Heinz Melkus

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Heinz Melkus
Bundesarchiv Bild 183-82487-0007, Internationale Halle-Saale-Schleife.jpg
zur Person
Nation Deutschland Demokratische Republik 1949DDR Deutsche Demokratische Republik
Geburtstag 20. April 1928
Geburtsort Dresden
Sterbedatum 5. September 2005
Sterbeort Dresden
Karriere
wichtigste Erfolge
1954 Bester Privatfahrer der DDR
1958 DDR-Meister Formel III bis 500 cm3
1960 DDR-Meister Formel Junior bis 1000 cm3
1967, 1968, 1972 DDR-Meister Formel III bis 1300 cm3

Heinz Melkus (* 20. April 1928 in Dresden; † 5. September 2005 ebenda) war ein deutscher Automobilrennfahrer und Konstrukteur von Rennwagen.

Seine Rennsportkarriere begann 1951. Nach zunächst bescheidenen Jahren errang Melkus 1954 den Titel „Bester Privatfahrer der DDR“.

Leben[Bearbeiten]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Heinz Melkus wurde am 20. April 1928 als Sohn des Ehepaares Karl und Erna Melkus, gebürtige Flutschka in Dresden geboren. Die ursprünglich aus dem Sudetenland stammende Familie wohnte in einem Mehrfamilienhaus auf der Ackermannstraße 14 unweit des Dresdner Hauptbahnhofs. Vom Vater, welcher Direktor der Dresdner Bier-Vertretungsgesellschaft war, erhielt Melkus die österreichische Staatsbürgerschaft. Die Einschulung von Heinz Melkus erfolgte 1934. In den Jahren 1936/1937 besuchte er die 8. Volksschule am Pieschener Konkordienplatz und ab 1938 das Realgymnasium der Dreikönigschule. Im nationalsozialistischen Deutschen Jungvolk brachte es Melkus bis zum Jungzugführer.[1] 1942 wechselte er in die Hitlerjugend. Bei der Flieger-HJ erhielt Melkus in Schönfeld auf dem Triebenberg seine fliegerische Segelflugzeugausbildung. Zudem hielt er Vorträge über den Bau und die Wartung von Segelflugzeugen und absolvierte mehrere entsprechende Reparaturlehrgänge. Ab 1943 wurde Melkus bei der Flak-Batterie 207 in Rochwitz als Flakhelfer eingesetzt. 1944 legte er die Mittlere Reife ab und bewarb sich als Reserveoffizieranwärter beim Jagdgeschwader 1.[2] Bis Anfang 1945 erwarb Melkus den internationalen Luftfahrtschein für Segelflugzeugführer und beendete seine Ausbildung zum Werkstatt- und Ausbildungsleiter für Segelflugzeugbau. Die im Februar 1945 folgenden Luftangriffe auf Dresden überstand die Familie körperlich unbeschadet wenngleich die Melkus'sche Wohnung am 13. Februar durch eine Fliegerbombe zerstört wurde. Die Familie kam daraufhin bei den Großeltern in Bühlau unter, die dort einen Obstladen unterhielten. In den letzten Kriegstagen floh Melkus zusammen mit seiner Mutter in das Erzgebirge.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs barg Melkus vom Betriebsfuhrpark seines Vaters einen Lastkraftwagen, setzte diesen instand und erwarb nach einer Kurzprüfung mit siebzehn Jahren die Fahrerlaubnis.[3] Mit dem LKW betätigte er sich zunächst als Transportfahrer für Lebensmittel und Brennstoff. Von September 1945 bis 1949 fuhr er dann als Fahrer für die Autotransportgemeinschaft (ATG)[4] sowie im Anschluss daran für die Wernesgrüner Brauerei, welche zwischenzeitlich den väterlichen Biervertrieb übernommen hatte.[5] Neben seinem Beruf bildete sich Melkus an der Volkshochschule zum Verkehrskaufmann weiter. In seiner weiteren Freizeit schraubte er unterdessen aus diversen Fahrzeugwrackteilen Kraftfahrzeuge zusammen. 1950 stieg Melkus bei der Wernesgrüner Brauerei zum Fuhrparkleiter und Expedient auf und betreute die Neueinrichtung der Brauereiniederlassungen in Leipzig und Berlin.[6]

Sportliche Karriere[Bearbeiten]

Sportliche Anfänge[Bearbeiten]

Bevor Melkus zum professionellen Motorsport fand, fuhr er bereits seit Ende der Vierziger Jahre bei diverse Motorradclubveranstaltungen. 1950 stieg er auf Personenkraftwagen um. Seine ersten Leistungsprüfungsfahrten, so die damalige Bezeichnung für Straßenrennen, fuhr er auf einen von ihn umgebauten Wehrmachts-Kübelwagen mit der aufgesetzten Karosserie eines Steyr 50. Noch im gleichen Jahr tauschte er diesen Wagen bei Rudolf Krause gegen einen BMW 321-Cabriolet ein, mit dem er bis 1952 weitere Leistungsprüfungsfahrten unternahm.[7] Zwischenzeitlich hatte sich Melkus der Sektion Motorrennsport in der Betriebssportgemeinschaft Niedersedlitz angeschlossen deren Leiter er 1950 beziehungsweise ab 1953 Vorsitzender war.[8]

Seinen „Aha“-Moment bezüglich des Motorsports erlebte Melkus Mitte Juni 1951 bei einem Rennen auf der Autobahnspinne in Dresden-Hellerau als er für den Getränkestand seiner Brauerei Nachschub lieferte und aufgrund des dichten Gedränges das Wettkampfgeschehen zwangsweise mit ansehen musste. Dies führte dazu, dass Melkus seinen ersten selbst konstruieren Rennwagen für das nächste Rennen auf dem Sachsenring anmeldete. Als Fahrzeug diente ihm ein modifizierter Volkswagen Typ 166. Der so entstandene Wagen entsprach der Klasse G für Fahrzeuge bis 1100cm3.[9] In seinem ersten Rennen qualifizierte sich Melkus nach technischen Problemen im Training auf den letzten Startplatz und wurde im Rennen Dreizehnter.[10] Das zweite und letzte Rennen in diesem Jahr bestritt Melkus erneut auf dem Sachsenring, wo er Vierter wurde.

Der Veritas mit Pantin-Flugmotor von Melkus beim 6. Leipziger Stadtparkrennen im Mai 1954. Dieser Veritras wurde 1956 zum DEFA-Film Rivalen am Steuer genutzt.

Für die Saison 1952 verkaufte Melkus seinen Volkswagen und erwarb über eine Vermittler einen Veritas mit Alfa Romeo-Motor, der zuvor von Arthur Rosenhammer pilotiert worden war. Der Veritas konnte sowohl als Rennwagen in der Klasse E (bis 2000cm3) als auch in der Formel II eingesetzt werden.[11] Mit dem Wagen wurde Melkus DDR-Vizemeister in der Gruppe E und in der Formel II Sechster der Meisterschaftswertung.[12] 1953, mittlerweile war Melkus mit der Leitung der Brauerrei-Niederlassung Dresden beauftragt worden, trat er mit dem gleichen Wagen nur noch in der Formel II an und erreichten den Siebten Platz in der Meisterschaftswertung. Beim IX. Internationalen Avusrennen am 12. Juli 1953 fiel Melkus infolge eines Pleuelabrisses bei 220 km/h vorzeitig aus. Der Defekt zerstörte zugleich den Alfa-Romeo Motor seines Wagens,[13] so dass Melkus als Ersatz einen französischen Pantin-Flugmotor mit 80 PS verbauen musste.

Der Pantin-Motor verhalf Melkus in der 1954er Saison zu drei Siegen in Folge. Beim vierten und letzten Rennen auf der Bernauer Schleife fiel er aus. Damit sicherte sich Melkus in der Klasse F bis 1500cm3 den 2. Platz in der DDR-Bestenermittlung und errang den Titel „Bester Privatfahrer der DDR“. Beim internationalen Avusrennen wurde er Zwölfter. Doch der hohe Reparaturaufwand an seinem Veritas-Eigenbau zwang Melkus sich nach der Saison von diesem Wagen zu trennen.[14]

Für 1955 wechselte Melkus zur Betriebssportgemeinschaft Post wo er einen bereits halbfertigen Formel III-Rennwagen in Monopostoausführung vorfand, den er zu Ende baute. So markierte der Wagen mit der offiziellen Bezeichnung „Eigenbau Post“ mit J.A.P.-Motor den Beginn des Konstrukteurs Heinz Melkus.[15] Der Wagen, welcher in der Klasse bis 500 cm3 antrat war schnell aber unzuverlässig, so dass Melkus lediglich den vierten Rang in der DDR-Meisterschaft einfahren konnte. Neben der Formel III bestritt Melkus in diesem Jahr mit einem BMW 321 die Rallye Wartburg, wo er zusammen mit dem Kopiloten Egon Binner den zweiten Platz erreichte. 1956 trat Melkus erneut mit dem Eigenbau Post an, doch erwies sich der Wagen weiterhin als anfällig. Da ein Verkauf nach der Saison scheiterte, bestritt Melkus 1957 notgedrungen auch diese Saison mit dem Eigenbau und erreichte immerhin den 3. Platz in der DDR-Meisterschaftswertung. Ende 1957 wurde der Wagen ausgeschlachtet und die Teile zum Bau eines neuen Formel III-Rennwagens verwendet.[16]

Weitere sportliche Karriere[Bearbeiten]

Heinz Melkus in einem seiner Formel-Junior-Rennwagen

Ab den 1960er Jahren wurden Melkus-Rennwagen in seiner Werkstatt (siehe Automarke Melkus) gefertigt. Der DDR-Sportwagen Melkus RS1000 mit 101 Exemplaren auf der Basis eines Wartburg, aber mit Kunststoffkarosserie, Flügeltüren und einem Leistungsspektrum von 70 bis 100 PS (Straßen- bzw. Rennversion), war dabei der Höhepunkt seiner Konstrukteursarbeit.

1977 gab er seinen Rücktritt vom aktiven Motorsport bekannt.

Nach der Wende gelang es ihm als erstem Vertragshändler in der ehemaligen DDR ein Autohaus für BMW zu eröffnen. Melkus verstarb 2005 in Dresden und wurde auf dem Friedhof in Bühlau beigesetzt.

Statistik[Bearbeiten]

Heinz Melkus gewann sechs DDR-Meisterschaften und in der Formel Easter dreimal den Titel „Pokal für Frieden und Freundschaft“, die Europameisterschaft der RGW-Staaten. Melkus siegte in 80 seiner 200 gefahrenen Rennen und war damit der erfolgreichste und nach Angaben der Fachpresse auch populärste Motorsportler der DDR.

Familie[Bearbeiten]

Heinz Melkus war seit 1949 mit der Lehrerin Johanna (Hanni) Lemke verheiratet.[6] Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor. Ulli Melkus, geboren 1950, wurde wie sein Vater Rennfahrer. Er verunglückte 1990 bei einem Verkehrsunfall tödlich. Peter Melkus wurde 1954 geboren und stieg ebenfalls in die Fußstapfen des Vaters.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfang Melenk, Mike Jordan: Rennsportlegende Heinz Melkus. Lebenswerk und Sportkarriere des Dresdner Automobilkonstrukteurs und Autorennfahrers. Delius Klasing, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-7688-5792-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heinz Melkus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Melenk/Jordan S. 6.
  2. Melenk/Jordan S. 7.
  3. Melenk/Jordan S. 8.
  4. Melenk/Jordan S. 9.
  5. Melenk/Jordan S. 10.
  6. a b Melenk/Jordan S. 11.
  7. Melenk/Jordan S. 12.
  8. Melenk/Jordan S. 13.
  9. Melenk/Jordan S. 14-16.
  10. Melenk/Jordan S. 17.
  11. Melenk/Jordan S. 20.
  12. Melenk/Jordan S. 126.
  13. Melenk/Jordan S. 21.
  14. Melenk/Jordan S. 22–24.
  15. Melenk/Jordan S. 25–26.
  16. Melenk/Jordan S. 27.