Heinz Neumann (Politiker)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Heinz Neumann (* 6. Juli 1902 in Berlin; † 26. November 1937 in der Sowjetunion) war ein deutscher Politiker (KPD) und Journalist. Er war KPD-Vertreter bei der Komintern, Chefredakteur der Parteizeitung Die Rote Fahne und Mitglied des Reichstages.

Leben[Bearbeiten]

Aus einer bürgerlichen Familie stammend, kam Heinz Neumann während seines Philologiestudiums mit marxistischen Ideen in Kontakt und wurde 1920 vom damaligen Generalsekretär Ernst Reuter in die KPD aufgenommen und dort zunächst von August Thalheimer gefördert. Ab 1921 schrieb Neumann Leitartikel für verschiedene KPD-Zeitungen und wurde nach der Aufgabe seines Studiums 1922 Redakteur der Roten Fahne. Während eines sechsmonatigen Gefängnisaufenthaltes lernte er Russisch, so dass er Ende 1922 während einer Reise in die Sowjetunion mit sowjetischen Parteifunktionären, darunter Stalin, mit dem Neumann von nun an bis 1932 eng kooperierte, auch ohne Dolmetscher sprechen konnte.

In der KPD zunächst zum linken Flügel um Ruth Fischer gehörend, verbündete er sich 1923 mit Arthur Ewert und Gerhart Eisler und wurde politischer Leiter im Parteibezirk Mecklenburg. Nach dem Hamburger Aufstand zeitweise illegal lebend, floh Neumann 1924 nach Wien und wurde von dort 1925 in die Sowjetunion ausgewiesen, wo er im gleichen Jahr Iwan Katz als KPD-Vertreter bei der Komintern ablöste. Von Moskau aus spielte Neumann bis 1927 eine wichtige Rolle in dem als „Bolschewisierung“ bezeichneten Prozess und der Ablösung Ruth Fischers und Arkadi Maslows vom Parteivorsitz, welche die KPD unter die Kontrolle Stalins und ihn selbst in das ZK der Partei brachte. Von Juli bis Dezember 1927 vertrat er die Komintern in China. Mit dem georgischen Kommunisten Bessarion Lominadse organisierte er den Aufstand in Guangzhou am 11. Dezember 1927, bei dem rund 25.000 Kommunisten umkamen.

1928 ging Neumann nach Deutschland zurück und war seit der Ausschaltung der „Versöhnler“ im Rahmen der Wittorf-Affäre neben Ernst Thälmann und Hermann Remmele der wichtigste Politiker der KPD. Er galt in dieser Phase als wichtigster Theoretiker der Partei und wurde Chefredakteur der Roten Fahne. Als „Chefideologe“ war Neumann federführend für die ultralinke Linie (RGO- und Sozialfaschismuspolitik) der Partei verantwortlich, trat aber auch gleichzeitig für einen entschiedenen Kampf gegen die Nationalsozialisten ein und prägte die in der KPD bis 1932 gültige Formel „Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft!“

1930 in den Reichstag gewählt, entwickelte Neumann ab 1931 Differenzen zu Stalin und Thälmann, da diese aus seiner Sicht die Gefahr einer Machtübernahme der NSDAP unterschätzten. In den darauffolgenden fraktionellen Auseinandersetzungen unterlag er im April 1932 und wurde im Oktober 1932 von seinen Funktionen entbunden und verlor im November 1932 auch sein Reichstagsmandat.

Zunächst als Kominternemissär nach Spanien versetzt und nach seiner 1933 erfolgten Ausbürgerung aus Deutschland – Neumann stand auf der ersten Ausbürgerungsliste des Deutschen Reichs von 1933 – illegal in der Schweiz lebend, musste er im Januar 1934 Selbstkritik üben; ihm wurde vorgeworfen, er habe gemeinsam mit Remmele die Partei spalten wollen. Ende 1934 in Zürich von der Schweizer Fremdenpolizei verhaftet, war er dort ein halbes Jahr inhaftiert und wurde dann 1935 in die Sowjetunion ausgewiesen. Hier geriet er in den Großen Terror, wurde am 27. April 1937 vom NKWD verhaftet, am 26. November 1937 vom Militärkollegium des Obersten Gerichtes der Sowjetunion zum Tode verurteilt und noch am selben Tag erschossen.

Margarete Buber-Neumann war vom Sommer 1929 an Heinz Neumanns Lebensgefährtin. Sie wurde nach seinem Verschwinden ebenfalls verhaftet und 1940 von sowjetischen Stellen an das nationalsozialistische Deutschland ausgeliefert.

Publikationen[Bearbeiten]

  • Die vaterländischen Mörder Deutschlands. Bayern in der kleinen Entente. Das Ergebnis des Münchener Hochverratsprozesses. Berlin 1923 (gemeinsam mit Karl Frank)
  • Maslows Offensive gegen den Leninismus. Kritische Bemerkungen zur Parteidiskussion. Hamburg 1925
  • Was ist Bolschewisierung? Hamburg 1925
  • Der ultralinke Menschewismus. Berlin 1926
  • J. W. Stalin. Hamburg 1930
  • Durch rote Einheit zur Macht. Heinz Neumanns Abrechnung mit der Politik des sozialdemokratischen Parteivorstandes. Berlin 1931
  • Prestes, der Freiheitsheld von Brasilien. Moskau 1936.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]