Heinrich von Morungen

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Herr Heinrich von Morungen (Codex Manesse, 14. Jahrhundert)

Heinrich von Morungen († um 1220 in Leipzig) war ein bedeutender Minnesänger.

Leben[Bearbeiten]

Aus seinen Liedern lässt sich kaum etwas über seine Lebensumstände erschließen. Möglicherweise war er mit jenem Hendricus de Morungen identisch, der urkundlich in Thüringen bezeugt ist. Dieser Hendricus gehörte dem niederen Rittertum an und stammte vermutlich von der Burg Morungen bei Sangerhausen. Als miles emeritus bezog er für „hohe persönliche Verdienste“ (alta suae vitae merita) eine Pension seines Gönners, des Markgrafen von Meißen, Dietrich der Bedrängte, die er 1213 dem Leipziger Thomaskloster überschreiben ließ. 1217 trat er dann in selbiges ein. Nach Quellen aus dem 16. Jahrhundert starb er dort 1222 nach einer Indienfahrt.

Das Spätmittelalter kannte eine Ballade vom Edlen Moringer, die den Stoff von der Heimkehr des verschollen geglaubten Ehemanns auf Heinrich von Morungen überträgt.

Heinrich von Morungen in der Weingartner Liederhandschrift aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts.

Werk[Bearbeiten]

Überlieferungssituation[Bearbeiten]

Von Morungen sind 35 Minnelieder mit 115 Strophen überliefert, davon allein 104 Strophen in der großen Sammlung des Codex Manesse (Handschrift C). Weitere Strophen finden sich in den Handschriften A (Kleine Heidelberger Liederhandschrift), B (Weingartner Handschrift) und Ca, dem sog. "Troßschen Fragment" (einer Abschrift von Handschrift C).[1]

Übersetzungen des Œuvres Heinrichs von Morungen ins Neuhochdeutsche liegen unter anderem von Ludwig Tieck (1803), Karl Simrock (1857), Carl von Kraus (1950) und Helmut Tervooren (1975) vor.[2] [3] [4]

Die Melodien zu den Liedern sind nicht erhalten.

Thematik[Bearbeiten]

Morungen ist ein sehr bildhafter Lyriker. Besonders das Bildfeld des Glanzes (Sonne, Mond, Abendstern, Gold, Edelstein, Spiegel) setzt er oft zur vergleichenden Beschreibung der besungenen, gepriesenen Dame ein.

Ein wesentliches Thema im Werk des Heinrich von Morungen ist die Dämonie der Minne; die Minne wird teils als magische, als krankmachende, ja sogar als tödliche Macht, aber auch als religiöses und mystisches Erlebnis erfahren.

In Form und Inhalt sind die Gedichte von der provenzalischen Trobadordichtung beeinflusst (daktylische Rhythmen, häufige Durchreimung). Es werden auch inhaltliche Motive von dort übernommen, so z. B. das sonst im dt. Minnesang eher selten vorkommende Motiv der Aufkündigung des Minnedienstes (Lied XXVII, L141,37: Sî hât mich verwunt). Wurzeln sind zudem in der klassisch-antiken Literatur (Ovid) zu finden (z.B. ein Hinweis auf die mythologische Figur des Narcissus,u.a. bekannt aus Ovids Metamorphosen, in Lied XXXII, L145,1: Mir ist geschehen als einem kindelîne [5]).

Eine Neuschöpfung Morungens ist der Tagelied-Wechsel (Lied XXX, L143,22: Owê, - sol aber mir iemer mê)[6].

Quellenangaben[Bearbeiten]

  1. Tervooren, Helmut: Heinrich von Morungen. Lieder. Mittelhochdeutsch und neuhochdeutsch. Text, Übersetzung, Kommentar. Dritte Auflage. Stuttgart 2003.
  2. Fortmann, Dieter: Studien zur Gestaltung der Lieder Heinrichs von Morungen. Tübingen 1996.
  3. Schweiger, Valentin: Textkritische und chronologische Studien zu den Liedern Heinrichs von Morungen. Freiburg 1970.
  4. Tervooren, Helmut: Heinrich von Morungen. Lieder. Text, Übersetzung, Kommentar. Stuttgart 1975.
  5. Schmid, Elisabeth: Augenlust und Spiegelliebe. Der mittelalterliche Narziß. In: DVjs 59 (1985), S. 551-571.
  6. s. 1

Literatur[Bearbeiten]

  • Des Minnesangs Frühling, Band 1: Texte, Herausgegeben von Hugo Moser und Helmut Tervooren, 38. erneut rev. Auflage, Stuttgart 1988 ISBN 3-7776-0448-8
  • Heinrich von Morungen. Lieder, Text, Übersetzung, Kommentar von Helmut Tervooren, (=Reclams Universal-Bibliothek; Nr. 9797), 3. bibliographisch erneuerte Ausgabe, Stuttgart 2003 ISBN 3-15-009797-5
  • Peter Kesting: Heinrich von Morungen. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 8, Duncker & Humblot, Berlin 1969, ISBN 3-428-00189-3, S. 416 f. (Digitalisat)
  • Helmut Tervooren: Heinrich von Morungen, in: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, hg. v. Kurt Ruh et al., 2. Auflage, Band 3, Berlin, New York 1981, Sp. 804–815 ISBN 3-11-008778-2
  • Heinrich von Morungen, in: Sieglinde Hartmann: Deutsche Liebeslyrik vom Minnesang bis zu Oswald von Wolkenstein oder die Erfindung der Liebe im Mittelalter, Wiesbaden 2012, S. 133-150.

Film[Bearbeiten]

  • Strasse der Troubadoure, Film über die mögliche Indienreise des Heinrich von Morungen von Peter Pannke, Elfi Mikesch, Elke Peters, 58min., ZDF / Mira Filmproduktion 2002

Weblinks[Bearbeiten]