Heinz Kloss

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Heinz Kloss (* 30. Oktober 1904 in Halle/Saale; †  13. Juni 1987 in Groß-Gerau) war ein deutscher Sprachwissenschaftler und international renommierter Experte für Sprachminderheiten.

Leben[Bearbeiten]

Kloss studierte an den Universitäten Halle und Berlin Jura und Volkswirtschaft und schloss 1926 als Diplom-Volkswirt ab. 1929 promovierte er an der Universität Innsbruck mit einer Arbeit zum Thema Fremdsprachige Einwanderung in das französische Sprachgebiet Frankreichs vor dem Weltkrieg. Ab 1932 bis zum Kriegsende war Kloss im Deutschen Auslandsinstitut in Stuttgart tätig.

Während der Zeit des Nationalsozialismus vertrat er die nationalsozialistische Blut-und-Boden-Ideologie. Unter anderem verfasste er 1940 eine Propagandabroschüre unter dem Titel Brüder vor den Toren des Reiches. Vom volksdeutschen Schicksal und 1944 ein als „nur für den Dienstgebrauch“ bezeichnetes Handbuch über Statistik, Presse und Organisationen des Judentums in den Vereinigten Staaten und Kanada. Ein weiteres Buch mit dem Arbeitstitel Von Auftrag und Ordnung der Völker blieb unveröffentlicht.[1]

Nach dem Krieg war er als pädagogischer Mitarbeiter bei amerikanischen Behörden im Raum Stuttgart tätig. 1952 gründete er eine Arbeitsgemeinschaft deutscher Elternräte, aus der später der Bundeselternrat hervorging.

Nach der Neueröffnung des Instituts für Auslandsbeziehungen war er zwischen 1953 und 1959 dort wieder als Abteilungsleiter tätig und übernahm anschließend bis 1970 die Leitung der Forschungsstelle für Sprachen- und Nationalitätenfragen in Kiel, später Marburg an der Lahn. Die Forschungsstelle wurde 1971 in die Arbeitsstelle für Fragen der Mehrsprachigkeit am Institut für Deutsche Sprache in Mannheim eingegliedert, wo Kloss bis 1976 tätig war. Heinz Kloss verstarb am 13. Juni 1987 im Alter von 82 Jahren.

Werk[Bearbeiten]

Kloss prägte die Begriffe Ausbausprache,[2] Abstandsprache und Dachsprache, um die Unterschiede zwischen herkömmlichen Sprachen und herkömmlichen Dialekten zu untersuchen und zu beschreiben. Diese Begriffe werden auch international benutzt, z. B. englisch[3], französisch[4] oder russisch[5].

Werke[Bearbeiten]

  •  Grundfragen der Ethnopolitik im 20. Jahrhundert. Die Sprachgemeinschaften zwischen Recht und Gewalt. Verlagsgemeinschaft Wilhelm Braunmüller und Wissenschaftliches Archiv, Wien / Stuttgart / Bad Godesberg 1969 (Im Literaturverzeichnis werden viele Arbeiten von Heinz Kloss ab 1929 genannt).
  •  Die Entwicklung neuer germanischer Kultursprachen seit 1800. In: Sprache der Gegenwart : Schriften des Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim. 2., erweiterte Auflage. Band 37, Pädagogischer Verlag Schwann, Düsseldorf 1978, ISBN 3-590-15637-6.
  •  Deutsch in der Begegnung mit anderen Sprachen: im Fremdsprachen-Wettbewerb, als Muttersprache in Übersee, als Bildungsbarriere für Gastarbeiter. Beiträge zur Soziologie der Sprachen. In: Forschungsberichte; 20: Arbeitsstelle für Mehrsprachigkeit am IdS Institut für Deutsche Sprache, Mannheim. Band 1, Narr, Tübingen 1974, ISBN 3-87808-620-8 (formal falsche ISBN).
  • Französische Sprachpolitik. In: Deutsche Rundschau, Nov. 1926.
  • Abstandsprachen und Ausbausprachen. In: Joachim Göschel, Norbert Nail, Gaston Van der Elst (Hrsg.): Zur Theorie des Dialekts. Aufsätze aus 100 Jahren Forschung. Mit biographischen Angaben zu den Autoren. Wiesbaden 1976 (ZDL, Beihefte, Neue Folge, 16), S. 301–322.

Quellenangaben[Bearbeiten]

  1. Gerd Simon: Heinz Kloss. Von Auftrag und Ordnung der Völker. (PDF 25kB)
  2.  Snježana Kordić: Plurizentrische Sprachen, Ausbausprachen, Abstandsprachen und die Serbokroatistik. In: Zeitschrift für Balkanologie. 45, Nr. 2, Wiesbaden 2009, ISSN 0044-2356, S. 210–215 (HTML-Datei; 22 kB, abgerufen am 2. Juli 2013).
  3. englische Wikipedia: ausbausprache oder ausbau language
  4. französische Wikipedia: langue Ausbau
  5. russische Wikipedia: ausbausprache oder ausbau-jasyk

Literatur[Bearbeiten]

  •  Christopher Hutton: ‘A complicated young man with a complicated fate, in a complicated time’. Heinz Kloss and the ethnic missonaries of the Third Reich. In: Linguistics and the Third Reich : Mother-tongue Fascism, Race and the Science of Language. Routledge, London 1999, ISBN 0-415-18954-3 (auszugsweise online).

Weblinks[Bearbeiten]