Heinz Lembke

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Heinz Lembke (* 1937; † 1. November 1981 in Lüneburg) war ein deutscher Neonazi.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

1959 flüchtete er aus der DDR in die Bundesrepublik Deutschland und schloss sich sofort rechtsextremistischen Vereinigungen an. Er trat dem Bund Vaterländischer Jugend bei und wurde 1960 dessen Bundesgeschäftsführer. Er trat auf Veranstaltungen des Bundes Heimattreuer Jugend und der Deutschen Bürgerinitiative von Manfred Roeder auf und engagierte sich in der Deutschen Reichspartei (DRP) sowie in der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD), für die er 1968 kandidierte.[1] Daneben organisierte er sogenannte Wehrsportübungen und wurde zum „umtriebigsten Beschaffer von Waffen für die rechten Terroristen“.[2] So bedienten sich die Bombenleger um Peter Naumann aus Lembkes Reservoir, um Anschläge auszuführen.[3] Lembke unterhielt nachweislich Beziehungen zu den terroristischen Deutschen Aktionsgruppen und zur Wehrsportgruppe Hoffmann.[4]

So hatten die Mitglieder der Deutschen Aktionsgruppen Raymund Hörnle und Sibylle Vorderbrügge einen Tag nach dem Oktoberfestattentat ausgesagt, dass Lembke ihnen Waffen, Sprengstoff und Munition angeboten und von umfangreichen Waffendepots erzählt habe.[5] Eine Untersuchung von Lembke Haus blieb erfolglos. Ein knappes Jahr später entdeckten Waldarbeiter durch Zufall eines der Depots. Lembke, der Revierförster in Hanstedt-Oechtringen unweit des Truppenübungsplatzes Munster war, offenbarte im Untersuchungsgefängnis die Lage seiner 33 Waffen- und Sprengstoffdepots, deren Entdeckung bei Uelzen in der Lüneburger Heide 1981 ein breites Medienecho fand: Sie enthielten unter anderem automatische Waffen, 13.520 Schuss Munition, 50 Panzerfäuste, 156 kg Sprengstoff und 258 Handgranaten.[6] Die Menge und Qualität der gefundenen militärischen Ausrüstung deuten laut Daniele Ganser deutlich auf eine Mitgliedschaft Lembkes in der Geheimorganisation Gladio hin, für die solche Waffendepots charakteristisch waren.

Tod[Bearbeiten]

Lembke stellte in Aussicht, gegenüber der Bundesanwaltschaft umfassend auszusagen. Am 1. November 1981, einen Tag vor seiner Vernehmung durch einen Staatsanwalt, wurde er jedoch mit einem Kabel erhängt in seiner Lüneburger Gefängniszelle aufgefunden.[6] Er hatte einen handschriftlichen Abschiedsbrief hinterlassen.[7] Die Ermittlungen wurden bald nach seinem Tod eingestellt und Lembke als Einzelgänger dargestellt, der die Waffendepots aufgrund seiner Furcht vor einer sowjetischen Invasion angelegt habe. Woher er die Waffen erhalten hatte, blieb ungeklärt. In Akten des Ministeriums für Staatssicherheit wurden abgehörte Funksprüche aufgefunden, in denen der Bundesnachrichtendienst eine Gruppe 27 von Gladio anwies, „Materialverstecke“ in Lembkes Operationsgebiet anzulegen.[7]

In Spurenakten zum Oktoberfestattentat steht der Vermerk „Erkenntnisse über Lembke sind nur zum Teil gerichtsverwertbar“. Solche Vermerke kommen normalerweise nur bei V-Leuten oder Mitarbeitern von Geheimdiensten vor.[8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Julia Montalcino: Die Gladio-Nazi-Connection. Die Spur eines Gladio-Waffenlagers führt zu einem Naziterroristen. In: ZOOM – Zeitschrift für Politik und Kultur. Nr. 4+5/1996 (Auszüge in haGalil, 23. September 2005)

Fußnoten[Bearbeiten]

  1.  Es ist Wolfszeit. In: Der Spiegel. Nr. 46, 1981, S. 30–32 (online).
  2. Hans-Gerd Jaschke, Birgit Rätsch & Yury Winterberg: Nach Hitler. Radikale Rechte rüsten auf. Bertelsmann, München 2001, ISBN 3-570-00566-6, S. 31
  3. Hans-Gerd Jaschke, Birgit Rätsch & Yury Winterberg: Nach Hitler. Radikale Rechte rüsten auf. Bertelsmann, München 2001, ISBN 3-570-00566-6, S. 32
  4. Jürgen Pomorin, Reinhard Junge & Georg Biemann: Geheime Kanäle. Der Nazi-Mafia auf der Spur. Weltkreis-Verlag, Dortmund 1981, ISBN 3-88142-256-0, S. 174
  5. http://www.sueddeutsche.de/muenchen/oktoberfest-attentat-neue-zweifel-an-der-einzeltaeter-these-1.2118985-2
  6. a b Daniele Ganser: Terrorism in Western Europe: An Approach to NATO’s Secret Stay-Behind Armies. In: The Whitehead Journal of Diplomacy and International Relations. Vol. VI, No. 1, Winter/Frühling 2005 (PDF; 163 KB)
  7. a b Reinhard Jellen: „Es wird noch viel Aufklärungsarbeit nötig sein“. In: Telepolis. 31. Juli 2010 (Teil 3 eines Interviews mit Tobias von Heymann)
  8. Florian Fuchs: Die Brisanz von Spur 253. Süddeutsche.de, 3. Juni 2014, abgerufen am 9. September 2014.