Heinrich XXII. (Reuß-Greiz)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Fürst Heinrich XXII. Reuß
Fürst Heinrich XXII. Reuß mit einem von ihm erlegten Hirsch

Heinrich XXII. Reuß (* 28. März 1846 in Greiz; † 19. April 1902 ebenda) war von 1859 bis 1902 Fürst Reuß zu Greiz.

Leben[Bearbeiten]

Er war der zweite Sohn des Fürsten Heinrichs XX. Reuß zu Greiz und dessen Gemahlin Caroline von Hessen-Homburg.

Weil sein älterer Bruder Heinrich XXI. bereits 1844 verstorben war, bestieg Heinrich XXII. nach dem Tod seines Vaters am 8. November 1859 den Thron, allerdings führte bis zu seinem 21. Geburtstag seine Mutter Caroline die vormundschaftliche Regierung. Als Frau des österreichischen Offiziers Heinrich XX. und Tochter des österreichischen Generals Gustav von Hessen-Homburg war sie antipreußisch eingestellt. Das hatte im Deutschen Krieg 1866 die Besetzung durch preußische Truppen zur Folge. Nach einer Zahlung von 100.000 Talern zogen die Besatzungstruppen am 5. Oktober wieder ab.

Am 28. März 1867 übernahm Heinrich XXII. die Regierung. Bei dieser Gelegenheit gab er seinem Fürstentum erstmals eine Verfassung. Äußerst konservativ, versuchte er, absolutistisch zu regieren, und machte sein Fürstentum zu einem Bollwerk des orthodoxen Luthertums. Er blieb während seiner Regierungszeit dem Andenken seiner Eltern treu, das heißt im steten Widerspruch zu Preußen. An der Kaiserproklamation in Versailles am 18. Januar 1871 nahm er nicht teil.[1] Deutlich wurde die Antipathie gegen Preußen 1877 bei der Abstimmung über den Sitz des Reichsgerichts, bei dem Reuß’ Stimme den Ausschlag für Leipzig und gegen das preußische Berlin gab. Auch stimmte Reuß gegen die Einführung der Zivilehe und des BGB, gegen die Kulturkampfgesetze und sogar gegen Bismarcks Sozialistengesetze wurde gestimmt, was Heinrich XXII. den Spitznamen Heinrich der Unartige einbrachte. Insbesondere mit der Rüstungspolitik und der Außenpolitik des Reiches war er nicht einverstanden, so dass unter anderem als einziger Bundesstaat Reuß ä. L. im Bundesrat 1900 gegen die China-Expedition und 1901 gegen den Etat des Auswärtigen Amtes sowie gegen den Kolonialetat stimmte.

Trotz aller Vorbehalte gegenüber Preußen war Heinrich Chef des II. Bataillons des Infanterieregiments Nr. 96, General der Infanterie sowie seit 3. November 1892 Ritter des Schwarzen Adlerordens.

Heinrich XXII. starb am 19. April 1902. Sein Sohn Heinrich XXIV. war wegen eines in der Kindheit erlittenen Unfalls regierungsunfähig, so dass das Haus Reuß jüngerer Linie die Regentschaft übernahm.

Nachkommen[Bearbeiten]

Prinzessin Ida zu Schaumburg-Lippe (1852–1891)

Heinrich XXII. heiratete am 8. Oktober 1872 Ida zu Schaumburg-Lippe (* 28. Juli 1852; † 28. September 1891), Tochter des Fürsten Adolf I. zu Schaumburg-Lippe. Das Fürstenpaar hatte sechs Kinder:

  • Heinrich XXIV. (1878–1927)
  • Emma Karoline Hermine Marie (* 17. Januar 1881 in Greiz; † 1961) ∞ am 14. Mai 1903 in Greiz Erich Graf von Ehrenburg (1880–1930)
  • Marie Agnes (* 26. März 1882 in Greiz; † 1942) ∞ am 4. Februar 1904 in Greiz Ferdinand Freiherr von Gnagnoni (1878–1955), k.u.k. Rittmeister
  • Caroline Elisabeth Ida (* 13. Juni 1884 in Greiz; † 1905) ∞ am 30. April 1903 in Bückeburg Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar-Eisenach (1876–1923)
  • Hermine (1887–1947) ∞ I. (1907) Prinz Johann Georg von Schoenaich-Carolath (1873–1920); ∞ II. (1922) Ex-Kaiser Wilhelm II. (1859–1941)
  • Ida Emma Antionette Charlotte Victoria (* 4. September 1891 in Greiz; † 1977) ∞ am 6. November 1911 in Greitz Christoph Martin zu Stolberg-Roßla (1888–1949)

Literatur[Bearbeiten]

  • Kurt von Priesdorff: Soldatisches Führertum. Band 7. Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg. o.J. S. 95–96
  • Thüringisches Staatsarchiv Greiz (Hg.): Heinrich der Zwei und Zwanzigste. Sein Leben, sein Wirken und seine Zeit. Greiz 2002.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dr. Theodor Toeche-Mittler: Die Kaiserproklamation in Versailles am 18. Januar 1871 mit einem Verzeichniß der Festtheilnehmer, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1896
Vorgänger Amt Nachfolger
Heinrich XX. Fürst Reuß zu Greiz
18591902
Heinrich XXIV.