Heinz-J. Bontrup

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Heinz-J. Bontrup (2008)

Heinz-Josef Bontrup (* 8. Februar 1953 in Haltern, heute Haltern am See) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler.

Biographie[Bearbeiten]

Nach einem Studium der Wirtschaftswissenschaft an der Universität Bremen mit Abschluss 1981 zum Diplom-Ökonom erfolgte 1985 seine Promotion zum Dr. rer. pol. an der Universität Bremen mit dem Thema Preisbildung bei Rüstungsgütern. Von 1985 bis 1990 war Bontrup Wissenschaftlicher Abteilungsleiter am Progress Institut für Wirtschaftsforschung mbH Bremen und von 1990 bis 1995 Arbeitsdirektor in der Stahlindustrie. Seit 1996 ist er Professor für Wirtschaftswissenschaft mit dem Schwerpunkt Arbeitsökonomie im Fachbereich Wirtschaftsrecht an der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen am Campus Recklinghausen.

Bontrup ist Mitverfasser und Herausgeber der jährlichen Memoranden der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik (Memorandum-Gruppe) sowie deren Sprecher. Er ist Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Progress Instituts für Wirtschaftsforschung mbH Bremen und Vertrauensdozent der Hans-Böckler-Stiftung. Außerdem ist er Direktor am Westfälischen Energieinstitut an der Westfälischen Hochschule sowie Mitglied im Expertenrat zur Reform der Wirtschafts- und Währungsunion der Europaministerin des Landes Nordrhein Westfalen (organisiert von FINE (Forschungs-Initiative NRW in Europa an der Universität Düsseldorf)).

Unterstützung des französischen Manifests der Empörten Ökonomen[Bearbeiten]

Durch ein ausführliches Vorwort Zur neoliberalen Mainstream-Ökonomie und ihrem kläglichen Versagen vor und in der Finanz- und Wirtschaftskrise unterstützte Bontrup 2011 das in Frankreich seit 2010 sehr weit verbreitete und viel diskutierte Manifeste d'économistes atterrés, das auf Deutsch unter dem leicht abgewandelten Titel Empörte Ökonomen publiziert wurde.[1] Bontrup äußert darin seine Auffassung, wie die Neoklassik in der Wirtschaftswissenschaft und dann der Neoliberalismus zur jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise beitrugen und dass die Wirtschaftspolitik unverändert, wie vor der Krise, weiter praktiziert und deshalb tiefer in den Abgrund führen werde. Das Manifest selbst meint, Labilität und soziale Ungleichheit wüchsen durch die staatlichen Maßnahmen der Jahre 2009–2012. Er prangert 10 politische Fehlbehauptungen an und unterbreitet 22 Vorschläge zur besseren künftigen Steuerung der Krise. Alternativen seien nötig. Philippe Askenazy, André Orléan, Henry Sterdyniak und Thomas Coutrot bestreiten, dass Finanzmärkte überhaupt effizient sind; dass sie zum Wirtschaftswachstum beitragen; dass Finanzmärkte die Kreditwürdigkeit von Staaten korrekt einschätzen können; dass der Anstieg der Staatsverschuldung von übermäßigen Ausgaben herkommt; dass die Staatsausgaben deshalb begrenzt werden müssen, um die Staatsverschuldung zu senken; dass letztere die Last angeblicher wirtschaftlichen „Maßlosigkeit“ (des Konsums) auf spätere Generationen verschiebt; dass man die Finanzmärkte „beruhigen“ muss, um die Staatsverschuldung zu finanzieren; dass die EU das europäische Sozialmodell schützt. Sie glauben nicht, dass der Euro ein Schutzschild gegen die Krise ist. Die griechische Krise sei durchaus kein Sprungbrett zu einer europäischen Wirtschaftsregierung und einem wirklichen europäischen Sozialpakt. Als Schlussfolgerung verlangen die Autoren von allen Bürgern, dass staatliche Wirtschaftspolitik breit diskutiert werden müsse. Institutionell sollen Entwicklungspfade zu einer Restrukturierung der EU geschaffen werden.

Bücher und Monographien[Bearbeiten]

  • Nachfragemacht von Unternehmen. Ursachen und Wirkungen sowie Bekämpfungsmöglichkeiten der Nachfragemachtausübung von Handelsunternehmen auf den Wettbewerbsprozess. Pahl-Rugenstein, Köln 1983, ISBN 3-7609-5159-7.
  • Preisbildung bei Rüstungsgütern. Verlag Wissenschaft und Politik, Köln 1986, ISBN 3-8046-8677-X (Dissertation)
  • mit Axel Troost: Preisbildung in der Elektrizitätswirtschaft. Ein Beitrag zur Diskussion um die Novellierung der Stromtarife. PIW, Bremen 1988, ISBN 3-925139-09-5.
  • mit Norbert Zdrowomyslaw: Die deutsche Rüstungsindustrie. Vom Kaiserreich bis zur Bundesrepublik. Ein Handbuch. Distel-Verlag, Heilbronn 1988, ISBN 3-923208-18-9.
  • Volkswirtschaftslehre. Grundlagen der Mikro- und Makroökonomie. Oldenbourg, München/Wien 1998, ISBN 3-486-24233-4; 2. Auflage. ebd., 2004, ISBN 3-486-57576-7.
  • mit Katrin Hansen (Hrsg.): Problemfelder eines zukunftsorientierten Personalmanagements. Fortis-Verlag FH, Köln 1998, ISBN 3-933430-16-X.
  • Lohn und Gewinn. Volks- und betriebswirtschaftliche Grundzüge. Oldenbourg, München/Wien 2000, ISBN 3-486-25164-3; 2. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. ebd., 2008, ISBN 978-3-486-58472-1.
  • (Hrsg.): Handbuch Ausbildung. Berufsausbildung im dualen System. Oldenbourg, München/Wien 2000, ISBN 3-486-25150-3; 3. Aufl.: Personalmanagement kompakt. Handbuch. Verlag Personal, Recht, Management, Troisdorf 2010, ISBN 978-3-941388-40-6.
  • mit Kai Springob: Gewinn- und Kapitalbeteiligung. Eine mikro- und makroökonomische Analyse. Gabler, Wiesbaden 2002, ISBN 3-409-11784-9.
  • Arbeit, Kapital und Staat. Plädoyer für eine demokratische Wirtschaft. PapyRossa-Verlag, Köln 2013, 5. Auflage, ISBN 978-3-89438-326-8.
  • mit Jörg Huffschmid, Alex Demirović, Michael Schumann, Julia Müller & Joachim Bischoff: Wirtschaftsdemokratie. Alternative zum Shareholder-Kapitalismus. VSA-Verlag, Hamburg 2006, ISBN 3-89965-190-1.
  • Keynes wollte den Kapitalismus retten. Zum 60. Todestag von Sir John Maynard Keynes. Internationale Politikanalyse der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn 2006, ISBN 3-89892-534-X.
  • mit Lars Niggemeyer & Jörg Melz: Arbeitfairteilen. Massenarbeitslosigkeit überwinden! VSA-Verlag, Hamburg 2007, ISBN 978-3-89965-249-9.
  • mit Ralf-M. Marquardt: Nachfragemacht in Deutschland. Ursachen, Auswirkungen und wirtschaftspolitische Handlungsoptionen. Monsenstein und Vannerdat, Münster 2008, ISBN 978-3-86582-659-6.
  • mit Ralf-M. Marquardt: Kritisches Handbuch der deutschen Elektrizitätswirtschaft. Branchenentwicklung, Unternehmensstrategien, Arbeitsbeziehungen. Edition Sigma, Berlin 2010, ISBN 978-3-8360-8712-4.
  • Durch Umverteilung von unten nach oben in die Krise. Expertise. Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn 2010, ISBN 978-3-86872-504-9.
  • Zur neoliberalen Mainstream-Ökonomie. Ihr klägliches Versagen vor und in der Finanz- und Wirtschaftskrise. Vorwort zu: Manifeste d’économistes atterrés. Empörte Ökonomen. Eine Streitschrift. PAD, Bergkamen 2011, ISBN 978-3-88515-237-8, S. 5–27.[2]
  • Zum Versagen der Mainstream-Ökonomie … und wie aus der Finanz- und Wirtschaftskrise nichts gelernt wurde. In: Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (Hrsg.): Wege und Irrwege in die Wissensgesellschaft. Forschungspolitik zwischen Standortsicherung und gesellschaftlicher Verantwortung. BdWi-Studienheft 7. Januar 2011, S. 52–54 (PDF; 169 KB)
  • mit Mohssen Massarrat: Manifest zur Überwindung der Massenarbeitslosigkeit. Sonderdruck in Ossietzky. Zweiwochenschrift für Politik, Kultur, Wirtschaft. Mai 2011 (PDF; 123 KB)
  • Zur größten Finanz- und Wirtschaftskrise seit 80 Jahren. Ein kritischer Rück- und Ausblick mit Alternativen. DGB, Hannover 2011 (PDF; 348 KB)
  • Der diskreditierte Staat. Alternativen zur Staatsverschuldung und zu Schuldenbremsen. PAD, Bergkamen 2012, ISBN 978-3-88515-238-5.
  • mit Thomas Korenke & Mike Wienbracke (Hrsg.): Arbeit – Personal – Soziales. Festschrift zum 65. Geburtstag von Peter Pulte. Kovač, Hamburg 2012, ISBN 978-3-8300-6030-7.
  • Wo geht es hier bitte zur Marktwirtschaft? Marktwirtschaftliche Ordnung, Wettbewerb und Wirtschaftsmacht. PAD, Bergkamen 2012, ISBN 978-3-88515-247-7.
  • mit Mohssen Massarrat (Hrsg.): „Arbeitszeitverkürzung jetzt! 30-Stunden-Woche fordern!“, PAD, Bergkamen 2013, ISBN 978-3-88515-249-1.
  • mit Ralf-M. Marquardt: „Chancen und Risiken der Energiewende“, Hans Böckler Stiftung, Arbeitspapier 252, Düsseldorf 2012.
  • Krisenkapitalismus und EU-Verfall. PapyRossa-Verlag, Köln 2013, ISBN 978-3-89438-537-8.
  • Pikettys Kapitalismus-Analyse. Warum die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden. pad-Verlag, Bergkamen 2014, ISBN 978-3-88515-260-6.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Eigentlich: Bestürzte Ökonomen. Die Manifest-Übersetzung von Gerhard Rinnberger stammt bereits aus einer englischen Übersetzung; für wissenschaftliche Zwecke ist daher der Griff zur frz. Urfassung ratsam.
  2. Französisch: Original-Fassung. Deutsch aus dem Englischen. Andere Übersetzung, jedoch OHNE Vorwort online. Dort auch die bisher (April 2012) übersetzen Fassungen in andere Sprachen, bisher Spanisch und Portugiesisch.