Heinz-Dieter Kallbach

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Kallbach während einer Lesung im Hubschraubermuseum Bückeburg 2012
Von Heinz-Dieter Kallbach gelandete Iljuschin IL-62 „Lady Agnes“
Flugplatz Stölln Rhinow, Iljuschin IL-62

Heinz-Dieter Kallbach (* 11. September 1940 in Essen) ist ein deutscher Verkehrspilot. Im Guinness-Buch der Rekorde hat er einen Eintrag für die Landung eines Langstreckenjets auf einer kurzen Grasbahn.

Leben[Bearbeiten]

Heinz-Dieter Kallbach ist der Sohn einer Arbeiterfamilie aus Essen, die 1942 aus Angst vor Luftangriffen zurück in ihre Heimat, die Lausitz zog.[1] Kallbach wuchs im südbrandenburgischen Lauchhammer-Ost auf. Er begann 1955 eine Lehre als Dreher und meldete sich 1957 zur Nationalen Volksarmee. In Brandenburg-Briest und Dessau lernte er das Fliegen auf dem Antonow An-2 Doppeldecker und der zweimotorigen IL-14.

Weil seine Schwiegermutter im Westen lebte, war ihm eine Laufbahn als Pilot bei den Luftstreitkräften der DDR nicht möglich. Heinz-Dieter Kallbach wechselte 1961 als Pilot zur Deutschen Lufthansa (DDR), der späteren Interflug.

Bei der Interflug wurde Kallbach Instrukteur für die Antonow An-24 und wurde später Chefausbilder für die viermotorige Iljuschin Il-18. Solidaritätsflüge mit Hilfsgütern für Entwicklungsländer führten ihn mit der IL-18 quer durch Afrika und Asien. Er flog auch Flugplätze an, die normalerweise nicht von großen Fluggesellschaften bedient wurden. Zitat: „Da hatte ich dann ein paar Tausend Dollar bar in der Tasche, um den Sprit zu bezahlen“.

Ab 1978 flog er die vierstrahlige Iljuschin Il-62 und wurde 1983 Staffelleiter der IL-62-Flotte. Im Mai 1990 wurde Kallbach zum Kommandanten auf dem modernen Muster Airbus A310 umgeschult.[2]

Am 23. Oktober 1989 landete Kallbach einen Langstreckenjet vom Typ Iljuschin Il-62 (Kennung DDR-SEG) auf der nur 850 Meter langen Grasbahn des Landeplatzes Stölln.[3] Das Flugzeug war ein Geschenk der Interflug an die Stadt, in der Otto Lilienthal bei einem seiner Flugversuche abstürzte und in der Folge ums Leben kam. Die Landung wurde sorgfältig geplant und das Flugzeug dafür entsprechend präpariert. Eine regulär betriebene IL-62 benötigt für eine übliche Landung im Linienverkehr mit Passagieren und Gepäck eine Piste von circa 2.500 m Länge.[4]

Nach dem Ende der Interflug heuerte er ab November 1990 beim Charterflieger Germania an und flog Urlauber mit einer Boeing 737. Neben seinem Job als Verkehrsflieger steuerte er in seiner Freizeit auch noch einen „RosinenbomberDouglas DC-3 und das Wasserflugzeug Cessna 206.

Am 27. März 2000 drang während eines Fluges einer Boeing 737 der Fluglinie Germania mit Kallbach als Flugkapitän ein Mann mit Selbstmordabsichten in das Cockpit ein und versuchte mit Gewalt, die Maschine zum Absturz zu bringen. Er verletzte den Flugkapitän mit Schlägen und Fußtritten und setzte mit Tritten gegen die Steuerelemente auch den Autopiloten außer Funktion. Nach einem sechs Minuten dauernden Kampf konnte der Attentäter überwältigt werden. Heinz-Dieter Kallbach war mit Hämatomen übersät, sein Kiefer und mehrere Rippen waren geprellt. Die Boeing 737 steuerte er dann sicher zum Zielflugplatz, die Germania feierte ihn als Helden.

Im Jahr 2005 arbeitete er im Auftrag der Germania für den Billigflieger Hapag-Lloyd Express. Nachdem Heinz-Dieter Kallbach 2005 in einem Interview mit dem Focus die hohe Arbeitsbelastung von Piloten bei Billigfluggesellschaften ansprach, wurde er von der Germania wenige Tage vor seinem planmäßigen Ruhestand suspendiert.

Bereits am 28. September 2001 hatte Heinz-Dieter Kallbach einen DC-3-Rosinenbomber von Coventry nach Berlin überführt, mit dem in den Folgejahren – in Erinnerung an die Luftbrücke 1948/49 – Rundflüge mit Passagieren durchgeführt wurden. Am 19. Juni 2010 verunfallte die Maschine mit einem anderen Piloten am Steuer in der Nähe des Flughafens Schönefeld, wobei einige Passagiere verletzt und das Flugzeug erheblich beschädigt wurde. Bereits kurze Zeit später wurde ein Verein mit dem Zweck der Ermöglichung des Wiederaufbaus der Maschine gegründet.[5] Heinz-Dieter Kallbach ist mittlerweile Ehrenvorsitzender dieses Vereines.

Literatur[Bearbeiten]

  • Günter Heribert Münzberg: Mayday über Saragossa. Heinz-Dieter Kallbach - Deutschlands legendärster Flugkapitän. Leipzig, 2007, ISBN 978-3-939611-21-9

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heinz-Dieter Kallbach – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Märkische Oderzeitung 28./29. Juni 2008 Herr der Lüfte
  2. Heinz-Dieter Kallbach bei interflug.biz, abgerufen am 5. Januar 2011
  3. GESCHICHTE: Die verrückte Idee mit dem Flugzeug bei otto-lilienthal.de, abgerufen am 5. Januar 2011
  4. Iljuschin Il-62 „Lady Agnes“, auf dem Segelflugplatz am Gollenberg bei Stölln (52° 44′ 43″ N, 12° 23′ 2,2″ O52.74527777777812.383944444444)
  5. Rettet den Rosinenbomber abgerufen am 29. Juli 2013