Heinz Trettner

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als Oberst i.G. der Luftwaffe (um 1941/1942)

Heinz Trettner (* 19. September 1907 in Minden; † 18. September 2006 in Mönchengladbach-Rheydt) war ein deutscher Offizier und von 1964 bis 1966 Generalinspekteur der Bundeswehr.

Leben[Bearbeiten]

Heinz Trettner wurde als Sohn eines preußischen Offiziers, der mit seiner Kompanie des Infanterie-Regiments „Prinz Friedrich der Niederlande“ (2. Westfälisches) Nr. 15 diesem 1902 und 1904 den Kaiserpreis erschoss, geboren und trat nach dem Abitur 1925 am Hohenzollern-Gymnasium in Düsseldorf, dem heutigen Görres-Gymnasium, als Fahnenjunker in das 18. Reiter-Regiment in Stuttgart-Cannstatt ein und absolvierte die Ausbildung zum Offizier. 1929 wurde er zum Leutnant ernannt. Ab November 1932 wurde er an der Fliegerschule in Braunschweig zum Piloten ausgebildet.

Während der Zeit des Nationalsozialismus war er von November 1936 bis Januar 1938 zunächst Adjutant von Generalmajor Hugo Sperrle und anschließend Staffelkapitän in der Legion Condor während des Spanischen Bürgerkriegs. Nach seiner Rückkehr erhielt er eine Generalstabsausbildung und wurde im Januar 1938 1. Generalstabsoffizier (Ia) der 7. Fliegerdivision.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkrieges plante er im Mai 1940 als Major und Stabschef von Generalleutnant Kurt Student die Eroberung Hollands und erhielt dafür das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes.

Im Jahre 1941 nahm er an den Kämpfen um Kreta (Unternehmen Merkur) teil und war im darauffolgenden Jahr in die schweren Kämpfe nördlich von Smolensk verwickelt.

Nach der alliierten Landung in Italien wurde er als Generalmajor Divisionskommandeur der am 5. November 1943 in Venedig neu aufgestellten 4. Fallschirmjägerdivision und operierte bis 1944 in Mittel- und Norditalien unter anderem gegen die 91. US-Infanteriedivision. Am 17. September 1944 wurde Trettner nach den Kämpfen um Rom mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet.

Im Mai 1945 geriet er in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft.

Nach 1945[Bearbeiten]

Im April 1948 wurde Trettner aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und arbeitete zunächst beim Diözesan-Caritasverband.[1] Ab Mai 1949 absolvierte er eine kaufmännische Lehre bei der Firma „Vaupel Sohn“, einem Glasgroßhandel in Düsseldorf. Im November 1953 begann er mit dem Studium der Volkswirtschaftslehre und Rechtswissenschaft an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. Ein Diplom als Volkswirt erhielt er 1956.

Im selben Jahr trat er als Generalmajor in die Bundeswehr ein und war bis 1959 Leiter der Abteilung Logistik beim europäischen NATO-Hauptquartier (SHAPE) in Fontainebleau bei Paris. Im Februar 1960 wurde er Kommandierender General des I. Korps der Bundeswehr. Im Januar 1964 wurde er zum Generalinspekteur der Bundeswehr ernannt. 1965 stellte die DDR ein Weissbuch zusammen, das über angebliche „Kriegsverbrechen des Generalinspekteurs der Bundeswehr, General Heinz Trettner“ informierte.[2] Der mit Dokumenten angereicherte Vorwurf: „Trettner war sowohl an der Vorbereitung und Planung von Hitlers Aggressionen, Invasionen und der Überfälle auf neutrale Staaten maßgeblich beteiligt, wie er auch an ihrer militärisch-brutalen Durchsetzung führenden Anteil hatte. Er gehörte zu der kleinen Gruppe von Generalstabsoffizieren, die Hitler persönlich ihre Aggressionspläne vortragen durfte.“[3] Die Veröffentlichung blieb in der Bundesrepublik jedoch folgenlos.

1965 kam es wegen organisatorischen Fragen (unter anderem die Spitzengliederung des Ministeriums) zu Differenzen mit seinem Abteilungsleiterkollegen Ernst Wirmer sowie dem damaligen Verteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel. Im August 1966 bat er im Zusammenhang mit dem Gewerkschaftserlass um seinen Abschied, weil er sich übergangen fühlte.

Trettners Name ist mit dem Konzept von Atomminen an der damaligen innerdeutschen Grenze verbunden.[4]

Trettner war Mitglied im „Förderverein deutscher Soldatenverbände e. V.“ (FdS). Seit dem 7. Juni 1958 war Trettner Ehrenmitglied der katholischen Studentenverbindung K.D.St.V. Hercynia Freiburg im CV.

Im Rahmen der Debatte um die erste Wehrmachtsausstellung veröffentlichte der Bonner General-Anzeiger am 11. März 1997 einen Leserbrief Trettners. Trettner propagiert darin die Präventivkriegsthese: „Es dürfte heute erwiesen sein, daß der Krieg gegen die Sowjetunion – anders als die Umerziehungspropaganda behauptet – in erster Linie ein nur schweren Herzens begonnener, aufgezwungener Präventivkrieg war.“[5]

2005 unterzeichnete Trettner den kontroversen Aufruf „Gegen das Vergessen“ des Instituts für Staatspolitik. Dieser richtete sich gegen die Namenstilgung des Jagdfliegers Werner Mölders und den Umgang der Bundeswehr mit Tradition und Soldatenverbänden. So blieb er demonstrativ den Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Bundeswehr fern.

Trettner starb einen Tag vor seinem 99. Geburtstag.[1] Er war der letzte lebende General der Wehrmacht.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Spanischer Bürgerkrieg[Bearbeiten]

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Nach 1945[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • John Zimmermann: Führungskrise in der Bundeswehr oder „Aufstand der Generale“? Die Rücktritte der Generale Trettner und Panitzki 1966. In: Eberhard Birk, Heiner Möllers, Wolfgang Schmidt (Hrsg.): Die Luftwaffe zwischen Politik und Technik (= Schriften zur Geschichte der Deutschen Luftwaffe, Band 2). Carola Hartmann Miles-Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-937885-56-8, S. 108–123.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Clemens Range: Tapfer und tatkräftig bis zum Ende. Artikel, Junge Freiheit 40/2006, S. 5.
  2. Weissbuch über die Kriegsverbrechen des Generalinspekteurs der Bundeswehr General Heinz Trettner. Verlag: Nationalrat der Nationalen Front des Demokratischen Deutschland. Berlin 1964.
  3. Weissbuch über die Kriegsverbrechen des Generalinspekteurs der Bundeswehr General Heinz Trettner. Verlag: Nationalrat der Nationalen Front des Demokratischen Deutschland. Berlin 1964, S.50
  4. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46168971.html
  5. Zitiert nach Walter Kolbow: Rede im Deutschen Bundestag am 13. März 1997 zur Wehrmachtsausstellung, hier S. 14724 (Abruf am 18. Dezember 2014). Siehe auch Hans-Erich Volkmann: Die Legende vom Präventivkrieg, in: Die Zeit, 13. Juni 1997.