Heinz Schilling (Historiker)

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Heinz Schilling (* 23. Mai 1942 in Bergneustadt) ist ein deutscher Historiker (Frühe Neuzeit).

Leben[Bearbeiten]

Heinz Schilling ist in Köln aufgewachsen. Nach einem Studium der Geschichte, Germanistik, Philosophie und Soziologie an der Universität zu Köln, mit dem Staatsexamen für den höheren Lehrdienst als Abschluss, promovierte Heinz Schilling 1971 an der Freiburger Albert-Ludwigs-Universität mit einer Untersuchung zur Sozial- und Religionsgeschichte niederländischer Exulanten (Erstgutachter war der Osteuropahistoriker Gottfried Schramm). Von 1971 bis 1979 war Schilling als Assistent bzw. Hochschuldozent zunächst am Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte, dann für Geschichte der Frühen Neuzeit an der neugegründeten Fakultät für Geschichtswissenschaft der Universität Bielefeld tätig, wo er sich 1977/78 mit einer Fallstudie zur territorialen Gesellschafts- und Konfessionalisierungsgeschichte habilitierte (Gutachter Wolfgang Mager, Reinhart Koselleck und Bernd Moeller). Von 1979 bis 1982 bzw. 1982 bis 1992 lehrte er als ordentlicher Professor für die Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Osnabrück bzw. der Justus-Liebig-Universität Gießen. 1992 folgte er dem Ruf auf den im Zuge der Neugründung des Instituts für Geschichtswissenschaften errichteten Lehrstuhl Europäische Geschichte der Frühen Neuzeit an der Berliner Humboldt-Universität, den er bis zu seiner Emeritierung zu Ende des Sommersemesters 2010 bekleidete. Sein Nachfolger wurde Peter Burschel.

Neben der Lehr- und Forschungstätigkeit nahm Schilling Aufgaben im Wissenschaftsmanagement wahr, so namentlich als Vorsitzender für den Verein für Reformationsgeschichte (seit 1996) und als European Managing Editor für das Archiv für Reformationsgeschichte/Archive for Reformation (seit 1995).

Aus dem breiten Feld seiner Forschungen gelten seine Arbeiten zur deutschen und europäischen Konfessionalisierung des späteren 16. und des 17. Jahrhunderts als besonders einflussreich, da sie beginnend mit der Habilitationsschrift von 1977 und seit Mitte der 1980er Jahre in Zusammenarbeit mit Wolfgang Reinhard, der von Beobachtungen aus dem katholischen Umfeld zu ähnlichen Ergebnissen kam, das sozial-, kirchen- und kulturgeschichtliche Paradigma der Konfessionalisierung entwickelten, das eine breite theoretisch-methodische Diskussion und zahlreiche Fallstudien anregte. Grundlagen waren u.a. drei Symposien des Vereins für Reformationsgeschichte (VRG) zur reformiert-calvinistischen (1985), zur lutherischen (1988) und zur katholischen Konfessionalisierung, letzteres 1993 als Kooperation von VRG und der Gesellschaft zur Herausgabe des Corpus Catholicorum (CC) von Wolfgang Reinhard und Heinz Schilling gemeinsam organisiert. Schilling selbst hat das Thema in mehreren Monografien weiter entwickelt und in seine Darstellungen zur deutschen und europäischen Geschichte integriert, zuletzt in dem Essay Early Modern European Civilization und dem Handbuch der Geschichte der internationalen Beziehungen 1559–1660.

Als Berater von Fernsehfilmen (1989 „Mitten in Europa“, Sat.1; 2009 „Wir Deutschen“, ZDF) und historischen Ausstellungen bemüht sich Schilling um die Vermittlung zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit.

Arbeitsschwerpunkte[Bearbeiten]

  • vergleichende Geschichte Europas in der Frühen Neuzeit
  • Internationales System
  • politische und kulturelle Identitätsbildung der europäischen Nationen
  • deutsche Reichs- und Territorialgeschichte
  • Migration und Minderheiten in Alteuropa (Deutschland, England, Niederlande)
  • Stadt und Bürgertum in der Frühen Neuzeit und im Übergang zur modernen Welt
  • Geschichte der politischen Theorie
  • Reformation und Konfessionalisierung
  • Sozial- und Mentalitätsgeschichte des Calvinismus vom 16. bis 19. Jahrhundert
  • frühneuzeitliche Modernisierung in Deutschland und den Niederlanden
  • Geschichte im Museum (Frühneuzeitteil der Dauerausstellung des Deutschen Historischen Museums Berlin; Vorsitz im Wissenschaftlichen Beirat der Europaratsausstellung 1648 – Krieg und Frieden in Europa, Münster/Osnabrück 1998 u. a.)

Mitgliedschaften und Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Niederländische Exulanten im 16. Jahrhundert. Ihre Stellung im Sozialgefüge und im religiösen Leben deutscher und englischer Städte. Mohn, Gütersloh 1972 (Dissertation).
  • Konfessionskonflikt und Staatsbildung. Eine Fallstudie über das Verhältnis von religiösem und sozialem Wandel in der Frühneuzeit am Beispiel der Grafschaft Lippe (= Quellen und Forschungen zur Reformationsgeschichte. Bd. 48). Mohn, Gütersloh 1981 (Habilitationsschrift).
  • mit Hartmut Boockmann, Hagen Schulze, Michael Stürmer: Mitten in Europa - Deutsche Geschichte. Siedler, Berlin 1984.
  • Aufbruch und Krise. Deutschland 1517–1648. Siedler, Berlin 1988.
  • Höfe und Allianzen. Deutschland 1648–1763. Siedler, Berlin 1989.
  • Civic Calvinism in Northwestern Germany and the Netherlands: Sixteenth to Nineteenth Centuries. Sixteenth Century Journal Publisher, Kircsville (Missouri) 1991.
  • Religion, Political Culture and the Emergence of Early Modern Society: Essays in German and Dutch History. Brill, Leiden 1992.
  • Die Stadt in der frühen Neuzeit (= Enzyklopädie deutscher Geschichte. Bd. 24). Oldenbourg, München 1993.
  • Die neue Zeit. Vom Christenheitseuropa zum Europa der Staaten. 1250 bis 1750 (= Siedler Geschichte Europas. Bd. 3). Siedler, Berlin 1999.
  • Ausgewählte Abhandlungen zur europäischen Reformations- und Konfessionsgeschichte (= Historische Forschungen. Bd. 75). Duncker und Humblot, Berlin 2002.
  • Konfessionalisierung und Staatsinteressen. Internationale Beziehungen 1559–1660 (= Handbuch der Geschichte der internationalen Beziehungen. Bd. 2). Schöningh, Paderborn/München/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-506-73722-9.
  • Early Modern European Civilization and Its Political and Cultural Dynamism. University Press of New England, Hanover 2008.
  • mit Jerzy Kałążny, Hubert Orłowski: Konfesjonalizacja: Kościół i państwo w Europie doby przednowoczesnej (= Poznańska Biblioteka Niemiecka. Bd. 32). Wydawnictwo Poznańskie, Poznań 2010.
  • Martin Luther: Rebell in einer Zeit des Umbruchs. Eine Biographie. Beck, München 2012, ISBN 978-3-406-63741-4 (Rezension, H-Soz-u-Kult).

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefan Ehrenpreis (Hrsg.): Wege der Neuzeit. Festschrift für Heinz Schilling zum 65. Geburtstag (= Historische Forschungen. Bd. 85). Duncker & Humblot, Berlin 2007, ISBN 978-3-428-12394-0.

Weblinks[Bearbeiten]