Heinz Hunger (Theologe)

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Heinz Hunger (* 28. August 1907 in Radeberg; † 22. Februar 1995 in Münster) war ein deutscher Theologe, Sexualpädagoge und Mitglied der Deutschen Christen.

Leben[Bearbeiten]

Hunger studierte Theologie und wurde 1933 zum evangelisch-lutherischen Pfarrer ordiniert. Seit 1936 verwaltete er als Hilfspfarrer die Gemeinde Friedebach. Er promovierte zum Doktor der Theologie.

Als Pfarrer von Sundremda wurde Hunger im Jahre 1939 Mitarbeiter am Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben und zu dessen hauptamtlichen Geschäftsführer bestellt, wozu er von der Kirchenführung beurlaubt wurde. In einem Beitrag zu einem Buch des wissenschaftlichen Leiters Walter Grundmann erklärte er: „Selbstverständlich ist die jüdische Psychoanalyse nichts von Grund auf Neues. Das hieße der Unproduktivität der jüdischen Rasse hier wie anderswo zuviel Ehre anzutun.“ [1] Die eigenständigen wissenschaftlichen Arbeiten Hungers aus der Zeit vor 1945 gehen grundsätzlich von einer rassisch-biologistischen Sicht aus: „Sondern, hierdurch stoße ich zum eigentlichen ganzheitstheoretischen Ansatz durch, weil der eine bluts- und rassenmäßig Jude ist und der andere Germane, entwickeln sie diese oder jene Eigenschaften.“[2]

Nach 1945 orientierte er sich auf das Gebiet der Sexualerziehung, was ihm den Spitznamen „Sex-Hunger“ eintrug. Er wurde Redaktionsleiter der Zeitschrift Der evangelische Religionslehrer an der Berufsschule, die vom Schriftenmissionsverlag Gladbeck herausgegeben wurde.

Werke[Bearbeiten]

  • Wesen und Methode einer rassekundlichen Religionsgeschichte, in: Walter Grundmann (Hg.), Christentum und Judentum, Leipzig 1940, S. 193-233.
  • Jüdische Psychoanalyse und deutsche Seelsorge, in: W. Grundmann (Hg.), Germanentum, Christentum und Judentum, Leipzig 1942, S. 307-353.
  • Das Sexualwissen der Jugend; Sexualpädagogische Schriftenreihe 1; München, Basel: E. Reinhardt, 1954 (19602)
  • Evangelische Jugend und evangelische Kirche. Eine empirische Studie; Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn, 1960
  • Kranken-Gebet-Büchlein; Gladbeck: Schriftenmissionsverlag, 1961
  • Wissensbildung und Gewissensbildung in der Geschlechtererziehung. Notwendigkeit und Möglichkeiten einer außerfamiliären Sexualpädagogik; Münster: Evangelischer Bundesarbeitskreis für Jugendschutz, 1963
  • Zur Verlobung; Gütersloh: Gütersloher Verlags-Haus Gerd Mohn, 1963
  • Was Jungen wissen wollen; Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus Mohn, 1968
  • Kinder fragen – Eltern antworten. Ein Ratgeber zur geschlechtlichen Aufklärung; Gütersloh: Gerd Mohn 1969
  • Das Sexualwissen der Jugend – Ein Report für Erzieher – Vom Verfasser neu bearbeitete Taschenbuchausgabe; Herder-Bücherei 381; Freiburg im Breisgau: Herder, 1970
  • Sexualpädagogik und Sexualmoral. Wider die falschen Alternativen in der Geschlechtserziehung; Essen: Neue Deutsche Schule, 1972
  • Der Äskulapstab. Zur Funktion präsentativer Symbole in der Kommunikation; Berlin [West]: Spiess, 1978; ISBN 3920889762
  • Die heilige Hochzeit. Vorgeschichtliche Sexualkulte und -mythen; Wiesbaden: Verlag Medical Tribune, 1984; ISBN 3922264417

Mitarbeit an anderen Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Walter Grundmann (Hrsg.): Germanentum, Christentum und Judentum. Studien zur Erforschung ihres gegenseitigen Verhältnisses; Band 2: Sitzungsberichte der zweiten Arbeitstagung des Instituts zur Erforschung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben vom 3. bis 5. März 1941 in Eisenach; Leipzig: Wigand, 1942

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich; Frankfurt/Main 2003, S. 275
  2. Heinz Hunger, Wesen und Methode einer rassekundlichen Religionsgeschichte, in: Walter Grundmann (Hrsg.): Christentum und Judentum. Studien zur Erforschung ihres gegenseitigen Verhältnisses; Band 1: Sitzungsberichte der zweiten Arbeitstagung des Instituts zur Erforschung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben vom 1. bis 3. März 1940 in Wittenberg; Leipzig 1940, S. 227.