Heinrich von Alt-Lübeck

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Heinrich von Alt-Lübeck (* vor 1066; † 22. März 1127) war ein abodritischer Fürst aus der Dynastie der Nakoniden.

Leben[Bearbeiten]

Heinrich war der zweite Sohn des abodritischen Samtherrschers Gottschalk. Als Gottschalk, bekennender Christ, 1066 in einem Aufstand des heidnischen abodritischen Adels erschlagen wurde, war Heinrich noch ein Kind. Seine Mutter Sigrid floh mit ihm zu ihrem Bruder, dem dänischen König Sven Estridsson.

Von Dänemark aus fiel Heinrich 1090 nach Wagrien ein und begann seine Laufbahn mit Hilfe einer Frau, wie der Chronist Helmold von Bosau berichtet. Sein Gegenspieler Kruto, Anführer des heidnischen Adels, war mit Slawina verheiratet. „Heinrich fehlte es weder an Klugheit, noch an List, sich zu schützen. Frau Slavina nämlich, die Gattin Krutos, warnte ihn oft, indem sie ihm verriet, wie man nach seinem Leben trachte. Da ihr der ziemlich alt gewordene Gemahl zuwider war, fasste sie endlich den Plan, womöglich Heinrich zu heiraten. So lud Heinrich aufgrund der Anstiftung dieser Frau den Kruto zu einem Gastmahl, und als dieser, berauscht vom vielen Trinken, taumelnd das Gemach verließ, in dem sie gezecht hatten, streckte ihn ein Däne mit der Streitaxt nieder und enthauptete ihn mit einem Streich. Heinrich aber heiratete Slawina und nahm Land und Herrschaft ein.“[1] Heinrichs Herrschaft bezog sich jedoch zunächst nur auf Wagrien, doch machte er als Nakonide die angestammte Samtherrschaft über alle abodritischen Teilstämme geltend.

Unter einer zukünftigen Herrschaft Heinrichs sahen Abodriten und Polaben jedoch die verhassten Abgaben wieder auf sich zukommen und sammelten ein Heer. Heinrich, der Dänemark und Sachsen im Rücken hatte, schlug ihr Aufgebot jedoch 1093 in der Schlacht bei Schmilau. Helmold will von Augenzeugen gehört haben, dass es der Glanz der sinkenden Sonne war, der die Slawen so sehr blendete, dass sie nichts sehen konnten. Nach diesem Sieg eroberte Heinrich die abodritischen und wagrischen Burgen und machte sich den Teilstamm der Abodriten tributpflichtig. Im Gegensatz zu seinem Vater verfolgte er keine konsequente Missionspolitik. Die paganen abodritischen Fürsten scheint er sogar in ihren Ämtern belassen zu haben. Er stellte den Landfrieden wieder her und wählte Liubice zu seiner bevorzugten Residenz, da dieser Ort genau an der Nahtstelle zwischen den mecklenburgischen, den wagrischen und den polabischen Abodriten lag.

Heinrich wehrte 1100 einen Angriff der Ranen auf die Burg Liubice ab und machte nach und nach alle an der Ostsee wohnenden Slawen zinspflichtig, auch die Liutizen, Kessiner, Zirzipanen und Pomeranen. Seine Macht reichte bis zu den Brizanen und Stoderanen um Havelberg. Mit Adolf von Schauenburg, den Kaiser Lothar III. um 1111 als Graf für Holstein eingesetzt hatte, lebte er in gutem Einverständnis. Als 1123 sein Sohn Waldemar von Ranen erschlagen worden war, unternahm er einen Winterfeldzug über die vereiste Ostsee gegen die Bewohner Rügens, deren Priester sich von der drohenden Vergeltung für eine immense Summe freikauften.

1126 kam Vizelin zum „Slawenkönig“ Heinrich nach Liubice und bat ihn um Erlaubnis, in seinen Landen missionieren zu dürfen. Diese Erlaubnis erteilte Heinrich und übergab ihm die Kirche in Liubice, „dass sie dort in Sicherheit bei ihm bleiben und Gottes Werke betreiben könnten.“[2] Vizelin und seine Begleiter kehrten nach Sachsen zurück, um sich auf den Aufenthalt im Slawenland vorzubereiten. Da erfuhren sie, dass Heinrich gestorben sei. Eine Quelle behauptet, er sei ermordet und in Lüneburg begraben worden; Helmolds Schweigen macht das fraglich.

Quellen[Bearbeiten]

  • Helmold: Chronica Slavorum. Neu übertragen und erläutert von Heinz Stoob. Mit einem Nachtrag von Volker Scior. In: Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. (Freiherr-vom-Stein-Gedächtnisausgabe 19), 7. Aufl. 2008 (unveränderter Nachdruck der 6., gegenüber der 5. um einen Nachtrag erweiterte Auflage 2002), Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2008.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Der Ranenberg (Sage) – Quellen und Volltexte

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Helmold I, 34
  2. Helmold I, 46