Heinz Tetzner

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Heinz Tetzner (* 8. März 1920 in Gersdorf; † 20. August 2007 ebenda) war ein deutscher Maler und Grafiker des Expressionismus.

Heinz Tetzner, 2006

Biografie[Bearbeiten]

Heinz Tetzner wurde in der Gemeinde Gersdorf in Sachsen geboren und lebte bis zu seinem Tode dort. Nach seiner Lehre als Musterzeichner trat er 1939 seinen Wehrdienst an, besuchte jedoch 1941 als Gastschüler bei Alfred Partikel die Kunstakademie in Königsberg. Den Rest brachte er sich autodidaktisch bei. Besonders der französische Maler Paul Cézanne hatte es ihm angetan.

Ab 1944 war Heinz Tetzner in Kriegsgefangenschaft in Südfrankreich. Aufgrund der schönen Landschaft dort beschäftigte er sich intensiver mit der Kunst; es entstanden Zeichnungen und erste Aquarelle. Nach der Entlassung aus der Gefangenschaft 1946 studierte er bis 1950 an der Hochschule für Bau und Bildende Kunst in Weimar.

In dieser Zeit lernte er unter anderem die Maler Max Pechstein, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff kennen, deren Werke ihn stark beeinflussten. „Das war Futter für mich, denn sie machten etwas, was mich interessierte und in meiner Auffassung von Kunst bestätigte – denn alle malten und zeichneten im expressionistischen Realismus“, erinnerte sich Heinz Tetzner zurück. Auch Pablo Picasso hat ihn mit seiner Art, hinter die Fassade zu blicken, beeinflusst. „Bei einem Porträt versuche ich auch immer, hinter die Fassade zu blicken, die Hintergründe darzulegen und das Psychologische zu beachten.“ Deswegen malte Heinz Tetzner auch expressionistisch. Auch Landschaften waren für ihn bis zu einem gewissen Grade Porträts.

Seine erste Personalausstellung hatte Tetzner 1949 in Weimar anlässlich des Goethe-Jahres. Ab 1950 war er Meisterschüler bei Professor Otto Herbig. Im folgenden Jahr heiratete er Charlotte Decker und wurde erst Assistent und später Dozent für Farbgestaltung und Aktzeichnen an der Hochschule für Bau und bildende Kunst in Weimar. Seit 1954 arbeitet er als freischaffender Maler und Grafiker in seinem Heimatort Gersdorf.

Bereits ein Jahr später erhielt er den Max-Pechstein-Preis der Stadt Zwickau. Außerdem wurde er in den Verband Bildender Künstler Deutschlands aufgenommen. Den Kunstpreis des Bezirks Karl-Marx-Stadt bekam Tetzner im Jahr 1956/57. 1960 wurde der Gersdorfer als Dozent an die Fachhochschule für angewandte Kunst nach Schneeberg berufen.

1976 gab es eine erste umfassende Personalausstellung im Städtischen Museum in Karl-Marx-Stadt. Zum zweiten Mal erhielt er 1987 den Max-Pechstein-Preis der Stadt Zwickau. Eine erste Erarbeitung eines Teilverzeichnisses seiner Werke der Jahre 1940 bis 1987 erfolgte 1988 bis 1990 durch das Bezirkskunstzentrum Karl-Marx-Stadt. In den Kunstsammlungen Chemnitz fand 1990 anlässlich des 70. Geburtstages von Heinz Tetzner eine Retrospektive statt.

Immer wieder zog es den Rentner nach Südfrankreich, vor allem in die Provence, von deren Landschaften er Aquarelle, Ölbilder und Zeichnungen anfertigte. 1995 machte ihn seine Heimatgemeinde Gersdorf zum Ehrenbürger, ein Jahr später erhielt er den Grafikpreis der Neuen Sächsischen Galerie Chemnitz. Zweimal stellt er zwischen 1996 und 1998 in der Gallery „Montserrat“ in New York aus. 1999 erhielt Heinz Tetzner das Bundesverdienstkreuz erster Klasse.

Zu seinem 80. Geburtstag 2000 fand in Gersdorf ein großer Festakt statt. Tetzner erhielt den Ehrenpreis Südwestsachsens und den Grafikpreis „100 ausgewählte Grafiken 2000“. Im darauffolgenden Jahr eröffnete in Gersdorf in der Hessenmühle das Tetzner-Museum Gersdorf, das seitdem wechselnde Ausstellungen mit Werken des Künstlers zeigt. Anlässlich seines 85. Geburtstages wurde vor dem Tetznermuseum eine Porträtbüste Heinz Tetzners von Konrad Hunger aufgestellt.

Heinz Tetzner war - wie seine Frau Charlotte, die während ihrer Inhaftierung im KZ Ravensbrück 1941 "Bibelforscherin" geworden war,[1] - Angehöriger der Zeugen Jehovas. Im Königreichssaal in Gersdorf, der örtlichen Zusammenkunftsstätte der Zeugen Jehovas, schuf er eine Wandmalerei, die Jesus Christus darstellt.

Selbst in hohem Alter arbeitete Heinz Tetzner immer noch in seinem Atelier, allerdings anders als früher. „Alles geht ausgewogener vonstatten. Ich überlege länger, was ich malen oder zeichnen will, brauche aber auch mehr Pausen. Einen Motor kann man auch nicht von morgens bis abends belasten“, so Tetzner, der Ölgemälde nur im Sommer malte, wenn es in seinem Atelier warm war. „Der kleine Ofen dort wärmt im Winter nicht genug. Wenn ich bis 90 malen kann, dann bin ich sehr zufrieden.“ Das war Heinz Tetzners Ziel, aber auch immer bessere Bilder zu malen. Ein ständig wiederkehrendes Thema waren die Harlekine. „Sie sind traurig, auch wenn sie lachen, haben ständig zwei oder mehr verschiedene Gesichter. Das finde ich sehr faszinierend.“

Heinz Tetzner starb am 20. August 2007 in seinem Haus in Gersdorf im Kreis seiner Familie nach langer, schwerer Krankheit.

Ehrungen und Preise[Bearbeiten]

  • 1955: Verleihung des Max-Pechstein-Preises der Stadt Zwickau für sein Gemälde Flöte spielendes Kind
  • 1956: Kunstpreis des Rates des Bezirkes Karl-Marx-Stadt
  • 1957: Kunstpreis des Rates des Bezirkes Karl-Marx-Stadt
  • 1987: erneute Verleihung des Max-Pechstein-Preises der Stadt Zwickau
  • 1995: Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Gersdorf
  • 1996: Grafikpreis der Neuen Sächsischen Galerie Chemnitz anlässlich der Ausstellung 100 Sächsische Grafiken
  • 1999: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse für sein Lebenswerk
  • 1999: Kultur- und Kunstpreis des Freistaates Sachsen

Werke in Sammlungen[Bearbeiten]

  • Berlin, Neue Nationalgalerie
  • Bernried, Buchheim-Museum der Phantasie
  • Chemnitz, Städtische Kunstsammlungen
  • Chemnitz, Neue Sächsische Galerie
  • Dresden, Galerie Neue Meister
  • Dresden, Kupferstichkabinett
  • Gersdorf, Tetzner-Museum
  • Glauchau, Museum Schloss Hinterglauchau
  • Langenfeld, Museum Frau von Stein
  • Leipzig, Museum der bildenden Künste Leipzig
  • Moskau, Puschkin-Museum
  • Weimar, Kunstsammlung
  • Zwickau, Städtisches Museum

Zitate[Bearbeiten]

  • „Ich habe die Kunst immer als Kunst verstanden, niemals als Illustration der Ideologie, als Mittel der Erziehung oder ähnliches. Man wollte Kunst als Abbild, ich betrachte sie als Sinnbild.“
  • „Die Kunst ist kein geschicktes Abmalen der Dinge, sondern ein persönliches Deuten des Erschauten und Erlebten.“

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinz Tetzner, Malerei – Grafik, Herausgeber: Neue Sächsische Galerie Chemnitz 1995
  • Heinz Tetzner, Malerei und Grafik, Herausgeber: Kunstverein Plauen-Vogtland e.V./ Galerie im Malzhaus 1996
  • Heinz Tetzner, Zeichnungen, Aquarelle, Holzschnitte, Herausgegeben von Klaus Hebecker und Susanne Kühne, Bilderhaus Krämerbrücke Erfurt 1999
  • Heinz Tetzner, Zeichnungen und Lithografien, Herausgeber: Kunstraum Zwickauer Raum in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein der Stadt Glauchau „art gluchowe“ e.V. 2000
  • Heinz Tetzner, Aquarelle aus den Jahren 1946 bis 2001, Herausgegeben von der Neuen Sächsischen Galerie Chemnitz 2002
  • Heinz Tetzner, Herausgeber: Galerie 89 München o.J.
  • Heinz Tetzner, Ich male, wie ich atme…, Herausgeber: Gemeinde Gersdorf mit dem Tetzner Museum (Siegfried Wagner und Monika Zscheppank) 2004
  • Charlotte Tetzner (Text) und Heinz Tetzner (Illustrationen): Frierende, Herausgeber: Klartext Verlagsges. 2004, ISBN 3-89861-345-3 (Infos zum Werk 1 Infos zum Werk 2)
  • Heinz Tetzner: Geschriebenes – Das druckgrafische Werk, herausgegeben von Hans Hesse und Elke Purpus 2006, ISBN 3-89861-616-9 (Infos zum Werk)

Film[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Detlev Garbe: Zwischen Widerstand und Martyrium. Die Zeugen Jehovas im „Dritten Reich“, 3. überarb. Aufl., Oldenbourg, München, 1997, S. 442f.

Weblinks[Bearbeiten]