter seiner Partei. 1953 sollte er auf der Landesliste Rheinland-Pfalz der FDP kandidieren, verzichtete jedoch, da er wegen der „Lex Conrad“ Gefahr gelaufen wäre, seine saarländische Staatsbürgerschaft zu verlieren.

Nach Wiedergründung der Demokratischen Partei Saar wurde er deren 1. Vorsitzender. Durch den Anschluss der DPS an die FDP wurde er am 11. August 1957 auch Mitglied der Liberalen. 1960 wurde Schneider stellvertretender Bundesvorsitzender der FDP, die er 1969 aus Protest gegen die sozial-liberale Koalition verließ.

Abgeordneter[Bearbeiten]

Schneider war von 1955 bis 1965 Landtagsabgeordneter im Saarland. Vom 2. Januar bis 31. Dezember 1956 war er Landtagspräsident.

Der Landtag des Saarlandes entsandte ihn am 4. Januar 1957 in den Deutschen Bundestag, dem er bis 1965 angehörte.

Öffentliche Ämter[Bearbeiten]

Vom 4. Juni 1957 bis zum 26. Februar 1959 war er stellvertretender Ministerpräsident des Saarlandes und Minister für Wirtschaft, Verkehr, Ernährung und Landwirtschaft.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Das Wunder an der Saar. Ein Erfolg politischer Gemeinsamkeit. Seewald Verlag, Stuttgart 1974, ISBN 3-512-00350-8.
  • Unsere Saar. Hrsg. von Heinrich Schneider, Edwin Runge Verlag, Berlin-Tempelhof 1934.

Postumer Ärger[Bearbeiten]

Die Publikationen des Historikers Erich Später über Heinrich Schneider, dem er als „Propagandist“ und hohem „Funktionär der NSDAP“ Verantwortung für die „organisierte Entrechtung, Ausplünderung und Vertreibung von Saarländern jüdischen Glaubens“ ab Januar 1935 zuordnet,[5] hat dessen Sohn, einen Rechtsanwalt, am 24. November 2005 zu einer „strafbewehrten Unterlassungserklärung“ veranlasst. Der Beklagte weigerte sich, seine Aussage zurückzunehmen, mit den Worten: „Diese Geschichte ist doch im Saarland schon viel zu lange totgeschwiegen worden.“

Heinrich Schneider stand auch nach 1949 positiv zu seiner NS-Vergangenheit und befürwortete etwa in einem Artikel die Gleichsetzung der Volksabstimmungen von 1955 und 1935 an der Saar, als es um den Anschluss an Deutschland ging. Er feierte darin die Protagonisten der Deutschen Front von 1935. Für ihn waren sie gleich denen von 1955. „Ihre Treue blieb unwandelbar“, schrieb er dazu.

Literatur[Bearbeiten]

  • Rainer Möhler: Rechtsanwalt Dr. Heinrich Schneider: Trommler oder Mitläufer? In: Peter Wettmann-Jungblut, Saarländischer AnwaltVerein (Hrsg.): Rechtsanwälte an der Saar 1800–1960. Geschichte eines bürgerlichen Berufsstandes. Blieskastel, Gollenstein 2004, ISBN 3-935731-19-1, S. 301–324.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Gerhard Paul: Die NSDAP des Saargebiets 1920–1935. Saarbrücker Druckerei und Verlag (SDV), Saarbrücken 1987, ISBN 3-925036-11-3, S. 188.
  2.  Gerhard Paul: Die NSDAP des Saargebiets 1920–1935. S. 189.
  3. Rainer Möhler: Rechtsanwalt Dr. Heinrich Schneider: Trommler oder Mitläufer? Hier S. 305–307.
  4. Rainer Möhler: Rechtsanwalt Dr. Heinrich Schneider: Trommler oder Mitläufer? Hier S. 308–312.
  5. Erich Später: Das Wort des Führers ist unser Befehl. Heinrich Schneider ein deutscher Patriot. In: Saarbrücker Hefte, Nr. 89, Frühjahr 2003 (PDF; 18 kB).
    Erich Später: Deutsch ist die Saar! 50 Jahre Saar-Referendum. In: grün: konkret, Nr. 2/2005, S. 18–19 (PDF; 733 kB).